Klartext: 11 Fragen an Bernhard Hoetzl

Elf Fragen, elf Antworten: Regelmäßig stellt sich eine Persönlichkeit aus der Internetszene unserer Fragerunde. Diesmal der Gründer und Co-CEO von kompany Bernhard Hoetzl. Die Online-Firmensuche kompany startete letztes Jahr.  Als Gründer mehrerer Startups spricht Bernhard Hoetzl im Interview mit internetszene.at über seine Startup-Erfahrungen und verrät seine Rezeptur für eine erfolgreiche Gründung.

photo: flickr.com/photos/lucasartoni/



1. Wolltest du schon immer werden, was du jetzt bist?

Ich glaube, Unternehmertum wird sehr stark aus der Familientradition geprägt. Meine Eltern und Vorfahren, soweit ich das bisher nachforschen konnte, waren bereits Unternehmer: Goldschmiede, Schlosser, Maschinenbauer – ich bin mit dem Unternehmertum aufgewachsen und habe schon früh tiefe Einblicke gewinnen können. Schon während meines Studiums war mir klar, dass ich irgendwann mein eigenes Unternehmen führen wollte. Ich habe mich auch dazu entschieden, zuerst Erfahrungen in Großunternehmen zu sammeln, um deren Strukturen und Prozesse kennenzulernen. Startups scheinen zu mir zu passen. In diesem Umfeld scheine ich meine Fähigkeiten am besten einbringen zu können. smartspaces.at (Coworking Hubs in Wien) und kompany.com (Online-Zugang zu verifizierten internationalen Unternehmensinformationen) sind Startup 6 und 7. Daneben habe ich die Möglichkeit meine Erfahrungen und mein Wissen als Lektor an der Donau-Universität Krems und an der Wirtschaftsuniversität Wien weitergeben zu können. All das macht viel Spaß und ich bin in diesem Umfeld heute sehr zufrieden.

2. Womit beschäftigst du dich den ganzen Tag?

Ein Startup zu führen und aufzubauen, bedeutet einen hohen Initialeinsatz: 12-14h-Arbeitstage sind die Regel. In der Anfangsphase steht der Aufbau von Strukturen und dem Team im Vordergrund. Produktentwicklung, Ressourcen- und Finanzplanung, Vermarktung und Sales, aber auch die richtige strategische Ausrichtung und Positionierung nehmen einen wichtigen Stellenwert ein. Bei kompany haben sich die Gründer – neben mir noch Iris Pittl, Russell E. Perry und Peter Bainbridge-Clayton – die Unternehmensbereiche sehr gut aufgeteilt. Unsere Zeit verbringen wir mit Hands-on Micromanagement und Leadership-Aufgaben. Wichtig ist der richtige Fokus und der optimale Einsatz der knappen Ressourcen – da muss mitunter auch der CEO tatkräftig mithelfen, wo er nur kann, wenn es darum geht, einen neuen Release zeitgerecht live zu bringen. Bei kompany haben wir in 12 Monaten nicht nur das Unternehmen gegründet und die Seed-Finanzierung aufgestellt, sondern auch ein schlagkräftiges Team entwickelt, das Produkt – eine Self-Service-Plattform für den Bezug von verifizierten internationalen Unternehmensinformationen – gebaut und erfolgreich in drei Märkten gelauncht.

3. Welches Erlebnis wirst du nicht mehr so schnell vergessen? Warum?

Die Erfolge sind natürlich schöne Erinnerungen, die bleiben. Geprägt haben vor allem aber auch Misserfolge und Rückschläge. Ich denke aber, dass es gerade diese Erlebnisse und die Fähigkeit, damit umzugehen, wieder aufzustehen und weiterzugehen, sind, die uns auf eine persönlich höhere Entwicklungsstufe heben und einem zukünftigen Erfolg näher bringen. Ich bin froh, mittlerweile viel an Erfahrung gesammelt zu haben und diese voll einbringen zu können.

4. Worauf bist du im Rückblick besonders stolz, was sind deine größten Erfolge?

Ich freue mich am meisten darüber, dass ich das Vertrauen von wertvollen Menschen über Jahre gewinnen und ausbauen konnte und heute in der Situation bin, mit diesen Personen zusammenarbeiten zu dürfen. Mit zwei von Ihnen – Russell E. Perry und Peter Bainbridge-Clayton – habe ich 2003 die “Idee des Jahres” beim GEWINN Jungunternehmer Wettbewerb gewonnen.

5. Was begeistert dich am Unternehmertum? Welche Tipps kannst du Gründern mit auf den Weg geben?

Ich verabscheue Konzernpolitik, Intrigen, Leerläufe. Ich möchte meine knappe Zeit mit interessanten und wertvollen Dingen verbringen. Als Unternehmer habe ich die Freiheit, meine Vorstellungen umzusetzen. Für eine erfolgreiche Gründung und Unternehmensentwicklung ist es, denke ich, wichtig, zu verstehen dass ein Drittel aus Glück, ein Drittel aus dem richtigen Timing und dem „Window of Opportunity“ und ein Drittel vom eigenen Charakter und der eigenen Einstellung abhängt. Den Charakter und meine persönliche Einstellung kann ich selber bestimmen. Meine wichtigsten Startup-Erfahrungen bisher:  ”An idea not coupled with action will never get any bigger than the brain cell it occupied” – Arnold H. Glasow. Execute, execute, EXECUTE! “Don’t take ’no’ for an answer, never submit to failure” – Winston Churchill. Fail fast, learn faster. Don’t give up too early. Work hard, play hard.

6. Womit hast du dein erstes Geld zur Schulzeit verdient? 

In der Metallbaufabrik meines Vaters, an der Maschine.

7. Mit wem würdest du dich gerne mal auf ein Bier treffen?

Leider nicht mehr möglich: Steve Jobs. Gerne noch möglich: Dalai Lama, Richard Branson, Larry Page.

8. Welches Buch hast du zuletzt gelesen? Gedruckt oder elektronisch?

Ich habe ein Fetisch für gedruckte Bücher. Derzeit lese ich:

Jedem Startup-Entrepreneur kann ich vor allem empfehlen:

9. Worauf freust du dich, wenn du abends nach Hause kommst?

Ich laufe gerne noch spätabends um den Kopf frei zu bekommen. Danach entspanne ich mit meiner Verlobten gemütlich auf der Couch oder rocke die E-Gitarre.

10. Wie lauten deine drei Lieblings-Websites?

kompany.comsmartspaces.atgoogle.com

11. Was möchtest du in deinem Leben noch unbedingt erreichen?

In den kommenden 80 Jahren möchte ich noch eine große Familie gründen und den Weltraum erforschen.

 

Keine Kommentare.

Stellung nehmen