Interview mit Hansjörg Posch – tunesBag

Hansjörg Posch, Gründer von tunesBag, spricht im Interview über seinen neuen Dienst, der die eigene Musiksammlung mobil macht und das legale Tauschen von Musik fördert. Weiters spricht der 27-jährige Wiener über die rechtlichen Aspekte und das Leben als Internetunternehmer in Österreich.

tunesbag

Hi Hansjörg, kannst du bitte das Konzept von tunesBag erklären?
tunesBag ist eine Online Audio Library, iTunes via Browser sozusagen. Mit dem Service hat man jederzeit und überall Zugriff auf seine Musiksammlung und kann damit einfach zB während der Arbeit Musik hören oder am Wochenende bei Freunden unkompliziert als DJ brillieren. Mit tunesBag wird die Musik unabhängig von iPod, PC oder Mac und so universell verfügbar. Als Nebenprodukt wird praktischerweise ein Backup der hart erworbenen Tracks durchgeführt.

Was ist die Stärke von tunesBag?
tunesBag schafft eine einfache Möglichkeit für den Online-Zugriff auf die eigene Musik und lässt auch ein Teilen mit Freunden zu. Dazu werden Selektierungsmöglichkeiten wie Playlists (dynamisch oder statisch) angeboten, die Ordnung schaffen und die Übersicht verbessern. Für den optimalen Hörgenuss ermittelt das System Empfehlungen passend zum aktuellen Track / Künstler.

Um den Nutzen nachhaltig zu steigern setzt das Produkt einen starken Fokus auf die Integration bestehender Dienste. Dazu kann der Nutzer zB seinen Facebook – Account integrieren um die dortigen Freunde automatisch als tunesBag – Freunde zu definieren oder aber auch das Video zu einem Track bei YouTube begutachten.

Wie kommt die Musik in das System?
Der Rohstoff ist bereits da – auf der Festplatte des Nutzers und seiner Freunde. Um diese nun in das System zu bringen stehen einige Möglichkeiten zur Verfügung, beginnend von einem einfachen Web – Upload, E-Mail bis hin zu einer installierbaren Applikation für den Import der iTunes / Winamp Bibliothek. Dazu kommt eine Reihe bereits bereitstehender, freier Musik und zahlreiche Podcasts, die der Nutzer abonnieren kann.

Wer steckt hinter tunesBag?
hansjoergposchIch (Hansjörg Posch) habe gemeinsam mit mehreren Freelancern ein skalierbares System entwickelt, das konsequent auf Web-Standards setzt. tunesBag ist ein J2EE Produkt und wird mit Hilfe von Adobe ColdFusion auf einer OpenSource Basis betrieben.

Wie ist der Name tunesBag entstanden?
tunesBag hat sich nach mehreren Iterationen als optional erwiesen, da der Name den Grundgedanken am Besten zum Ausdruck bringt: Meine Melodien, meine Musik immer im Bag dabei. Dass die Domain dann auch noch frei war nenne ich glückliche Fügung.

Wie kam es zu der Idee?
Die Idee wurde ganz klar aus persönlichen Bedürfnissen heraus geboren: Oftmals kam es vor, dass Track-Empfehlungen nur nervig über E-Mails mit MP3-Attachments liefen oder ich bei einer Sommerfete einfach relaxte Musik laufen lassen wollte, aber meinen iPod zu Hause vergessen hatte – kurzum, die Musik war oft nicht da, wo ich war. Mit tunesBag hat sich das gebessert, nun kann man sich überall einloggen, die Verbindung Notebook/Stereoanlage ist meistens kein Thema und Empfehlungen an Freunde laufen nun auch viel einfacher ab.

Wie lange hast du für die Umsetzung benötigt?
Inklusive der Konzeptionsphase läuft das Projekt nun seit der zweiten Jahreshälfte 2007. Erstmals öffentlich vorgestellt wurde es zum Jahreswechsel bei dig.it.all der Telekom Austria in Wien.

Welche Zielgruppe und Zielmärkte spricht tunesBag an?
Ich denke, es gibt sogenannte Musik-Hubs, also Leute die sich sehr intensiv mit Musik beschäftigen und diese auch Freunden empfehlen. Diese gilt es zu erreichen und motivieren, ihre Freunde in tunesBag einzubinden. Ich denke mit der Facebook Integration (Facebook Freunde = tunesBag Freunde) lässt sich das auch relativ einfach handhaben.

Der Markt als solches ist weltweit zu sehen, ich denke das Produkt ist nicht so sehr geographisch als mehr Nutzer-orientiert zu sehen. Loic Le Meur hat das letztens in einem Interview mit Global Or Die: Is There A Future For Local Startups? denke ich recht gut umschrieben. Daher ist es auch absolut wichtig für das Project eine nennenswerte Audience in den Staaten oder UK aufzubauen.

Wie kann sich tunesBag zu Diensten wie last.fm oder Myspace abgrenzen?
Bestehende Communities wie last.fm oder Facebook werden integriert (zB wird die Freundesliste aus Facebook bezogen oder Hörgewohnheiten werden an last.fm übertragen). Unser Ansatz ist es eine smarte Lösung für den Hörgenuß via Browser zu schaffen und wir setzen hier konsequent auf Integration anderer Dienste und einfache Handhabung.

Zu unseren Mitbewerbern zählen anywhere.fm, deezer, simfy oder mp3tunes.

Wie finanziert sich tunesBag?
Derzeit wird das Projekt privat finanziert, dies soll sich natürlich in absehbarer Zeit ändern. Daher wird eine erste Finanzierungsrunde angestrebt, um die Entwicklung voranzutreiben und das Produkt kräftig in den Markt zu pushen.

tunesBag ist kostenlos und soll es grundsätzlich auch immer bleiben. Umsätze sollen über Display/Audio Werbung, Artist-Features oder Affiliate – Programme generiert werden. Kostenpflichtige Zusatzdienste oder die Vermarktung über Partner sind geplant.

Stellten rechtliche Aspekte bei der Gründung von tunesBag keine großen Hürden dar?
tunesBag ist eindeutig legal – das Hochladen der eigenen Musik unterliegt der Verantwortung des Nutzers, DRM geschützte Daten werden vom System nicht akzeptiert und die Inhalte werden nicht öffentlich zur Verfügung gestellt. Das Teilen der Playlists und Daten mit den Friends wird nur via Streaming angeboten und steht in Einklang mit der Rechtslage in Österreich und den meisten Ländern der Welt (Privatkopie).

Welche weiteren Features werden in Zukunft folgen?
Neben der Analyse der Ergebnissen des ersten Beta-Tests wird natürlich bereits an neuen Features gearbeitet, die nach und nach das Licht der Welt erblicken werden. Für Developer wird es eine API geben, die den standarisierten Zugriff auf Informationen erlaubt. Eine deutsche Version soll auch folgen ;-)

Wie siehst du die Internetszene in Österreich?
Ein komplexes Thema – Licht und Schatten. Auf der einen Seite sehe ich relativ viele innovative Ansätze auf der anderen ist es real recht schwierig aufgrund des fehlenden Umfeldes sehr viel zu bewegen. Das Internet verbindet uns zwar alle aber in Wirklichkeit kommt es – abgesehen von wenigen Ausnahmen – immer auf die Kontakte und Verbindungen an, die über Erfolg oder Misserfolg eines Produkts entscheiden. Mit tunesBag stehen wir natürlich genau vor diesem Dilemma aber wir sind für die erste Phase mit dem Fokus auf die englische Sprache, der Integration der Major Players wie Facebook, Twitter oder last.fm denke ich ganz gut gerüstet. In der zweiten Phase muss ganz klar auch eine Internationalisierung auf der Ebene der Beteiligten passieren.

Welche Websites im deutschsprachigen Raum findest du besonders interessant?
Gut gemacht und interessant finde ich so manche Zeitungs- oder Magazin-Seite wie zB derspiegel.de oder nzz.ch, dann gibt es eine Reihe lesenswerter Blogs (zB von Andreas Göldi oder einige bei jurablogs.com) und nicht zu vergessen sind die puren Unterhaltungs-Seiten wie bild.de oder viply.de – so schlecht, dass einen die dortigen News nicht aufmuntern können, kann es einem gar nicht gehen.

Dein Schlusssatz?
MITSTREITER GESUCHT! Um das Projekt ordentlich voranzutreiben werden Leute gesucht, die wissen wie man ein solches Produkt optimal positioniert und in den Markt bringt. Wenn einer der werten Leser sich dazu befähigt fühlt oder jemanden kennt und Referenzen vorweisen kann, bin ich gerne für ein Gespräch bereit.

Ansonsten: Das Leben ist zu kurz um schlechte Musik zu hören!

Neugierg geworden? Hansjörg stellt den Internetszene.at Lesern 20 Invitations zur Verfügung. Jetzt tunesBag entdecken.

Das E-Interview führte Thomas Gabriel von Internetszene.at am 18.03.2008.

Rückverfolgungen/Pingbacks

  1. internetszene.com » Archiv » tunesBag: mp3-Streaming und -Sharing - 28. März 2008

    [...] Thomas hat für unseren österreichischen Schwesterblog ein Interview mit dem tunesBag-Gründer Hansjörg Posch geführt. Ein empfehlenswertes Review von tunesBag findet sich im angesprochenen Beitrag auf zweinull.cc. Auch bei uns gibt’s noch einige Beta-Invites zur Vergabe – hinterlasst einfach einen Kommentar mit eurer E-Mail-Adresse. Veröffentlicht von Michael Ellensohn Abgelegt unter Musik, Web2.0, News [...]

  2. internetszene.at » Archiv » Österreich Startups: Little Big Stars - 30. Juni 2009

    [...] Library. Mit dem Service hat man jederzeit und überall Zugriff auf seine Musiksammlung. Mehr im Interview mit Hansjörg Posch. Hansjörg Posch ist auch als Gastautor von internetszene.at [...]

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