Zwei Insidermeinungen zu NFC und wann es kommt

Berührungsfreies Bezahlen an der Supermarktkassa und blitzschnelle Handshakes zwischen Handys: NFC ist eine der neuen Technologien, die bereits seit Jahren kurz vor der Tür zu stehen scheint. Angewandt wird sie derweil aber noch nirgends wirklich – außer im Skigebiet. Wolfgang Stockner von bluesource und Andreas Jakl von Mopius verraten, wann NFC endlich Einzug finden wird und was sie damit vorhaben.

Die Technologie hinter der NFC-Hardware ist heute ausgereift: Bezahlterminals kosten für Unternehmen in der Anschaffung nur mehr eine zweistellige Eurosumme per Stück. Wenn wo höhere Kosten warten, dann sei es in der technischen Integration von NFC-Lesern in jeweilige Mutternetzwerke – Beispiel: ins Kassensystem im Einzelhandel.

“Dumme Elemente” billig in Massenherstellung

Bei vielen Anwendungen von Nahfeldkommunikation reicht es, wenn eines der (beiden) mitteilenden Geräte weitere Funktionen hat. Anders gesagt: Einem NFC-Smartphone reicht für bestimmte Vorgänge ein einfacher NFC-Aufkleber als Kommunikationspartner, um – wenn vom Benutzer physisch zusammengehalten – eine Aktion durchzuführen.

Anstatt eines Strichcodes würden etwa Handelswaren oder auch die Handys reisender Personen mit einem Transponder (RFID-Chip) ausgestattet. An der Supermarktkassa oder am Fahrkartenautomaten würde ein intelligentes Gegenelement dem Transponder seine Identifikation(snummer) per NFC-”Funk” ablesen und die jeweilige Interaktion – hier den Kauf – durchführen. Das Beispiel ist nicht aus der Luft gegriffen: Derzeit testen die Österreichischen Bundesbahnen NFC-Systeme, um mittelfristig (in etwa 5 Jahren) auch kontaktlose Fahrkarten anbieten zu können. Die “dummen” Terminals würden die ÖBB je 50 Euro kosten – ein Preis, mit dem sich planen lässt.

Intelligente Gegenstücke hingegen sind das Teure. Sie stellen die Hardware-Hürde für den Durchbruch von NFC dar.

Wir sprachen mit Wolfgang Stockner und Andreas Jakl:

Wolfgang Stockner von bluesource kommt aus dem Programmierbereich und hat in der Vergangenheit in Hagenberg mehrere Systeme entwickelt, bei denen die NFC stattfand – darunter mobile-pocket.

Andreas Jakl arbeitete bei Nokia, bevor er 2013 Mopius mitgründete. Deren App NearSpeak erlaubt es, Sprachnachrichten auf NFC-Tags (z. B. Aufklebern) zu hinterlassen. Wenn jemand anders den Tag mit seinem Handy berührt, hört er die Sprachnachricht – sogar übersetzt in seiner Sprache.

Wer wird mit ersten echten NFC-Systemen kommen?

Im Lebensmittelhandel wird NFC wohl als erstes Einzug finden. Billa rüstet komplett auf NFC-Bezahlterminals um, da bekommen die POS-[Bankomatkarten-]Terminals ein zusätzliches Plugon. -  Wolfgang Stockner

Sparkasse rollt gerade NFC-fähige Karten, auch: kontaktlose Karten, aus. Die können S’ sowohl stecken als auch hinhalten. -  Wolfgang Stockner

NFC beginnt bei dem einfachen Verbinden mit Bluetooth-Headsets, Lautsprechern und Autos; geht im nächsten Schritt zum super-schnellen Teilen von Fotos und Kontakten durch das Berühren zweier Handys, bis hin zum Erhalten von Informationen über Poster und Werbemittel. Zahlung ist hier ein wichtiger, aber vergleichsweise kleiner Teil, der allerdings sehr viel Aufmerksamkeit erhält. – Andreas Jakl

Wo und wann kommt der nächste Schwall an NFC-Technik in Österreich?

Nach all den Prophezeiungen über das “Jahr des NFC” glaube ich mittlerweile, dass es dies nicht geben wird – die Technologie wird sich langsam immer mehr im alltäglichen Leben verbereiten. Ohne einen großen Knall. – Andreas Jakl

Was können Sie und ich mit einem NFC-Handy anfangen?

Wenn’s schon mehr NFC-Handys gäbe, könnten wir in ihnen die Bezahlfunktion ausbauen: Wir könnten in unsere Applikation – Mobile Pocket zum Beispiel – Standards einbauen, damit wir zum Beispiel meine Kreditkarte simulieren können. Anstatt Karte kann ich dann das Telefon hinhalten. -  Wolfgang Stockner

Welchen Vorteil hat NFC gegenüber Kommunikation per Strichcode, Bluetooth, WLAN oder LTE/4G?

Viele Ideen lassen sich natürlich auch ohne NFC realisieren – allerdings meist einfach viel unpraktischer. Jeder, der schon einmal ein Bluetooth-Headset verbinden musste, weiß den neuen Weg durch einfaches Berühren zu schätzen. Genauso beim Senden eines Fotos zu einem Freund. Und vielleicht in Zukunft auch beim Bezahlen von Kleinbeträgen, ohne mit einem dicken Geldbörserl voll mit Münzen zu hantieren. – Andreas Jakl

Oft ist NFC nur die sogenannte “Enabler”-Technologie. Ich berühre zum Beispiel mit dem Handy mein Tablet – diese verständigen sich kurz über NFC; das eigentliche Verschicken von Fotos passiert dann allerdings über Bluetooth oder WLAN. NFC ist hierfür nicht gedacht, da es viel zu langsam für große Datenmengen ist. – Andreas Jakl

Was ist und macht das Secure Element?

Bei hochsensiblen Daten, also Kreditkartendaten zum Beispiel, oder Schlüssel für die Haustür, brauchen wir das Secure Element. -  Wolfgang Stockner

Auf dem Secure Element werden im Handy beispielsweise die Kreditkartendaten gespeichert. Als solches ist es komplett abgesichert und fest in der Hand der Kreditkartenfirmen sowie der Netzbetreiber bzw. Handyhersteller. Insofern ist dieser Bereich für “normale” App-Entwickler wenig interessant. - Andreas Jakl

Wenn ein Prozess NFC nur als “Enabler”-Technologie verwendet, muss man bezogen auf die Sicherheit also immer das Gesamtsystem beurteilen.  - Andreas Jakl

Andreas Jakl über NearSpeak:

Die bluesource-App mobile-pocket, hier noch mit Strichcode-Funktionalität:

2 Antworten an “Zwei Insidermeinungen zu NFC und wann es kommt”

  1. Michael Kamleitner

    Jun 07. 2013

    “Wann NFC kommt”?! Vor 2,3 Jahren? Z.b. http://www.reallifeconnect.com, österreichisches Startup, bieten seit Jahren international NFC-Lösungen zur Verbindung von Event- & Social-Spaces an…

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  2. Johannes Eder

    Jun 12. 2013

    In Tirol funktioniert Bezahlen via Smartphone bereits seit einem Jahr im Echtbetrieb. Und das mittels Strichcode, ohne Bankdaten am Smartphone und ohne Secure Element -> http://www.secure-shopping.at

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