Web vs. TV: Fernsehen hat Infrastruktur-Trumpf

Wenn irgendwo jemand an den herannahenden Tod von Print erinnert, schwingt im Nebensatz oft auch ein Adieu ans Fernsehen mit. Das Web nehme mit seiner Interaktivität den Einbahnmedien aus der Prä-2000-Ära jeglichen Grund zur Existenz. Anderer Meinung ist Tej Rekhi von DG MediaMind, dem größten AdServing-Anbieter in den USA. Die Infrastruktur sei der Trumpf, den Fernsehen gegenüber dem Web hat.

Lukas Fassbender, Tej Rekhi, DG MediaMind

Lukas Fassbender und Tej Rekhi von DG MediaMind wollen Fernsehanstalten von AdServing im Web-Sinne überzeugen. © internetszene.at

Unsere erste Frage an Tej Rekhi und Lukas Fassbender, der für DG MediaMind Deutschland in Hamburg sitzt: Warum glaubt ihr überhaupt noch an Fernsehen? Rekhi stellt die Gegenfrage: “Mate, what’s TV for you?”

Nicht das Einbahnmedium, vor dem man Bild und Ton konsumiert, sondern das Netz dahinter

Er gibt die Antwort selbst: Fernsehen hat mit seiner Interaktionslosigkeit und dem starren, vorgeplanten Programm gegen das Web keine Chance. Er gibt zu, dass Fernsehen und Web verschmelzen werden. “Doch das passiert in 10 oder 20 Jahren, ich denke ans Jetzt”.

Noch wird ferngesehen – stimmen wir die Werbung besser ab

In der Realität wiegen Fernseh-Werbeassets noch weitaus mehr, als mancheiner denken würde: Im Hier und Jetzt erreicht TV seine Zuseher sicher und direkt. Das Web kann nur durch die schiere Masse mithalten. Rekhi bringt als Beispiel: “90% of YouTube is crap”

Second Screen: Handy erkennt Tonsignatur

Den Weg bis zur Verschmelzung von Web und TV will DG MediaMind nicht abwarten, sondern bereiten: Fernsehzuschauer greifen zum Beispiel immer öfter zum Handy, Tablet und Laptop, um zum Sendungsinhalt mehr oder alternative Information zu bekommen. Der Zweitbildschirm oder Second Screen ist zum Schlagwort geworden.

Um während eines Werbespots im Fernsehen zeitgleich am Zweitbildschirm Reklame für das gleiche Produkt (aus der gleichen Kampagne) zu zeigen, müssen beide synchron beliefert werden. “Der synchronen Belieferung mit Anzeigen stehen Fernsehanstalten aber negativ gegenüber”, beklagt Rekhi. Werbeblöcke werden schon lange vor Ausstrahlung geplant und fertiggestellt und, etwa bei Überlänge von Live-Sendungen, kurzfristig geändert.

Ohne direktes AdServing, wie es quer durch das Web auf gebuchten Werbeplätzen automatisiert geschieht, muss eine Behelfslösung her. DG MediaMind lässt Smartphones eine für Zuseher unhörbare Audiosignatur, die mit einem Werbespot ausgestrahlt wird, erkennen und innert 1-3 Sekunden das entsprechende Sujet abspielen – Gerätekopplung per Hundepfeife quasi.

Zweitbildschirme in Österreich: Wer kann, wer darf, wer tut?

Der ORF kämpft in Österreich gerade um eine Gesetzesänderung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, um mehr Freiheiten auf anderen Kanälen zu haben. Mit einer Gesamt-ORF-App soll der Zuseher durchgehend begleitet werden – wenn er es will.

Deutsche Privatsender setzen Apps, Mobilanwendungen und das Web ein, um den Zuseher teilnehmen lassen zu können, beispielsweise bei Abstimm-Shows.

Rentieren sich die Aufwände zur Werbesynchonisierung von Erst- und Zweitbildschirm (also Fernseher und Handgerät), oder verschwindet TV in dieser Form ohnehin bald von der Bildfläche?

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