Interview: Niko Alm über das Potenzial von Social Media

Der Wiener Niko Alm ist Digitalunternehmer, Herausgeber von VICE Alps und laizistischer Aktivist. Aus der Gruppe seiner Kommunikationsagentur Super-Fi entsprangen unter anderem  das Social Media Ranking Österreich und watchado. Auf dem ÜBERALL APP Congress sagte er: “Mit Social Media hat sich im Marketing nichts verändert.” Wir fragten nach.

Das Interview zum Anhören:

internetszene.at: Hallo Herr Alm, sie haben vorher gesagt: „Mit Social Media hat sich im Marketing nichts verändert.“ Das sei aber überzogen, haben Sie mir jetzt gerade gesagt.

Niko Alm: Was ich damit meine, ist dass sich im Wesentlichen, oder im Verhalten im größeren Maßstab im Marketing durch Social Media alleine noch nicht viel verändert hat. Natürlich muss ich das im Vortrag zusammenkondensieren auf „Im Marketing hat sich durch Social Media nichts verändert.“.

Weil nämlich die Herangehensweise vom Marketing eine sehr traditionelle ist, in vielen Fällen, wo Social Media einfach als weiterer Kanal bedient wird und eigentlich in vielen Fällen das Potenzial von Social Media nicht genützt wird.

Das heißt nicht, dass es nicht viele Unternehmen gibt, die das schon sehr gut machen – aber, grosso modo, sind wir noch nicht an einem Punkt wo wir sagen können: „Das Marketing hat sich durch Social Media an sich geändert.“

internetszene.at: Sehen Sie in irgendwelchen anderen Ländern oder Kontinenten, dass es da schon besser läuft?

Niko Alm: Mir fehlen dazu die Daten, muss ich ehrlich sagen. Also, gefühlt, also, anekdotisches Wissen: Ich bekomme natürlich mit, dass im angelsächsischen Raum … – aber nicht nur – durchaus auch Europa außerhalb von Österreich, ohne Österreich schlecht zu machen, es Kampagnen gibt, die zu mir kommen, wo ich mir denke: Das ist in Österreich nicht möglich Da funktionieren einige Dinge sehr, sehr gut.

Vor allem Schweden möchte ich da herausnehmen.

internetszene.at: Sie haben ja eine Schwedenflagge auf Ihrem Laptop.

Niko Alm: Genau, das ist in dem Fall Zufall! Ich war bei der Eurobest Juror, und ich sehe einfach was aus kleinen skandinavischen Ländern, rein quantitativ schon, eingereicht wird. Und es ist nicht die Menge die‘s ausmacht, sondern es ist tatsächlich auch die Herangehensweise. Die gefühlte … Wie umgegangen wird damit.

Man merkt gewissen Kampagnen den Erfolg an, der in der Mechanik drinnen steckt. Dass jemand verstanden hat, was man aus dieser Infrastruktur herausholen kann.

internetszene.at: Sie meinen jetzt: Schweden? Oder auch: Norwegen, Finnland, Dänemark

Niko Alm: Ich meine jetzt speziell auch Norwegen, wo ich auch einige sehr gute Beispiele kenne. Also speziell diese beiden Länder.

Also Schweden, nur um ein ganz populäres Beispiel zu nennen: Es gibt ja den Schweden-Twitter-Account. Die haben erkannt, dass man mit einer ganz einfachen Idee, die praktisch gar nichts kostet, ein Medium in einer total sympathischen Art und Weise nützen kann, sodass es innerhalb des Mediums funktioniert, aber auch darüber hinaus natürlich medial rezipiert wird. Wie damit umgegangen wird.

Also, um kurz zu erklären: Schweden hat einen Twitter-Account, der heißt @sweden. Und der wird jede Woche von einem anderen Menschen in Schweden bedient. Der einfach mehr oder weniger privat darüber twittert. Und so kann man sich anhand von 52 Personen im Jahr einfach ein Bild über die schwedische Bevölkerung machen, wie sie lebt.

Funktioniert super, folge ich, finde ich immer wieder interessant. Manchmal sind sehr gute, lustige Leute dabei, manchmal halt ich es nicht aus. Aber ich werde deswegen nicht entfolgen.

internetszene.at: Wie oft lesen Sie Twitter?

Niko Alm: Dreißig Mal am Tag, glaube ich. Bin natürlich einer, der am Mobiltelefon … “always on” ist. Ich schau schon sehr oft rein. Es ist natürlich auch ein Nebenbei-Medium, dass ich am Screen offen hab. Da schau ich natürlich immer wieder drauf.

Bin aber nicht einer, der Twitter nachliest. Also ich bin keiner, der den Zwang hat, jeden Tag die ganze Timeline nachlesen zu müssen.

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