Checkliste: Limited oder GmbH?

Die Limited / Ltd – das ist doch die Firmenform für dubiose Makler und Reisebüros, oder? Das Online Musikservice tunesBag.com aus Österreich geht nun weder dem Maklergewerbe nach noch schicken wir Leute in überteuerte Cluburlaube – trotzdem haben wir uns für die Rechtsform mit den drei Buchstaben entschieden und in diesem Beitrag möchte ich kurz die Gründe als auch die Vorgehensweise erläutern.

1. In aller Kürze – was macht eine Limited aus?

Eine Limited ist nichts anderes als eine nicht börsennotierte Kapitalgesellschaft nach britischem Gesellschaftsrecht. Die Gesellschaft verfügt über Shareholder (Gesellschafter), einen oder mehrere Directors (Vorstand) und optional einen Secretary (Schriftführer). Zwingend ist noch ein registered Office in Großbritannien vorgeschrieben, das für Behördenverkehr genutzt wird.

Möglich wird die Inanspruchnahme dieser Rechtsform durch mehrere Urteile des Eurpäischen Gerichtshofs (Centros, Überseering) bei denen eindeutig festgestellt wurde dass man für die Geschäftstätigkeit im eigenen Land auch auf Gesellschaftsformen anderer EU-Mitgliedsländer zurückgreifen kann. Dies betrifft selbstverständlich nur die gesellschaftsrechtliche Seite mit den Organen und dem Innenverhältnis der Gesellschaft, alle weiteren Materien wie Steuern, Arbeitsrecht, Strafrecht etc. unterliegen dem Recht des Staates der Hauptverwaltung.

Kurz gesagt bedeutet dies, dass eine Limited mit Hauptsitz Wien hier genauso wie eine GmbH zu besteuern ist, den gleichen Regeln beim Arbeitsrecht unterliegt und trotz ihrer britschen Herkunft genausowenig die Lizenz zum Töten besitzt.

2. Warum eine Limited und keine GmbH?

Wir haben uns für die Limited grundsätzlich aus drei Gründen entschieden:

- Das Mindest – Stammkapital fällt deutlich geringer aus (1 Pfund vs 35.000 EUR).

- Wir möchten den internationalen Fokus auch in Richtung potentielle Investoren und Kunden deutlich darstellen.

- Die Übertragung von Gesellschaftsanteilen erfolgt deutlich einfacher und ist nicht notariatspflichtig.

Die Wahl zwischen einer Limited, GmbH oder OG (Personengesellschaft) sollte immer einzelfallsbezogen werden. Prinzipiell spricht gerade am Anfang wenig gegen eine OG und sollte es wirklich zur Einführung einer “kleinen GmbH” (wie in Deutschland) kommen, ist auch diese eine gute Wahl, denke ich.

3. Welche Kosten fallen an?

Die laufenden Kosten einer Limited und einer GmbH sind prinzipiell nicht allzu unterschiedlich – Kammerumlage, Körperschaftssteuer, Kosten für Steuerberatung/Bilanzierung fallen gleichermaßen an. Der Unterschied liegt vor allem im Preis der Gründung selbst.

- Gründung der Limited und Eintragung beim Companies House: 260 EUR
Die Gründung selbst sollte über eine Agentur wie Go Ahead Limited vorgenommen werden – das spart Zeit und in unserem Fall hat es nur knappe 48 Stunden gedauert. Mit diesem Schritt ist das Unternehmen bereits rechtsfähig!
- Secretary Service für das 1. Jahr: 260 EUR
Betrieb des notwendigen Registered office (Behörenverkehr/Adresse in UK)

- Beglaubigung der Unterschriften bei einem österr. Notar: Ab 70 EUR (je nach Anzahl der Gesellschafter)
Notwendig für den Antrag zur Eintragung einer Niederlassung

- Eintragungsgebühren Zweigniederlassung in das Firmenbuch: 300 EUR

In Summe kann man von Kosten von ca. 1.000 EUR im ersten und ca. 260 EUR (Secreatry Service) in den Folgejahren sprechen.

4. Warum soll ich überhaupt den Hauptsitz nach Österreich verlegen?

Wie man aus der obigen Rechnung leicht erkennen kann, macht die Eintragung einer Niederlassung in Österreich einen großen Brocken der Kosten aus. Warum sollte man nicht darauf verzichten? Dafür gibt es mehrere Gründe, der wichtigste ist aber mit Sicherheit dass nur die Verlegung des Hauptsitzes garantiert, dass man sich nicht weiter (abgesehen vom Gesellschaftsrecht) um britische Vorschriften zu kümmern hat. Die Tätigkeit in Österreich löst zudem automatisch steuerliche Folgen aus, zumal sich im Regelfall die einzige wirkliche Betriebsstätte im Inland befindet; außerdem bekommt man im Normalfall als Gesellschaft ohne Firmenbuchnummer weder einen Handyvertrag noch ein Konto. Kurzum gesagt begibt man sich bei einer Tätigkeit ohne korrekte Rahmenbedingungen längerfristig auf sehr dünnes Eis.

5. Konkrete Schritte zur Gründung und Eintragung einer Limited

Folgende Checkliste sollte beachtet werden (bzw. entspricht sie in weiten Teilen unserer Vorgehensweise ohne Beiziehung weiterer Berater):

A) Gründung der Limited über einen Dienstleister wie Go Ahead Limited

Nach Bezahlung und Eingabe der Daten erfolgt sehr rasch die Gründung und Eintragung in das britische Handelsregister. Die Agentur schickt die Bestätigungen sowohl elektronisch als auch per Post. Die wichtigen Dokumente sind das Memorandum of Association (Kapital, Gesellschaftszweck etc) und die Articles of Association (Gesellschaftsvertrag mit Rechten/Pflichten der Gesellschafter). Beide Dokumente werden in standarisierter Form sowohl auf englisch als auch in einer beglaubigten deutschen Übersetzung geliefert. Zusätzlich gibt es eine Bestätigung der Eintragung.

B) Fassung des Beschlusses zur Verlegung des Hauptsitzes

Die Vollversammlung der Limited unter Leitung des neu ernannten Directors fasst als erste Handlung den Entschluß den Hauptsitz nach Österreich zu verlegen. Dieses Dokument wird von der Agentur zur Verfügung gestellt.

C) Unterzeichnung der Dokumente vor einem Notar

Zur zweifelsfreien Identifikation ist es notwendig, dass der Erreichtungsvertrag und der oben genannten Beschluß vor einem Notar von allen Gesellschaftern unterschrieben werden.

D) Musterzeichnung durch den Director

Der Director muss als zukünftiger inländischer Geschäftsführer eine Musterzeichnung vornehmen und unterschreiben – auch für dieses Dokument gibt es eine Vorlage.

E) Bestätigung der tatsächlichen Errichtung der Niederlassung

Dieser Punkt ist essenziell – die tatsächliche Errichtung muss durch einen (Unter-) Mietvertrag oder einen Handy-Vertrag nachgewiesen werden. Durch diese Maßnahme will man sich gegen Scheineintragungen zur Wehr setzen. Interessanterweise wird zwar von der Wirtschaftskammer problemlos eine Bestätigung dafür ausgestellt, diese ist jedoch nach Angaben des Handelsgerichts völlig belanglos.

Sobald man alle diese Unterlagen vorliegen hat schickt man sie einfach an das zuständige Handelsgericht (Infos dazu unter help.gv.at). Wenn man Glück hat ist in zwei, drei Wochen alles erledigt und man erhält die Bestätigung über die Eintragung (sehr erfreulich) plus einen Zahlschein über 300 EUR (weniger erfreulich).

6. Weitere Schritte

Die weiteren Schritte entsprechen dem Procedere bei der Gründung einer GmbH.

Da die Behörden miteinander im regen Austausch stehen bekommt man auch bereits ein Schreiben vom Finanzamt; hier geht es um die Erfassung der Aktivitäten (im Formular wörtlich “Engagement”!) von ausländischen Gesellschaften in Österreich. Die hier gemachten Angaben sind vor allem für die Berechnung von Vorauszahlungen etc relevant und dies sollte unbedingt mit einem Steuerberater gemacht werden.

Ansonsten stehen noch gewerberechtliche Schritte an (Anmeldung eines Gewerbes) sowie eine unter Umständen erforderliche Pflichtversicherung bei der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft. Auch diese Schritte sollte man gemeinsam mit einem Steuerberater durchgehen.

Der Steuerberater soll sich auch auf jeden Fall um die UID – Nummer kümmern und gemeinsam mit der Agentur die korrekte Übermittlung einer sogenannten Nullsteuermeldung durchführen – damit gibt man an, dass alle Umsätze in Österreich versteuert werden und es zu keiner Steuerpflicht in Großbritannien mehr kommt. Auch für diesen Schritt gibt es Vorlagen seitens der Agentur.

7. Persönliches Conclusio

Die Gründung der Limited war aus meiner Sicht eine spannende Sache und hat dazu geführt, dass ich auch wieder einmal meine Gesellschaftsrechts – Kenntnisse als Jurist anwenden konnte. Wenn man sich an die oben genannte Checkliste hält und Gründe für die Limited sprechen, halte ich diese Form vor allem für Startups für absolut interessant.

Autor: Hansjörg Posch

5 Antworten an “Checkliste: Limited oder GmbH?”

  1. MAIN-BLOG

    Apr 01. 2009

    Hi,
    kann ich so gar nicht bestätigen. Hab in 2007 eine Limited gegründet, bin aber auch an einer GmbH beteiligt und hab eine zweite Ende letzten Jahres selbst gegründet. Wenn man bei der Ltd. das Rundum-Sorglos-Paket wählt (was der Laie auch tun sollte), dann ist man auch sehr schnell auf 1.000 Euro, die jährlichen Kosten sind auch hoch. Und wenn man dann die Ltd. auch (in Deutschland) ins Handelsregister eintragen lässt und hier als selbstständige Niederlassung (und somit als Kapitalgesellschaft in D) führt, fallen die gleichen buchhalterischen/Steuerberaterkosten an, wie bei der GmbH auch. Und die Gründung meiner GmbH hat mich insgesamt 800 Euro gekostet, der Aufwand war auch minimal. Außerdem ist die GmbH einfach anerkannter. Ich plädiere (jedenfalls in Deutschland) ganz klar für die GmbH, die Erfahrung spricht auch dafür.

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  2. Hansjoerg Posch

    Apr 01. 2009

    Wie ich oben erwähnt habe sind die laufenden Kosten (bis auf die zusätzlichen Secretary Kosten) ziemlich genau gleich wie bei der GmbH – daher meine ich (Dir zustimmend) auch dass das Kostenargument längerfristig nicht zieht.

    Die Geschichte mit dem Stammkapital ist aber auf jeden Fall interessant, selbst wenn man für die 17.500 (die Hälfte muss in Österreich einbezahlt sein) nur für einen Tag die Bankbestätigung bringen muss heißt das, dass die Gesellschafter mit 35.000 EUR haften. Bei der Limited ist die Haftung zwar auch nicht ausgeschlossen (vielleicht sogar etwas heftiger) aber im Fall des Falles wird dort dann eben wirklich nur für zB 100 Pfund gehaftet.

    Das ändert natürlich überhaupt nichts an der Tatsache, dass man einen Kredit oder ähnliches im Regelfall aber nur mit der Eingehung persönlicher Haftung bekommt; daran ändert wohl keine Kapitalgesellschaft etwas (vor allem wenn es sich um eine relativ kleine handelt).

    Zu den 800 EUR Gründungskosten kann ich nur gratulieren, ich kenne das von Bekannten in Österreich nur iHv 4000 EUR (inkl. Notar, Gericht, Rechtsanwalt) aufwärts.

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  3. Stefan

    Apr 01. 2009

    Ihr habt bei den Unterhaltskosten die Rechtsberatungskosten auf Gesellschafterebene nicht aufgeführt. Englisches Commons Laws wirkt da ausgesprochen kostentreibend – ab 400 £/Stunde, meiner Erfahrung nach.

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  4. MAIN-BLOG

    Apr 02. 2009

    OK, kann sein, dass Rechtsberatungskosten so hoch sind. Aber ich glaube nicht, dass jeder Neugründer sofort einen Rechtsanwalt beschäftigen muss, schon gar nicht für 400 Pfund/h. Ich bin jetzt seit 2 Jahren selbstständig (GmbH) unterwegs, bisher ging es (zum Glück) so.

    Ja, mit 800 Euro Gründungskosten bin ich wohl die Ausnahme, ging aber alles total reibungslos und ich hatte auch wirklich alles bis ins letzte Detail selbst vorbereitet (Protokoll, GF-Vertrag, Satzung etc.), so dass der Notar nur noch mal alles vor den Gesellschaftern vorlesen musste, was ich eh selbst geschrieben habe. Auch die Anmeldung ins Handelsregister dauerte nur 2 Wochen, was ja für deutsche Verhältnisse wahrscheinlich Weltrekord ist ;-)

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