Damian Izdebski von DiTech im Interview: „Unsere Branche verzeiht keine großen Fehler“

Vom Zwei-Personen-Startup zu einem der zurzeit am schnellsten wachsenden Unternehmen Österreichs. Was steckt hinter der Erfolgsgeschichte von DiTech? Im Interview mit internetszene.at spricht DiTech-Gründer Damian Izdebski über seine Anfänge als Jungunternehmer und darüber, dass Österreich nicht gerade das Land ist, in dem Unternehmergeist besonders ausgeprägt wäre. Er erklärt, was Startups hierzulande extrem ausbremst und warum er als Extremsportler „ein wenig krank“ ist.

Wer ist der Mann, der hinter der Erfolgsgeschichte von DiTech steht? Stell dich doch bitte kurz den Lesern von internetszene.at vor.

Mein Name ist Damian Izdebski, ich bin in Polen geboren und 1992 nach Wien gekommen, wo ich gemeinsam mit meiner Frau vor 14 Jahren DiTech gegründet habe.

Du bist also als Jugendlicher aus Polen nach Österreich gezogen. Wenige Jahre später hast du gemeinsam mit deiner Frau Aleksandra Izdebska in Wien DiTech gegründet. Wie kam es zu dieser Idee? Und was waren die größten Hürden beim Gründen?

Ich war damals als kleiner IT-Dienstleister tätig, habe aber auch schon im ganz kleinen Stil mit Hardware gehandelt. In unserer kleinen Wohnung häuften sich die Computerkomponenten, sodass Aleksandra, als sie sich eines Tages auf ein Motherboard setzte, meinte, wir sollten unser Geschäft professionalisieren. Vermutlich wollte sie einfach nicht mehr ständig über Computerkomponenten stolpern – ihr Instinkt war aber goldrichtig!

In welchem Bereich fehlte euch bei der Gründung am meisten Know-how? Wo musstet ihr euch noch zusätzliches Wissen aneignen?

Damian Izdebski: Zu Beginn fehlte es ehrlich gestanden überall ein bisserl an profundem Wissen. Dieses Wissen ist aber oft mehr Erfahrung als wirkliches Wissen. Das allermeiste davon kommt mit dem Tun, mit der Zeit.

“Große Fehlentscheidungen haben wir nicht getroffen.”

Was würdest du rückblickend bei der Gründung deines Unternehmens anders machen? Was war bis dato die größte Fehlentscheidung?

Ich denke, dass es viele kleine Entscheidungen gegeben hat, von denen man rückblickend sagt: Das hätte ich besser oder anders machen können. Große Fehlentscheidungen haben wir aber nicht getroffen, sonst wären wir wohl auch nicht dorthin gekommen, wo wir heute sind. Gerade unsere Branche verzeiht keine großen Fehler.

Die Unternehmensgeschichte von DiTech begann in einem kleinen Laden in Wien-Brigittenau. Heute darf sich dein Unternehmen mit dem österreichischen Staatswappen schmücken. Worauf bist du im Rückblick besonders stolz? Was sind deine größten Erfolge?

Besonders stolz bin ich aktuell darauf, dass wir vom Wirtschaftsblatt in Zusammenarbeit mit dem Online-Researchunternehmen marketagent.com in einer repräsentativen Studie zum besten Elektrohändler Österreichs gewählt wurden. Das Großartige daran ist, dass es die Kunden waren, die entschieden haben und uns mehr Kompetenz, mehr Engagement und mehr Qualität als unserem Mitbewerb attestiert haben. In solchen Momenten weiß ich, dass die Anstrengung, die ich mit meiner ganzen Belegschaft unternehme, beim Kunden ankommt.

Wer steckt neben dir und deiner Frau noch alles hinter DiTech?

Mein Geschäftsführungsteam. Allesamt extrem fähige und engagierte Führungskräfte, ohne die DiTech niemals funktionieren könnte. Vor allem Nick Ruby, der seit Jahren unseren Einkauf und die Technik leitet, und mein Finanzchef Thomas Stessl. Ohne die beiden wäre es für mich richtig hart.

Von einem Zwei-Personen-Startup zu Österreichs bestem Computergeschäft (laut Gallup-Studie November 2009). Was ist das besonders Innovative an DiTech?

Unser Multi-Channel-Konzept. Das wir schon vor 14 Jahren, als es dafür noch gar keinen Begriff gab, realisiert und gelebt haben. Die Idee den stationären Handel und den Online-Handel unter einer Marke zu verbinden und der Drang, alles, was den Anschein erweckt perfekt zu funktionieren, trotzdem laufend in Frage zu stellen und zu verbessern.

Was beschäftigt DiTech derzeit? Welche Ziele habt ihr euch für 2013 gesetzt?

Wir wollen in einem schrumpfenden Markt auf Wachstumskurs bleiben, unsere Strukturen optimieren und weiterhin diejenigen sein, die die technischen Innovationen als erster auf den heimischen Markt bringen.

Der Vertrieb von DiTech hat zwei Standbeine: Die Fachmärkte in ganz Österreich und den E-Commerce. Der Gesamtumsatz im Jahr 2012 betrug 120 Millionen Euro. 28 Prozent dieses Umsatzes wurden im Internet erwirtschaftet. Boomt der Online-Handel weiterhin?

Generell wird der Online-Handel wohl stetig wachsen, unser Online-Anteil am Gesamtumsatz ist seit Jahren aber relativ stabil auf hohem Niveau.

2012 ist DiTech eine strategische Partnerschaft mit Thalia eingegangen. Wieso der Schulterschluss mit dem Buchhandel?

Durch die strategische Partnerschaft mit Thalia erreichen wir einige gemeinsame Synergie-Effekte. Vor allem unsere Kundenschaften ergänzen sich hervorragend und erschließen sowohl Thalia als auch uns potentiell neue Käufer.

Wenn du die Zeit, in der du deine ersten Schritte als Jungunternehmer gegangen bist, mit der heutigen Ausgangslage für Gründer vergleichst: Was hat sich verändert?

Ich glaube nichts Wesentliches. Ein neues Unternehmen zu gründen ist immer schwierig und verlangt immer viel Mut, Kreativität und extrem große Anstrengungen. Und von einer Sache darf man sich nicht motivieren lassen: vom dem schnellen Geld. Dieses wird es nämlich nicht geben.

“Risikokapital in Österreich zu bekommen, ist praktisch nicht möglich!”

Was sind aus deiner Sicht die Stärken und Schwächen der österreichischen Startup-Szene?

Es gibt sehr viel Innovationskraft und Kreativität in der heimischen Startup-Szene. Allerdings muss man auch ehrlich zugeben, dass Österreich nicht gerade das Land ist, in dem Unternehmergeist besonders ausgeprägt wäre. Risikokapital zu bekommen, ist praktisch nicht möglich, was die Startups extrem ausbremst.

Was sind deine drei Lieblingswebsites?

www.ditech.at

www.motorline.cc

www.derstandard.at

Noch eine persönliche Frage zum Schluss: Du bist Unternehmer und passionierter Extremsportler. Mit dem DiTech Racing Team nimmst du als Fahrer an der österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft teil. Das klingt alles zusammen sehr nach Highspeed. Wann und wie entschleunigst du?

Ich brauche keine Ruhe oder Stille zum Entspannen. Im Gegenteil: Wenn ich nichts zu tun habe, werde ich zuerst aggressiv und dann verfalle ich in eine Art Müdigkeit.Im Rallyeauto muss ich mich zu 100 % auf das Auto, die Strecke und meinen Beifahrer konzentrieren, sonst picke ich schnell in einem Baum – und da weiß ich, wovon ich rede. Deshalb  muss ich dabei meinen Alltag und den Job vergessen, weil mich der Sport dazu zwingt. Das ist richtig entspannend und macht den Kopf frei. Ein wenig krank, oder?

Danke für das Interview!

 

Keine Kommentare.

Stellung nehmen