Der Monopolist hat zugeschlagen: Russmedia kauft laendlekicker.at

Die Amateurfußball-Plattform laendlekicker.at wurde überraschend vom Vorarlberger Medienunternehmen Russmedia übernommen. Ganz im Stillen ging die von Daniel Zech und Ingo Nachbaur in Vorarlberg aufgebaute Videoplattform an die Schwarzacher Russmedia über. Details zum Deal wollen die Unternehmen nicht bekannt geben.

laendlekicker.at geht an russmedia

Russmedia, Herausgeberin der Vorarlberger Nachrichten und zahlreicher Onlineportale, erweitert mit der Übernahme ihr Sportportfolio und schließt im Markenlaut an die laendle-Serie an. Neben den Portalen laendlejob.at, laendleauto.at, laendleimmo.at, laendlefirma.at und laendleanzeiger.at baut der Medienplatzhirsch seine Reichweite über die Vorarlberger Bevölkerung weiter aus. Der zentrale Online-Nachrichtendienst VOL.at stand bisher in starkem Wettbewerb zu laendlekicker.at – die Übernahme kommt überraschend.

Nischenportal für den “kleinen Fußball”

Als Nischen-Videoportal deckt laendlekicker.at jene Vorarlberger Ligen ab, die es nicht vor die Kameralinsen der Sportnachrichten schaffen. Vorarlbergs Fußballszene der (Halb-)Amateurklasse ist dennoch sehr aktiv. Das erkannten die Gründer von laendlekicker.at und bauten eine soziale Videoplattform drumherum auf. “Tschuttar”, wie Fußballer im Vorarlberger Dialekt heißen, können auf der Plattform Videos anschauen und hochladen, Tabellen und Ergebnisse nach Team nachschlagen und finden eine begeisterte Community vor.

Dominique von Matt: “an der Grenze zur Genialität”

Das Aufgreifen dieser aktiven Fußballszene und der Aufbau eines passenden sozialen Portals gefiel dem Zürcher Werbestar Dominique von Matt. Als laendlekicker.at 2011 beim Werbepreis AdWin zwei Siege abräumte, nannte der in der Jury sitzende von Matt, die Idee liege “hart an der Grenze zur Genialität”. Von Seiten laendlekicker.at hieß es, es sei auch schwer gewesen, im “mediengesättigten Vorarlberg” etwas Derartiges hochzuziehen. Umso mehr darf man annehmen, dass sich die Gründer über den Exit freuen.

Starke Community als Trumpf

Der regionale Aufstieg und Verkauf von laendlekicker.at zeigt, wie bedeutungsvoll eine starke Community eines Portals sein kann. Der “Endkonsument” sei immer das ausschlaggebende, meinten die Gründer bei der AdWin-Preisverleihung 2011. Neben einem Preis in der Kategorie Social Media gewann das Team auch den Publikumspreis.

Ableger in Liechtenstein und Ostschweiz

Der Erfolg schwappte bereits über die Landesgrenzen. Die Expansion nach Liechtenstein mit laendlekicker.li war naheliegend, liegt doch der Hauptsitz der bisherigen Betreibergesellschaft zDOTcom in Feldkirch. Beim etwas größeren Schritt in die Schweiz (rheintalkicker.ch) kooperierte man mit dem größten Medienunternehmen der Schweiz, Ringier AG – wir berichteten.

Vom Gegner zum Mitspieler

“Wir freuen uns sehr, das Baby an den großen Bruder übergeben zu können,” so Daniel Zech, Mitgründer von laendlekicker.at.

2010 verließ Daniel Zech das Vorarlberger Medienhaus, damals als Assistent der Geschäftsleitung von Eugen A. Russ. Voller Leidenschaft und Motivation war es für Zech eine Zeit, wo er gemeinsam mit Ingo Nachbaur die Vorarlberger Medienlandschaft beleben und die Fußballer ins rechte Licht rücken wollte. Die kleinen Hartplatzhelden aus Vorarlberg feierten schnell Erfolge, da sich deren einzigartiges Video-Angebot auf den Fußballplätzen rumsprach. VOL.at (Russmedia) war stets der härteste Konkurrent für die jungen Unternehmer, kämpften sie als werbefinanziertes Startup schließlich um die gleichen Anzeigengelder im kleinen Vorarlberg. Die Unababhängigkeit verhalf laendlekicker.at neben Sympathiewerten auch zu zahlreichen Werbebuchungen. Dennoch saß in Schwarzach noch immer der übermächtige Gegner.

Schwarzach ist zwar ein Kaff, aber doof sind die Leute hier nicht,” stellte Markus Brauck, brand eins Redakteur, bei einem Interview-Termin mit Eugen A. Russ im Jahr 2003 fest.

Russmedia bündelte in dieser Zeit die Kräfte mit Ländle TV & VOL.at und bot den Zusehern wöchentlich eine eigene regionale Fußballsendung. Die Macher von laendlekicker.at kamen mit ihren “kürzeren” Clips immer mehr unter Druck. Damit hat die Stunde vom “Enfant terrible” geschlagen. Der “Monopolist” Eugen A. Russ setzt seine Strategie fort und hat mit der Übernahme wieder einen Konkurrenten weniger.

Eure Meinung zum Exit: War der Verkauf von laendlekicker.at ein kluger Schachzug?

 

4 Antworten an “Der Monopolist hat zugeschlagen: Russmedia kauft laendlekicker.at”

  1. Ingo Nachbaur

    Feb 07. 2013

    “Die Macher von laendlekicker.at kamen mit ihren “kürzeren” Clips immer mehr unter Druck.”

    Dieses Argument kann ich nicht nachvollziehen. Gerade die kurzen Clips sind besonders gut angekommen. Viele User haben nicht die Zeit sich eine komplette Spielzusammenfassung von 5 Minuten oder mehr anzusehen. Das war ein zentrales Unterscheidungsmerkmal zu anderen Anbietern. Ich wüsste also nicht, warum uns ein key USP unter Druck hätte bringen sollen… Im Übrigen haben wir die längeren Spielzusammenfassungen ja auch im Angebot, wir bieten den Usern also beides.

    Schöne Grüsse
    Ingo Nachbaur

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  2. Patrick

    Feb 08. 2013

    Ausgezeichnet! Gratuliere!

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  1. 4 neue Deals: Salonmeister, Windeln.de, laendlekicker.at, Userfox :: deutsche-startups.de - 27. Februar 2013

    [...] Übernahme: Das Vorarlberger Medienunternehmen Russmedia (bis 2012: Vorarlberger Medienhaus), zu dem beispielsweise erento gehört, schluckt die Amateurfußball-Plattform laendlekicker.at (www.laendlekicker.at) wurde überraschend Das Vorarlberger Medienunternehmen Russmedia übernommen. “Ganz im Stillen ging die von Daniel Zech und Ingo Nachbaur in Vorarlberg aufgebaute Videoplattform an die Schwarzacher Russmedia über. Details zum Deal wollen die Unternehmen nicht bekannt geben”, schreibt Internetszene.at. [...]

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