Interview mit Lukas Zinnagl von Diagnosia

Das Wiener Startup Diagnosia will die weltweit größte und verlässlichste Medikamentensuche im Internet werden. Im ersten offiziellen Interview spricht der Co-Founder Lukas Zinnagl über die Idee, die Konkurrenten von Diagnosia und warum die Gründer ihre Anteile durch Investoren nicht “verwässern” lassen wollen.

Hi Lukas,
stelle dich doch bitte kurz unseren Lesern vor. Wie sieht dein bisheriger beruflicher bzw. unternehmerischer Werdegang aus?

Hallo, mein Name ist Lukas Zinnagl und ich bewege mich seit nunmehr 4 Jahren nicht nur passiv, sondern auch aktiv im Internetbereich. Meine erste Station war bei i5invest, wo ich im Bereich Venture Capital und Seedfinanzierung vieles gelernt habe. Äußerdem haben wir damals als sehr kleines Team die Unternehmen 123people und tripwolf aufgebaut. Danach kam ich zu Tupalo.com, wo ich viel über den Gelbe Seiten Bereich gelernt habe. Neben ein paar kleineren Startups bzw. “pet Projekts” ist Diagnosia mein erstes richtiges Startup. Da auch von meiner Ausbildung her Arzt bin, war es für mich immer klar Medizin und Internet zu kombinieren. Mit Diagnosia.com ist uns das hoffentlich geglückt.

Da ich gerne schreibe bin ich Contributing Editor für TechCrunch Europe und betreibe meinen privaten Medizinblog unter MedCrunch.net.

Kannst du bitte das Konzept von Diagnosia erläutern?
Kurz gesagt: Wir wollen die beste internationale Medikamentensuche aufbauen – sowohl für Laien als auch für Fachgruppen, wie z.B. Ärzte. Gebrauchsinformationen und sogenannte Fachinformationen, eine Art Packungsbeilage für Ärzte, ist derzeit nur als PDF Format auf Behördenseiten vorhanden und natürlich in Printformat bei den jeweiligen Herstellern. Durch Anbindung an nationale und internationale Zulassungsbehörden für Arzneimittel, u.a. die höchste europäische Instanz European Medical Agency (EMA) war es uns möglich diese Gebrauchs- und Fachinformationen in 22 Sprachen in ein W3C valides HTML Format zu bringen. Damit sind wir die ersten weltweit, die dies zustande gebracht haben.

Auf Diagnosia.com findet man demnach verfizierte und stets aktuelle Informationen zu allen zugelassenen Arzneimitteln, Wirkstoffen und Herstellern. Ein Health Center ist unser ergänzendes editorielles Outlet.

Wer steckt hinter Diagnosia?
Für ein Projekt dieser Größenordnung bedarf es natürlich eines sehr kompetenten Teams. Wir sind insgesamt fünf Gründer, was zwar nicht Usus ist in der Branche, aber für unser Startup sind alle fünf Personen von essentieller Bedeutung. Fritz Hellerer, ist Arzt und bringt sein Know-how vom Klinikalltag ein und kennt die Bedürfnisse von Ärzten. Marco Vitula, der u.a. Österreich’s größte Arztsuche gegründet hat, verantwortet gemeinsam mit unserem CTO, Stefan Weixelbaumer, der zuvor lange für die APA tätig war, die technische Entwicklung. Eric Pfarl, war einer der Gründer von 123people und tripwolf und kümmert sich im Team um das internationale Business Development. Wie man sieht eine sehr durchwachsene Gruppe an Leuten.

In den kommenden Wochen werden wir auch unser Advisory Board bekannt geben, wo sich einige internationale Fachleute im Bereich e-Health wiederfinden.

Wie kam es zu der Idee?
Mein Kollege Fritz Höllerer hatte damals die Idee, eine iPhone App mit Arzneimittelinformationen für österreichische Ärzte zu machen. Wir haben dann mit den zuständigen Behörden gesprochen und haben dann sehr schnell erkannt welches großes Potential hier schlummert, das Konzept ins Web zu transportieren. Die Idee, das Team und der Umstand, dass wir die bestehenden Online Lösungen einfach als sehr schlecht empfanden, waren Gründe genug, das selbst in die Hand zu nehmen.

Worauf basiert das Geschäftsmodell von Diagnosia? Sind Investoren mit an Bord?
Wir verfolgen kein werbe-getriebenes Modell. Unser Produkt ist sehr gut und wir sehen bereits signifikanten Traffic, sodass wir in den kommenden Monaten mit der Internationalisierung eine große Menge an Menschen erreichen werden, die sich oftmals online über Arzneimittel informiert. Diese Menschen (sowohl Laien als auch Fachgruppen) sollen sich auf Diagnosia.com austauschen und ihr Feedback abgeben. Wir haben einige sehr innovative Feedback-Lösungen in petto, wie wir qualifiziertes Feedback sammeln, aggregieren und anonymisieren. Man kann es auch “Marktforschung 2.0″ nennen.

Die Pharmaindustrie ist natürlich auch immer ein interessanter Revenuepartner, wobei es uns jedoch äußerst wichtig ist, gänzlich unabhängig zu agieren.

Von Investoren kamen interessanterweise in den letzten Wochen einige Anfragen. Mit unserer AWS PreSeed Förderung sind wir aber bestens versorgt und wollen das Unternehmen nicht frühzeitig verwässern.

Wer sind die Konkurrenten von Diagnosia? Und wie grenzt sich Diagnosia von der Konkurrenz ab?
Unsere USPs sind relativ klar darzustellen: Unique Content, Mehrsprachigkeit, kontinuierliche Updates, verifizierte Quellen und ein zeitgemäßes User Interface. In Deutschland gibt es Seiten die ausschließlich vom Feedback der User Leben, wie zum Beispiel Sanego. In den USA gibt es große Player wie ePocrates, die erst kürzlich an die Börse gegangen sind.

Welche Zielgruppe und Zielmärkte spricht Diagnosia an?
Wir werden unser Angebot 2011 in ca. 20 Märkten EU-weit ausrollen. Außerdem sprechen wir mit der FDA in den USA, um 2012 auch eine Expansion in die USA zu ermöglichen. Laut einer Studie der London School of Economics sucht jede/r 3. Internetuser in Europa nach Medikamenten im Internet. Das ist eine beträchtliche Anzahl aller Suchabfragen. Neben Patienten oder interessierte Personen, suchen auch Ärzte zunehmen im Internet, anstatt auf die bestehenden Medien zurückzugreifen: CD-Rom und Buch.

Wie sieht die Wachstumsstrategie von Diagnosia aus? Welche Ziele habt ihr euch für 2011 gesetzt?
Wie oben erwähnt planen wir den EU-weiten Rollout 2011 und parallel die direkt Akquise von Fachgruppen. Durch unseren Unikaten Content sind wir außerdem im Internet bereits jetzt schon sehr präsent.

Wo möchtet ihr mit Diagnosia in 3 Jahren stehen?
Die weltweit größte und verlässlichste Medikamentensuche als profitables Unternehmen zu führen.

Wie lauten deine drei Lieblingswebsites?
http://news.ycombinator.com

http://www.lettersofnote.com

http://www.diagnosia.com
;)

Wie siehst du die Internetszene in Österreich?
Es tut sich was! Vor 5-10 Jahren schauten alle in die USA, in den letzten Jahren haben sich Berlin und London zusehends zu Startup Hubs in Europa entwickelt und wir sind in Wien am besten Weg dazu. Ich versuche mit meiner journalistischen Tätigkeit für TechCrunch die hiesige Szene zu stärken und zu unterstützen. Es gibt aber eine Vielzahl an super Initiativen und Gruppierungen wie STARTEurope, Initialfactor, Sektor5 und das Metalab die die Eckpfeiler für eine funktionierende Startupkultur sind.

Welche Frage würdest Du Dir gern selbst noch stellen? Wie lautet die Antwort?
Welches Element eines erfolgreichen Startups wird in Europa meistens unterschätzt?
Ästhetik und User Experience

Danke für das Interview!
Ich bedanke mich!

Das E-Interview führte Thomas Gabriel von internetszene.at am 28.03.2011.

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