Von Gott und Geld: Pater Johannes Paul Chavanne

Geld allein macht nicht glücklich – Gott allein auch nicht. Das denkt man sich bei Pater Johannes Paul vom niederösterreichischen Stift Heiligenkreuz. Neben seiner Mönchstätigkeit produziert er Musik und macht, so er wörtlich, „Marketing für Gott“.

Pater Johannes Paul Chavanne

Johannes Paul (re.) hält eines seiner Chant-Musikalben in der Hand. © internetszene.at

 

Am 7. 4. 2013 weihte Kardinal Schönborn den jungen Pater zum Priester. 2006 war er dem Stift Heiligenkreuz im Wienerwald beigetreten. Zwei Jahre nach dem Eintritt konnte Johannes Paul gleich auch auf einen weltlichen Erfolg stolz sein: Das Album Chant – Music for Paradise, bei dem er mitwirkte, erklamm die Spitze der Österreichischen Albencharts. In der Gesamt-Hitparade von 2008 schaffte das Album den zweiten Platz – nur mehr geschlagen von Popstar Amy Winehouse.

God2Customer-Marketing

Chant bleibt nicht Chavannes einzige Tätigkeit, die einen Fuß in der geistlichen und einen in der weltlichen Welt hat: Als Jugend- und Öffentlichkeitsarbeitsbeauftragter des Stifts wusste der Pater die richtigen Medien zu finden. Auf Facebook betreut er die offizielle Seite des Stifts. Sie zählt rund 8000 Fans – verglichen mit Heilgenkreuz’ Einwohnerzahl viel, für ein weltbekanntes Zisterzienserstift aber bestenfalls in Ordnung.

In der Marketingsprache mache er G2C-, oder God-to-Customer-Marketing, so Johannes Paul auf dem Mobile Marketing Innovation Day.

PR-Maßnahme “Chant” wurde erhört

Die Website des Stifts ist ausgereift: Fährt man mit der Maus über das Menü, wechselt der Text von Deutsch auf Latein. Chant, das Musikprojekt des Paters, ist im Menü mit eigenem Punkt vertreten:

wie Gott Musik nützt, um Glaube zu verbreiten

(quomodo deus utitur musica ad propagandam fidem)

Pater Johannes Paul sieht es praktisch: Ohne Medien könnte die Kirche und sein Kloster nur einen Bruchteil der Menschen erreichen. “13,500 Sonntage Predigt” brauche es, so der Pater, “um die Publicity dieses Videos [meines Auftritts bei Willkommen Österreich mit Stermann und Grissemann] zu erreichen”.

Nicht nur im Abendunterhaltungsprogramm lässt sich der Pater sehen, auch die ORF-Klatschsendung Seitenblicke berichtete über ihn. Das Stift distanzierte sich sogleich von der entstandenen Prominenz: “Wir sind Mönche und nicht mit Sektgläser und sonstigen Attitüden herumspazierende Promis”. Den Bericht fand es trotzdem “sehr schön”.

Second Screen in der Messe

Religiöse Unternehmer behalten auch im Geschäft ihren Glauben im Hinterkopf. Johannes Paul macht es umgekehrt und geht seinen Klosterdienst mit Geschäftstucht im Hinterkopf an.

Technischer Fortschritt mag daher ein Punkt des Zusammenstoßes sein, an dem der Pater sich für einen der zwei Standpunkte entscheiden muss – katholische Kirche oder liberale Wirtschaft. Schließlich schwört die katholische Institution vermittlungsmethodisch auf strenge Gestrigkeit. In einem Vortrag entgegnete Pater Johannes Paul auf die Frage nach einem Second Screen in der Messe jedenfalls mit einem “Warum nicht?”.

 

Eine Antwort an “Von Gott und Geld: Pater Johannes Paul Chavanne”

  1. Guntram Bechtold

    Jul 02. 2013

    Hallo David,

    Sehr guter Artikel.
    Einzig die Subheadline finde ich nicht passend “.. Gott allein auch nicht” – Treffender wäre wohl “– Gott allein schon”. Fürs Geld müsste Johannes Paul wohl was anderes machen. Beispielsweise Finanzinvestor werden.

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