Online-Versand Vamida.at bereitet Österreichs Apotheken Kopfzerbrechen

Das Wiener Startup Vamida startet einen Online-Shop mit rezeptfreien Arzneimitteln in Österreich. Der Versand von Medikamenten ist in Österreich untersagt. Die Händler umgehen das Verkaufsverbot, indem sie sich ausländische Partner suchen. Aus diesem Grund hat Gründer Martin Wallner in Tschechien eine behördlich legitimierte Versandapotheke registriert.

Die Nachfrage nach günstigen Medikamten im Internet steigt. Seit 2010 drängen zahlreiche internationale Versandapotheken in den Markt, welche Österreich von den Unternehmenszentralen aus mit betreuen und die Produkte von einer Apotheke in einem Nachbarland (hauptsächlich Deutschland und Tschechische Republik) aus versenden.

Vamida (kurz für Versandapotheke mit Drogerieartikeln) bezeichnet sich selbst als die erste Online-Apotheke unter österreichischer Leitung und will sich mit Schnelligkeit und Sicherheit von den Mitbewerbern abheben. Das Wiener Startup wirbt damit, rezeptfreie Medikamente bis zu 40 Prozent billiger anbieten zu können. Eine Aspirin+C Brausetabletten kostet im Shop 3,99 EUR statt 5,40 EUR.  Bei Amazon kostet die selbe Packung 4,86 EUR (Anbieter Bayer Vital GmbH). Vamida handelt laut eigenen Angaben mit Markenprodukten und Generika von österreichischen Großhändlern, so wie sie auch in österreichischen Apotheken erhältlich seien.

“Vamida ist nicht an die Preisempfehlungen der Apothekerkammer gebunden und kann zudem alle Packungsgrößen anbieten, wovon vor allem chronisch Kranke und Familien profitieren. Zudem erhebt Vamida keine Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschläge oder sonstige Taxen, die den Erwerb eines Heil- oder Arzneimittels verteuern.”

Anfang 2012 wurde das Unternehmen Vamida s.r.o gegründet. Zu den Investoren zählen PP Investments und der Österreicher Fred Kranich (Inari Investments). Nach Österreich will das Startup auch den deutschen, slowakischen und tschechischen Markt mit Medikamten erobern.

Kampf ums Monopol: Die Österreichische Apothekerkammer appeliert in einem Brief an das “Bundesministerium für Gesundheit” für die Beibehaltung des Verbotes. Der Staat müsse ansonsten mit Steuerrückgängen rechnen.

“Es besteht in der Apothekerschaft die Befürchtung, dass die geplante Ausweitung des Versandhandels auch eine Schwächung des Wirtschaftsstandortes Österreich zur Folge hat. Internationale Beispiele legen den Schluss nahe, dass ein großer Anteil des Versandhandels über ausländische Anbieter erfolgen wird. “

Mit dieser ungewöhnlichen Apotheker Begründung müssten demnach aus wirtschaftlichen Überlegungen die Online-Shops aller Branchen in Österreich verboten werden. Vor dem Apothekenmonopol in Österreich zeigen Bipa, DM und Co. keine Furcht. Bipa kooperiert mit  der Versandapotheke Mycare aus Deutschland. DM hat seit 2011 eine Partnerschaft mit der Schweizer Versandapotheke Zur Rose, die Österreich von Tschechien aus beliefert.

„Die Apotheke kauft die Medikamente in Österreich ein, schickt sie nach Tschechien und von dort zurück nach Österreich“, sagt ein DM-Sprecher

Einen anderen Weg hat der Mitbewerber apothekenbote.at gewählt. Klickt man in deren Online-Shop, sticht dem Nutzer folgender Hinweis ins Auge:

“Bei diesen Produkten handelt es sich um Arzneimittel, die nach österreichischem Recht nicht versendet werden dürfen. Sie können aber Arzneimittel über unseren Shop vorreservieren lassen und in einer unserer Partner-Apotheken zur Abholung bereitlegen lassen (Reservierung – Der Kaufvertrag kommt mit der gewählten Apotheke zustande). Dort werden Sie dann fachkundig zu der richtigen Anwendung und möglichen Nebenwirkungen beraten.”

Das böse Internet: Neun von zehn rezeptpflichtigen Arzneimitteln aus dem Internet sind laut “Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen” Fälschungen. Der Ver­ein für Kon­su­men­ten­in­for­ma­tion (VKI) hat inter­na­tio­nale Online-Apotheken getes­tet und spricht eine War­nung aus:

“Die Mehr­zahl der getes­te­ten Inter­netapo­the­ken lie­fert ille­gale Medi­ka­mente nach Öster­reich, prüft also nicht die hei­mi­sche Zulas­sung — und der öster­rei­chi­sche Bestel­ler weiß oft gar nicht, dass er mit sei­ner Bestel­lung gegen die Rezept­pflicht verstößt.

„Da Kon­su­men­ten im Vor­feld einer Bestel­lung kaum über­prü­fen kön­nen, ob die Prä­pa­rate über eine öster­rei­chi­sche Zulas­sung ver­fü­gen, ist eine Onlin­ebe­stel­lung im Aus­land ris­kant. Wir raten daher davon ab“, so Georg Mentschl, Lei­ter des Euro­päi­schen Verbrauchzentrums.

Die Entwicklung der Online-Apotheken steht in Österreich noch ganz am Anfang. Die sogenannte Inländer-Diskriminierung sei noch bis Ende 2013 gültig, von 2014 an dürfen laut Martin Wallner von Vamida.at auch traditionelle heimische Apotheken Arzneimittel versenden. Wer wird das Rennen machen – stationäre Apotheker oder die neuen Online-Shops?

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