Startup-Nachwuchs: Warum der Extra-Toilettenschlüssel in der HTL für Mädchen ausgedient hat

Am Girls´ Day machten heuer zum zweiten Mal auch Startups mit. In Wien schnupperten Mädchen im Alter zwischen 11 und 16 Jahren Startup-Luft. Sie bekamen einen Einblick in das Leben als Gründerinnen, testeten die Produkte der Startups und gaben Inputs zur Weiterentwicklung. Katharina Klausberger von finderly sprach mit internetszene.at über Österreichs weiblichen Startup-Nachwuchs.

Frauen sind in der technologielastigen Startup-Szene eine Minderheit. Eine Studie von SpeedInvest zu dem Thema kommt Ende 2011 zu dem Ergebnis, dass lediglich zwei Prozent der Startups in weiblicher Hand sind. Österreichs Gründerszene ist immer noch klar männlich dominiert, aber es gibt sie die weiblichen Rollenvorbilder für den Startup-Nachwuchs.

Eines dieser Role Models ist Katharina Klausberger, Gründerin von finderly und Shpock. Gemeinsam mit dem universitären Gründerservice INiTS setzt sie am weiblichen Startup-Nachwuchs an. Sie machen Mädchen frühzeitig auf das Thema Entrepreneurship aufmerksam und versuchen Vorbehalten entgegenzuwirken, die Frauen daran hindern, diesen Karriereweg einzuschlagen. Mädchen sollen dazu ermutigt werden, sich an die Selbstständigkeit heranzuwagen.

Traumjob Unternehmerin

Am Girls´ Day hatten junge Frauen wieder in ganz Österreich die Möglichkeit, sich über spannende Jobs abseits der gängigen Berufswahl zu informieren. In Wien firmiert der Girls´ Day unter dem Namen „Wiener Töchtertag“. Bereits zum zweiten Mal organisierte INiTS den Wiener Töchtertag bei sich im Haus.

„Beim Töchtertag wollen wir den Mädchen die große Vielfalt an Berufen und Tätigkeitsfeldern zeigen, die mit einem technischen oder naturwissenschaftlichen Studium möglich sind. Gerade in diesen Studienrichtungen, aus denen heraus viele spannende Gründungen entstehen, sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Unser Ziel ist es, mehr Frauen auf dem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen. Denn derzeit ist die Startup-Szene im akademischen Bereich ganz klar ein männlich dominiertes Umfeld“, erklärt Irene Fialka, Geschäftsführerin von INiTS.

Ein Workshop unter dem Motto „Patent-Detektivinnen“ und eine Startup-Rallye standen für die rund 15 Schülerinnen im Alter zwischen 11 und 16 Jahren auf dem Programm. Dabei konnten sie Produkte von taurob, zoomsquare, indoo.rs und PhonicScore testen und Inputs zur Weiterentwicklung geben. Katharina Klausberger erzählte den jungen Teilnehmerinnen von ihrem Leben als Gründerin und ihrem Karriereweg. internetszene.at erzählte sie, wie es um den weiblichen Startup-Nachwuchs in Österreich bestellt ist:

Wieso ist es dir wichtig, Mädchen frühzeitig auf das Thema Entrepreneurship aufmerksam zu machen? Gibt es da Vorbehalte abzubauen?

Ich bin der Meinung, dass es in allen Bereichen wichtig ist, Rollenvorbilder sogenannte Role Models zu zeigen. Durch die Erzählungen jener Personen, die bereits bestimmte Erfahrungen gemacht haben, bekommt man selbst noch einen ganz anderen Blickwinkel auf Dinge. Du entdeckst dadurch neue Wege, an die du vorher noch gar nicht gedacht hast. Das Thema Entrepreneurship bekommt zwar in Österreich zunehmend mehr Bedeutung, steckt aber im Vergleich zu anderen Ländern wie beispielsweise den USA noch in den Kinderschuhen.

Meinst du, viele Mädchen in Österreich haben den Traumberuf Erfinderin?

Ich würde es globaler bezeichnen und Unternehmerin nennen. Und nein: Ich denke nicht, dass das aktuell so ist. Sicherlich macht es vielen Spaß, neue Dinge zu erschaffen. Trotzdem ist es wohl schwer, sich vorzustellen damit ein eigenes Unternehmen aufzubauen.

Wie ist es generell um den weiblichen Startup-Nachwuchs in Österreich bestellt?

Ich hoffe, in Zukunft einmal besser.

Die Startup-Szene in Österreich ist klar männlich dominiert. Wie viel Prozent der Startups sind etwa in weiblicher Hand?

SpeedInvest, einer unser Investoren bei Shpock, hat eine Studie zu diesem Thema durchgeführt und dabei festgestellt, dass der Anteil an weiblichen Gründern erschreckende 2 Prozent ausmacht. Trotzdem blicke ich der Zukunft positiv entgegen. Als ich mit 14 Jahren mit der HTL angefangen habe, bekamen wir Mädels noch einen extra Toilettenschlüssel zu einer Einzeltoilette. In der gesamten Schule waren wir circa 50 Mädchen bei 2.000 Schülern. Als ich fünf Jahre später maturiert habe, bauten sie gerade die Burschentoiletten in Mädchentoiletten um. Ein etwas eigenartiges Beispiel – meiner Meinung nach aber sehr plakativ dafür, dass sich Dinge schnell verändern können.

Sollten deiner Meinung nach Frauen in Österreich mehr oder gezielter auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützt werden? 

Ich tue mir schwer, diese Frage zu beantworten. Generell finde ich, dass man alle engagierten, angehenden Gründer so gut wie möglich unterstützen sollte. Durch die Tätigkeit in einem Startup lernt man in kurzer Zeit so viele Facetten der Wertschöpfungskette kennen. Das ist in jedem Fall sehr nützlich für jede spätere Tätigkeit. Außerdem werden durch ein neues Unternehmen neue Arbeitsplätze geschaffen, und Innovation im Land weiter vorangetrieben. Das ist für alle Seiten eine positive Investition in die Zukunft.

Was Frauen im Speziellen angeht: Ich denke, dass wir hier etwas bewegen können, wenn wir die (leider noch wenigen) weiblichen Gründer, die es jetzt bereits gibt, stärker publik machen und dadurch aufzeigen, dass man keine Angst davor haben muss und auch den Schritt in die Selbstständigkeit abseits von traditionellen Dienstleistungsbetrieben wagen kann.

 

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