Gewohnt provokant: Axel Springer inszeniert sich als Crack aus dem Silicon Valley

Gerade kursiert der Valley-Mythos von Axel Springer im Netz. Moment mal! Axel Springer und eine Garage im Silicon Valley? Hat das nicht mit der „Hörzu“ in Hamburg begonnen? Ganz genau. Springers Gründermythos ist erfunden. Mit einer Imagekampagne will Axel Springer seine Firmengeschichte dem Zeitgeist anpassen. Der Konzern will zum führenden digitalen Medienunternehmen werden. Deshalb die Selbstinszenierung.

Ausgerechnet Axel Springer. Regelmäßig sind die Macher von BILD und Co. auf Ideen-Klau im Silicon Valley unterwegs. Mit den abgeschauten Ideen im Gepäck wollen sie ihr Medienunternehmen digital weiter vorantreiben. Das Ziel: Deutschlands führendes digitales Medienunternehmen werden. Jetzt präsentieren sich die Springer-Manager in einem Video-Clip als geniale Köpfe aus dem Silicon Valley. Genauso wie die ganz großen Erfolgsstories, die Geschichte geschrieben haben, habe auch beim Axel Springer Verlag alles in einer schäbigen Garage in Kalifornien begonnen. Stimmt natürlich alles nicht. Rein erfunden der Selbstinszenierung wegen.

Springer pimpt Firmengeschichte

Auf der Tour durchs Valley vermutlich vom unglaublichen Spirit im Hightech-Tal angesteckt bastelt Springer sich nun einfach selbst einen Valley-Mythos. Auch wenn  Springer seine Manager nun als Cracks aus der Digitalbranche präsentiert, ist das doch wohl eher unglaubwürdig. Schließlich beginnt die Geschichte von Axel Springer nun mal nicht mit einem typischen Gründermythos in einer Garage in Kalifornien, sondern mit der „Hörzu“ in Hamburg. Irgendwie weniger cool und weniger digital. Im Jahr 2012 verdiente der Konzern allerdings mit dem Digitalgeschäft mehr als mit dem Zeitungsgeschäft. Digital will man auch weiterhin die Nase vorne haben. Inzwischen schickt Axel Springer deshalb regelmäßig Mitarbeiter ins Silicon Valley. In Berlin soll nämlich ein neues Medienzentrum für das Digitalgeschäft entstehen. Aktuell arbeitet BILD an einem Marken-Abo, das sowohl die Zeitung als auch ein neues Bezahlangebot für die journalistischen Inhalte auf allen digitalen Plattformen vereint. Erste Einblicke in BILDplus präsentierte der Medienkonzern gestern in Berlin. Höchste Zeit also, die Firmengeschichte dem Zeitgeist anzupassen. Eine spannende Anfangszeit muss her. Nämlich „The Story of Axel Spinger´s Famous Garage“, verbreitet via YouTube.

Hier der Clip in voller Länge:

Fraglich also, ob diese Neuinterpretation von Springer als Hommage an geniale Gründer oder als Selbstironie zu werten ist. Eines ist jedoch sicher: An Springer scheiden sich mal wieder die Geister. Aufmerksamkeit ist dem Verlag mit der Imagekampagne in jedem Fall garantiert. Vielleicht soll der Spot auch einfach nur andeuten, dass Axel Springer genau ein solcher Durchbruch wie beispielweise den Branchenriesen Apple oder Microsoft gelingen wird. „Um das führende digitale Medienunternehmen zu werden, muss man nicht in einer Garage in Kalifornien begonnen haben. Aber hinfahren kann man ja mal“, heißt es im nächsten Clip. Gezeigt werden die Manager auf einer Art Klassenfahrt ins Silicon Valley:

Was sagt ihr zu Springers selbst gebasteltem Valley-Mythos? Witzig, peinlich oder gelungene Selbstinszenierung? Eure Meinung ist gefragt!

 

Eine Antwort an “Gewohnt provokant: Axel Springer inszeniert sich als Crack aus dem Silicon Valley”

  1. BREADHUNTER

    Mai 29. 2013

    Sehr fein, endlich bewegt sich mal die Print-Industrie. Welche Zeitung hat das bisher erkannt und nachgemacht ?
    Auch wenn man über die Inhalte von BILD streiten kann, aber es ist nach wie vor ein geniales Geschäftsmodell… (auch wenn ich lieber FAZ,NZZ oder Spiegel lese ;-) )

    Viele Intellektuelle verschließen sich diesen neuen Medien und Tools, als Angst, die Innovationen würden an Ihrem Stuhl sägen, doch wer Hirn hat und Innovationen zu nutzen weiß, ist klar im Vorteil. Denken muss man trotzdem noch können und will gelernt sein, da hilft dann auch kein Google, Wikipedia oder Facebook.

    Viele Unternehmen, in D-A-Ch könnten sich davon eine Scheibe abschneiden, also mal über den Tellerrand zu blicken und etwas ganz anders zu machen, anstatt im Alltagstrott aus Veränderungsangst zu versumpfen…
    In diesem Sinne einen schönen Tag

    TZ

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