Millionenschaden für Google: Das Ende der SEO-Tools?

Ist Google-Scraping als Geschäftsmodell am Ende? Zahlreiche Anbieter von SEO-Tools bieten ihren Kunden umfangreiche Auswertungen der aktuellen und historischen Google-Rankings zu Millionen von Suchbegriffen. Die Nachfrage ist groß und in der Folge sind in den letzten Jahren zahlreiche, zum Teil mit viel Risikokapital ausgestattete Startups entstanden, die die Auswertung der Google-Rankings gegen eine monatliche Nutzungsgebühr ermöglichen.

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SEO-Tool Anbieter vor dem Aus?

Um an die Daten zu gelangen, senden Anbieter wie Sistrix, SEOlytics, Searchmetrics & Co automatisiert wöchentlich mehrere Millionen Suchabfragen an Google und speichern die von Google gelieferten Suchergebnisse in einer Datenbank. Dieser Vorgang wird in der Branche Google-Scraping genannt. Das Geschäftsmodell hat allerdings einen Haken: In seinen Nutzungsbedingungen untersagt Google die automatisierte Abfrage seiner Dienste. Bis vor kurzem hieß es dort: “You specifically agree not to access (or attempt to access) any of the Services through any automated means (including use of scripts or web crawlers) and shall ensure that you comply with the instructions set out in any robots.txt file present on the Services.” Mittlerweile hat Google die Aussage verallgemeinert: “Verwenden Sie unsere Dienste nicht in missbräuchlicher Art und Weise. Sie sind beispielsweise nicht berechtigt (…) in anderer Weise als über die von Google bereitgestellte Benutzeroberfläche und gemäß unseren Vorgaben auf die Dienste zuzugreifen.”

Inwieweit solche Nutzungsbedingungen tatsächlich juristisch bindend sind, ist allerdings strittig. Tatsächlich hat Google die SEO-Tool Anbieter bisher juristisch nicht belangt. Stattdessen hat Google einige technische Vorkehrungen getroffen, die das Scraping erschweren, aber letztlich nicht verhindern können.

Millionenschaden für Google

Google betreibt eine siebenstellige Zahl an Servern, um seinen Nutzern in Sekundenschnelle die gewünschten Suchergebnisse zu liefern. Pro Suchabfrage nimmt Google laut BBC ca. 12 Cent ein. Natürlich nur dann, wenn die Abfragen von menschlichen Nutzern getätigt werden, da nur diese für die eingeblendeten Werbeanzeigen empfänglich sind.

Die automatisch gestellten Suchabfragen der SEO-Tools belasten die Google-Server dagegen vergleichsweise stark, ohne im Gegenzug Werbeeinnahmen für Google zu generieren. Microsoft bietet bspw. eine Programmierschnittstelle, mit der die Suchergebnisse von Bing gegen Gebühr genutzt werden können. Microsoft verlang dabei mindestens 0,0015306 € pro Suchabfrage. Eine Suchabfrage liefert in der Regel 10 Ergebnisse. Um die ersten 100 Ergebnisse für einen Suchbegriff auszuwerten, sind also 10 Suchabfragen notwendig. Sistrix wertet nach eigenen Angaben wöchentlich 1 Mio “Shorthead”-Suchbegriffe und monatlich 10 Mio “Longtail”-Suchbegriffe aus.

Würde Sistrix für das Scraping der Google-Rankings bezahlen, entstünden nach Microsofts Preisliste Kosten von ca 2,6 Mio. Euro pro Jahr ((1.000.000 * 10 * 52 + 10.000.000 * 10 * 12) * 0,0015306 € = 2.632.632 €). Noch größer dürfte die Summe im Fall von Searchmetrics sein, die mit “mehr als 100 Mio. [überwachten] Keywords” werben.

Aktuelle Entwicklung

Im Dezember letzten Jahres hat Google erstmals einige Anbieter von SEO-Tools aufgefordert, das Scraping künftig zu unterlassen. Betroffen sind bisher nur Anbieter, die neben den gescrapten Ranking-Daten auch Daten aus Googles offizieller AdWords-API nutzen. Diesen Zugriff hat Google dabei als Druckmittel genutzt und die Anbieter Raven, SEOmoz und Ahrefs vor die Wahl gestellt, entweder auf das Scraping oder den API-Zugriff zu verzichten.

Das dürfte nur der erste Schritt sein. Im zweiten Schritt könnte Google versuchen, alle anderen Anbieter, die nicht freiwillig auf das Scraping verzichten, juristisch zu belangen. Im besten Fall erhalten die Betreiber der Tools dann die Aufforderung, das Scraping und damit letztlich ihr Produkt einzustellen. Kommen sie der Aufforderung nicht nach, könnte Google unter Umständen Schadensersatz in Millionenhöhe fordern. Das Geschäftsmodell der meisten Toolanbieter wäre damit am Ende. Alle Hintergründe und die ganze Diskussion: www.vincentschmalbach.de/das-ende-der-seo-tools

Stehen die SEO-Tool Anbieter wie Sistrix, SEOlytics, Searchmetrics & Co. vor dem Aus? Was ist eure Meinung?

Über den Autor

Vincent Schmalbach beschäftigt sich seit 2001 mit Suchmaschinenoptimierung und bloggt unter vincentschmalbach.de.

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