Klartext: 11 Fragen an Diana Radulovski

Regelmäßig stellt sich eine Persönlichkeit aus der Startup-Szene unserer Fragerunde. Diesmal die Gründerin von versichern24.at und stromgas24.at Diana Radulovski. Kürzlich wurde die Unternehmerin mit dem MiA-Award in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet, dem österreichischen Erfolgs-Preis für Frauen mit Migrationshintergrund. Im Interview mit internetszene.at spricht Diana Radulovski über ihren außergewöhnlichen Weg hin zur Unternehmensgründung und darüber, wie sie für andere Frauen in der Gründerszene ein Vorbild sein möchte.

1. Wolltest du schon immer werden, was du jetzt bist?

Bereits als ich 10 war, wusste ich, dass sich mein Traumjob am Computer abspielen wird. Damals war es für die meisten Menschen in Bulgarien unvorstellbar, wie so ein Job aussehen könnte. Ich bin von klein auf unternehmerisch aufgewachsen und wollte mich immer für die Rechte anderer Menschen einsetzen und helfen. Ich glaube, dass ich all das in einem vereint habe.

2. Aufgewachsen in Bulgarien, bist du 2007 nach Wien gekommen, um ein Studium an der WU Wien zu beginnen. Nur wenige Monate später hast du noch während deines Wirtschaftsstudiums gemeinsam mit deinem Ehemann versichern24.at gegründet. Wie kam es zu dieser Idee? Und was waren die Startschwierigkeiten?

Seit wir zusammen sind, wollten Ivo und ich gemeinsam ein Unternehmen gründen. Ivo hatte bereits Erfahrung in der
Versicherungsberatung, ich hatte an der Uni Grundkenntnisse in der Unternehmensgründung erworben. Es war und ist immer noch schwierig, Menschen zum Thema Geld und Versicherungen anzusprechen, auch wenn man ein Ersparnispotenzial vermitteln möchte. Darüber hinaus sind Versicherungen generell ein kompliziertes Thema, wenn man sich nicht gerade beruflich damit auseinandersetzt. Was in den Versicherungsbedingungen tatsächlich steht, wissen die meisten Kunden nicht. Daraus ist auch die Idee entstanden, mit dem Wissen, das wir haben, ein Portal aufzubauen, das Informationen und Preisvergleiche zum kostenlosen Abruf im Internet darstellt. So ist 2007 versichern24.at entstanden. Damals waren die Menschen in Österreich nicht mit solchen Diensten vertraut und nahmen diese erst mal zögerlich an. Auch die Reaktion unserer Partner und Marktteilnehmer war zurückhaltend. Viele haben nicht daran geglaubt, dass Menschen tatsächlich Versicherungen im Internet abschließen würden.  Die größte Hürde zu Beginn war der Mangel an Kapital für den Aufbau. Mit unseren privaten Mitteln haben wir den Aufbau finanziert. Noch dazu musste ich zum Teil finanziell für meine Familie in Bulgarien aufkommen. Die Lösung war, im Rahmen unseres IT-Unternehmens Kunden zu betreuen und den Verdienst in versichern24 zu investieren – bis zum Jahr 2010, wo ich alles andere aufgegeben und mich vollständig für dieses Projekt eingesetzt habe.

3. Welchen Tag wirst du nicht mehr so schnell vergessen? Warum?

Von den Ereignissen in letzter Zeit war die MiA-Verleihung etwas ganz Besonderes. Ich wusste nicht, was auf mich zukommt und dass mich diese Verleihung so berühren würde. Eine Gewinnerin einer anderen Kategorie hat es sehr schön beschrieben: Man fühlt sich so, als ob man in einer neuen, großen Familie aufgenommen wird.

4. Nach deinem Studienabschluss hast du das Projekt versichern24.at vollständig übernommen und das Versicherungsvergleichsportal ausgebaut. Worauf bist du im Rückblick besonders stolz? Was sind deine größten Erfolge?

Ich bin froh, dass ich mich nicht für den typischen Poststudium-Karrieregang von WU-Absolventen entschieden habe. Trotz aller Schwierigkeiten, die ich und mein Mann hatten, habe ich mich für den Weg der Selbstständigkeit entschlossen. Unternehmer haben es nicht leicht, für Frauen ist es in Österreich besonders schwierig, und noch schwieriger ist es für Ausländer.

Statt nach meinem Studium einen “sicheren” Job anzugehen, habe ich mich anfangs für das unsichere Gehalt, für den 24-Stunden-Arbeitstag, Urlaube und Wochenenden vor dem Laptop und kaum Privatleben entschlossen – und das freiwillig. Und es stört mich nicht, denn ich weiß, wofür ich es mache. Mein größter Erfolg war, dass ich in den Aufbaujahren etwas sehr Wichtiges gelernt habe: dass jeder Mensch Meister seines eigenen Schicksals ist, und dass man die Schuld für Misserfolge nicht bei anderen suchen soll. Externe Faktoren können zwar Umstände beeinflussen, aber jeder Mensch hat die Entscheidungsfreiheit über seine eigenen Ziele.

5. Anlässlich des Weltfrauentags wurdest du mit dem MiA-Award in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet, dem österreichischen Erfolgs-Preis für Frauen mit Migrationshintergrund. Möchtest du mit deiner Leistung auch besonders für andere Frauen in der Gründerszene ein Vorbild sein?

Ich würde eher sagen, ich möchte ein Beweis dafür sein, dass es mit der richtigen Portion Durchhaltevermögen nichts gibt, das zwischen einem motivierten Menschen und seinen Zielen steht. Dies soll insbesondere für viele junge Frauen ein Anreiz dafür sein, selbstständiger zu werden und ihre Ideen zu verfolgen. In meinen Unijahren hatte ich viele Kollegen, aber noch mehr Kolleginnen, die tolle Ideen entwickelt haben, sich aber nicht für die Selbstständigkeit entschieden haben, weil ihnen das eine viel zu „unsichere” Herausforderung war. Ich finde, man sollte es auf jeden Fall versuchen, besonders wenn man jünger ist und nichts zu riskieren hat, selbst wenn Zweifel bestehen. Die Erfahrung ist unbezahlbar. Frauen sind genauso gute Unternehmer und Gründer wie Männer.

6. Was begeistert dich am Unternehmertum? Welche Tipps kannst du Gründern mit auf den Weg geben?

Das Beste am Unternehmertum ist, dass man die Gestaltungsfreiheit hat, Dinge zu schaffen und das Leben von anderen zu erleichtern und zu verbessern. Unternehmertum wird oft missverstanden und mit materiellen Absichten und schnellem Geld verbunden. Bei uns war es so, dass wir zu Beginn unsere finanzielle Sicherheit und unser Privatleben geopfert haben.

Mein Tipp an Gründer/Innen lautet: Setzt nicht Geld als das höchste Ziel, sondern die Gründungsidee, die das Leben von möglichst vielen Menschen verbessern wird. Und wenn ihr dieses Ziel mit Leidenschaft verfolgt, zahlt es sich eventuell auch finanziell ganz gut aus.

7. Womit hast du dein erstes Geld zur Schulzeit verdient? 

Mein erstes Geld zur Schulzeit habe ich mit Englischunterricht verdient. Ich habe Kindern in kleinen Gruppen Englisch beigebracht.

8. Welches Buch hast du zuletzt gelesen? Gedruckt oder elektronisch?

“As a Man Thinketh” von James Allen. Ich habe das Buch elektonisch zum Lesen sowie auch als Hörbuch.

9. Worauf freust du dich, wenn du abends nach Hause kommst?

Richtig wäre: …”wenn du abends zu Hause bleibst”. Wir haben es nicht weit vom Büro. Unsere Wohnung ist ein Stockwerk oberhalb von unserem Büro. Somit wohnen wir dort, wo wir auch gleichzeitig arbeiten und für uns gibt es kaum eine Unterscheidung, was zum Privaten und zum Beruflichen gehört. Ich freue mich aber abends darauf, mindestens eine Stunde etwas Neues zu lernen (derzeit lerne ich zum Beispiel Portugiesisch) oder gemeinsam mit Ivo etwas zu unternehmen, wie z.B. Kochen.

10. Wie lauten deine drei Lieblings-Websites?

www.quora.com, ein digitaler Auskunftsdienst

www.bootsnall.com, Online-Community für Weltreisende

www.asos.com, Online-Shop

11. Was möchtest du in deinem Leben noch unbedingt erreichen?

Was das Arbeitsumfeld anbelangt, ist eine Erweiterung der Vergleichsbereiche und Länder geplant. Privat möchte ich mich mehr für junge Talente und begabte Kinder aus benachteiligten Familien und Gegenden engagieren, einen Fonds für die Förderung von Jugendlichen gründen und zur Verbesserung und Modernisierung des Bildungssystems beitragen. Ansonsten möchte ich mir Zeit nehmen für eine Weltreise mit dem Menschen meines Lebens und glücklich mit meiner Familie leben.

 

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