Der große Traum von Silicon Valley: Wie es österreichische Startups in den USA schaffen können

Mit der eigenen Idee im Silicon Valley den Durchbruch schaffen. Davon träumen viele Startups. Auf „Innovation made in Austria“ wartet in Kalifornien aber keiner. Trotzdem ist es kein Ding der Unmöglichkeit, sich diesen Traum zu erfüllen. internetszene.at sprach mit Valley-Veteran Mario Herger. Der Gründer des neuen Austrian Innovation Center Silicon Valley (AICSV) erklärt, wie sich ein österreichisches Startup im Silicon Valley behaupten kann. Mit der Non-Profit-Organisation will er heimische Firmen auf dem Weg an die Westküste begleiten.

Viele österreichische Startups ähneln kleinen Mädchen, die davon träumen, eines Tages Prinzessin zu werden. Viele österreichische Startups träumen nämlich davon, eines Tages im Silicon Valley Fuß zu fassen. Wer den Schritt ins Startup-Mekka wagt, sollte die rosarote Brille allerdings abnehmen. Auf einem Einhorn wird nämlich niemand durchs Valley reiten. Und Konfettiregen wird es für Ideen auch nicht geben. Ganz im Gegenteil: Es ist ein harter Kampf im kalifornischen Hightech-Tal. Schnell zerplatzt der große Traum wie eine Seifenblase. Das weiß Valley-Insider Mario Herger: „Es ist wichtig, sich von den eigenen Vorstellungen zu verabschieden. Es wartet keiner auf die Österreicher. Und das Geld liegt auch nicht auf der Straße.“ Mario Herger hat im März 2013 das Austrian Innovation Center Silicon Valley (AICSV) ins Leben gerufen. Die Non-Profit-Organisation versucht eine Brücke zwischen Österreich und Kalifornien zu schlagen. Für österreichische Startups soll der Gang ins Silicon Valley leichter werden. Das AICSV begleitet Gründer in den unterschiedlichen Phasen des Umzugs.

Valley-Veteranen als Coaches für österreichische Neuankömmlinge

Sich selbst bezeichnet Herger als Silicon Valley-Veteran. Der Österreicher ist seit 12 Jahren als Innovation Strategist bei SAP in Kalifornien tätig. Hinter dem AICSV stehen mehrere von seinem Kaliber, die teilweise schon mehr als zehn Jahre im Hightech-Tal leben und arbeiten. Ein Thema liegt bei ihnen wohl schon lange in der Luft: der Mentalitätsunterschied zwischen Österreich und dem Valley. Auf Österreicher-Stammtischen wird immer wieder diskutiert, „wie viel anders oft die Einstellung der Leute hier ist“, erzählt Herger. In Österreich sei eher eine skeptische Herangehensweise üblich. Auch weit verbreitet: der sofortige Fokus auf die Gefahren einer neuen Idee. Aber damit kommt man laut Herger in Kalifornien nicht weit. Dort ist eine positive, spielerische Herangehensweise gefragt. Um zu lernen, wie das geht, gebe es nun das AICSV. Die Non-Profit-Organisation nimmt österreichische Valley-Neulinge unter ihre Fittiche, coacht sie, hilft beim Netzwerken und macht sie fit für den Start im US-Markt.

Startup-Rhetorik und Bescheidenheit – ein Balanceakt

Wie kann es ein österreichisches Startup also konkret schaffen, im Silicon Valley Fuß zu fassen? „Das Wichtigste ist zuerst mal herzukommen“, meint Herger. „Im Silicon Valley hat man eine hohe Dichte an allem, was ein Startup benötigt. Und erst vor Ort wird verständlich, wie hier gearbeitet wird, wie hier das Netzwerk funktioniert und wie hier Geschäft gemacht wird.“ Eines der wichtigsten Werkzeuge dabei ist die Startup-Rhetorik. Das bedeutet: Sprechen, Vorträge halten, seine Ideen vermitteln und diskutieren. Kommunikativ muss man also sein. Und bereit zum Netzwerken. Ausschlaggebend sei dabei zunächst, „eine gute und fokussierte Produktidee, die ganz konkrete Probleme löst, und nicht die eierlegende Wollmilchsau rüberbringen zu wollen“.

Hat man eine solche Idee, gilt es die Balance zu finden zwischen Verkaufstalent und Bescheidenheit. Neunmalkluge Österreicher kommen scheinbar weniger gut an. „Wir wissen eben nicht alles besser und in Österreich ist nun einmal nicht alles so supergut“, witzelt Herger. Im Silicon Valley sei die Startup-Kultur alltäglich. „Niemand fragt, warum man nicht einen ‚normalen‘ Job hat. Jeder Student hat schon eine Idee für ein Startup oder hat bereits eines gegründet. Man kann sich auch in kein Café setzen, ohne am Nachbartisch jemanden über eine Startup-Idee oder ein Produkt reden zu hören“, berichtet Herger. Um im Silicon Valley mit seinen Ideen auf offene Ohren zu stoßen, brauche man eine Einstellung, die auf Offenheit und dem Willen zu lernen ausgerichtet ist.

Multikulti, Frauen und Interdisziplinarität

Wir halten fest: Arroganz über Bord werfen und dann aufgeweckt, offen und neugierig ans Arbeiten. Aber wo und wie? Multidisziplinär, zwischen Kreativen und im regen Austausch mit anderen Startuppern, sagt Herger. „Man sollte sich vom Gedanken verabschieden, ein repräsentatives Office im besten Viertel haben zu müssen, sondern sich viel lieber in einem Co-Innovationspace einmieten und zwischen anderen Startup-Gründern und Kreativen sitzen. Und dann sollte man auch Lust haben, andere und nicht unmittelbar mit seinem Fach verwandte Disziplinen zu erkunden“, so Herger. „Diese Aufgewecktheit sollte man sich erhalten, denn dadurch hervorgerufene Ideen können die Basis für die nächsten Produkte und Services bilden. Richtig gute Ideen entstehen schließlich durch das Zusammenbringen von oft sehr verschiedenen Disziplinen“, so Herger weiter. Alles ordentlich durchmischen ist also die Valley-Strategie. Dabei auch wichtig: Mulitkulti und Frauen. Über allem stehe der Wille, permanent zu lernen, und die unersättliche Neugier.

„Ganz wichtig ist es, raschest Leute an Board holen, die aus verschiedenen Kulturen kommen, verschiedene Lebensstile haben und aus verschiedenen Fachrichtungen sind. Und möglichst keine reinen Männerteams“, ist Herger überzeugt.

 

Die Valley-Strategie lernen

Hergers Erfolgsrezept kannten bisher wohl nicht allzu viele. Wenn österreichische Startups versuchen, mit ihrer Idee im Silicon Valley zu landen, dann passiert das meist „eher unkoordiniert, ohne große Hilfe und mit viel Zeitverlust. Für viele ist das abschreckend. Sie zweifeln“, meint er. „Mit dem AICSV wollen wir die Eintrittsbarriere ins Silicon Valley heruntersetzen, sodass Firmen, bei denen es Sinn macht, hierher zu expandieren oder ihr Wachstum zu beschleunigen, es einfacher haben. Der Schritt, hierher zu kommen, soll für sie weniger riskant sein“, so Herger weiter.

Seine Non-Profit-Organisation möchte Neuankömmlinge dabei unterstützen, rasch einzutauchen in die neue Welt. „Wir helfen österreichischen Unternehmen und Startups dabei, in den innovativen Geist einzutauchen, zu lernen, zu investieren und den amerikanischen Markt zu eröffnen“, erklärt Herger.  Deshalb coacht das AICSV Gründer, indem es sie mit erfahrenen Leuten aus verschiedenen Disziplinen zusammenbringt. Das Coaching läuft über Mentoren, die selbst erfolgreich Unternehmen gegründet haben und sich auskennen mit diversen Konzepten wie Gamification, Fast Prototyping, Creativity, Design Thinking und Business Plans.

Das Netzwerk funktioniert im Silicon Valley anders

Die Neulinge werden auf Veranstaltungen und zu Konferenzen geschickt, mit VCs und Executives von Firmen verbunden. Die „richtigen“ Leute zu kennen ist schließlich das A und O. Das Netzwerk funktioniert im Valley anders, meint Herger. Die Player der Startup-Szene im Silicon Valley seien sehr hilfreich und hilfsbereit. Man helfe sich gegenseitig und vermittle, wo es geht. „Im Gegenzug erwartet man aber auch von dir, dass du offen bist und hilfst. Man muss hier sehr professionell sein und willig, seine Ideen zu teilen“, erklärt Herger. Und obendrauf braucht es wohl eine ordentliche Portion Unerschrockenheit.

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