Echter Datenschutz: Das waren die Tech Natives #2

Die eigenen Daten schützt man am besten … selbst. Das ist das Fazit der zweiten Ausgabe der Vortragsreihe Tech Natives in Wien. Vergangenen Montag (3. Juni 2013) sprachen dort Wolfie Christl (Datenklau-Satirespiel Datadealer), Anne Roth (Angehörige eines monatelang zu unrecht Abgehörten), Tom Spiegel (SEM/SEO/SMM-Agentur iProspect Austria) und Max Schrems (Europe versus Facebook) unter dem Abendtitel “R.I.P. Privacy”.

Die Präsidentin der IAB, Martina Zadina, zwischen den Tech Natives-Veranstalterinnen Cornelia Rehberger (links) und Helena Rastl

Befragt man Herrn und Frau Musternutzer über die Thematik mit den persönlichen Daten und dem Internet, kommt oft eine zwiegespaltene Antwort: Netzwerke und Dienstleister wie Facebook und Google werden grundsätzlich als böse gesehen, was die Moral beim Verwirtschaften von Datensätzen angeht. Andererseits schützen sich viele vor dieser Gefahr – und das sehr oft auf falsche Weise.

Pseudo-Vor- und Nachname: darum geht es nicht

Häufig und wohl am offensichtlichsten sind jene persönlichen Datenschutzmaßnahmen, bei denen Facebook-Nutzer ihren Namen ändern. Die Varianten sind überschaubar: Aus Maximilian Mustermann wird in Österreich beliebterweise “Max Imilian”, abgekürzt “Ma. Mu.” oder ein Pseudonym wie “Sigismund Vonderheide”. Selbst wenn Facebook noch nie Max Mustermanns realen Namen erfahren hat: Für einen schönen Datensatz über ihn braucht Facebook den Namen gar nicht.

Wenn von Nutzerdaten die Rede ist, geht es nicht um persönliche Datensätze auf Namen abrufbar. Vielmehr achtet etwa Facebook auf Charakteristika wie Alter, Interessen und Aktivitätenschemen und verarbeitet das Bündel anonymisiert (also ohne Name) mit Hunderten, Tausenden oder Millionen anderer Datensätze. Max Mustermann alias Sigismund Vonderheides Nutzerprofil (im Sinne des charakterisierten Datensatzes) ist egal, welcher Name öffentlich dafür steht.

Europa kämpft immer noch gegen Facebook

Max Schrems war vor seinem Tech Natives-Vortrag wohl den meisten aus dem Publikum ein Name. Mit seiner studentischen Jus-Aktion gegen Facebook schaffte er ein Medienecho, das damals ausgehend von der “Presse” über vol.at und NZZ sogar von Forbes, The Guardian, Le Monde und deutschen Privatfernsehsendern erschallte. Nach einer Forderung nach den über ihn gespeicherten daten bekam Schrems tausende PDF-Seiten an gespeicherten Nachrichten, Handlungen und Info-Eingaben zugesandt.

Diese Anforderung machten nach Schrems noch unzählige andere – eine Antwort wie er erhielt jedoch niemand. Facebooks Politik mit Dateneigentum sei unfair, so Schrems:

Wenn’s einmal ein Naziposting gibt, schreit Facebook gleich: Das war dein Posting! Bei allem anderen sagt Facebook aber: Das geht dich nichts an, das sind unsere Postings. – Max Schrems zu Facebooks Datenpolitik

Die Referenten v.l.: Max Schrems, Tom Spiegel, Anne
Roth, Wolfie Christl

Satirespiel für datenpolitische Aufklärung

Wolfie Christl macht sich ebenfalls an die Aufklärung über Datenschutz. Das Spiel Datadealer (datadealer.com), das auch Wolfie Christl entwickelt, macht den Nutzer zum Datenhändler. Das Browsergame ist derzeit als Demo spielbar. Es vereint die Genres Lernspiel und Browsergame – pädagogisch richtiges Farmville, sozusagen.

Abhören und linguistische Textanalysen

Anne Roth ist Netzaktivistin (Tactical Tech Collective) und nennt sich “Digital Native”. 2006 stürmte die Polizei ihre Wohnung und nahm ihren Freund wegen Verdachts auf Mitgleidschaft in einer terroristischen Organisation fest. Vor und nach dem Ereignis überwachte der Staat den Mann und seine Angehörigen – darunter auch Roth und deren Kinder.

Linguistische Analysen von Texten, die Roths Freund – Soziologe – zu der Zeit schrieb, Beobachtungen auf offener Straße und Abhöraktionen am Telefon waren Alltag gewesen, musste Roth rückschließend feststellen. Ihre Gedanken und Stimmungen (“Da wurde ich fast verrückt”) in dieser Zeit hielt Roth fest.

Der nächste Tech Natives-Vortragsabend findet im Herbst am 21. Oktober 2013 statt.

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