Keine Lösung für Bezahlinhalte auf dem Werbeplanung.at Summit 2013

Vergangene Woche tagte der 5. Werbeplanung.at Summit in der Wiener Hofburg. ZEIT-Verlagschef Rainer Esser eröffnete das Programm mit einer Kritik an der Furcht vor dem Tod von Print.

Qualitätsjournalismus könne noch lange Zeit weiter leben – er müsse nur richtig gemacht werden. Esser gab zu, dass es „für den klassischen Verlag (…) leider keinen Artenschutz [gibt]“, der klassische Verlag es mit zwei Grundgedanken aber trotzdem weiter schaffe:

Print: Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben

Erstens rede sich der Journalismus im Vergleich zu anderen Branchen massiv schlecht. In der Krise Ende der 00er-Jahre habe es auch in anderen Branchen Unternehmen gegeben, die sich zu Tode gefürchtet haben und dann untergegangen seien: Mitarbeiter zu entlassen und Budgets zu streichen hieße, dass damit Knowhow und Handlungsfreiheit verloren geht.

Nur indem starke Strukturen aufrechterhalten wurden, hätten Unternehmen schlechte Zeiten überleben können: Die deutsche Autoindustrie, so Esser, sei ein gutes Beispiel. Printmedien hingegen spielten sich selbst herunter und verkleinerten Redaktionen.

„Wenn ein Haus gut läuft, nichts vorschnell minimieren. Und wenn schon, dann in der Produktion zuerst.“ Rainer Esser (Zeitverlag) zu Krisenzeiten

Journalismus vs. Bedrucken von Papier

Als zweiten Anstoß stellte Esser die Aussage in den Raum, dass Medienhäuser sich im Selbstverständnis zum Journalismus bekennen müssten und nicht zum Bedrucken von Papier.

Er führte damit einerseits zu einem selbstsicheren Plädoyer für den Qualitätsjournalismus, den sein Haus sehr gut beherrsche.
Außerdem fiele mit solch einem Selbstverständnis auch die Einpassung in neue technische Kanäle einfacher.

Paid Content-Aufschub selber eingebrockt

Bezahlte Inhalte nannte kein Kongressredner als Gesamtlösung für Medienhäuser. Das wohl, weil deren Einführung im deutschsprachigen Raum noch in weiter Ferne liegt. Eingebrockt haben sich das die Medien gegenseitig, lautete der allgemeien Tenor auf dem Summit.

Hätten alle Häuser auf Paywalls (Schleusen, ab denen man nur gegen Bezahlung weiter lesen kann) im Netz umgeschaltet, hätte irgendein anderes darauf verzichtet und wäre den anderen davongerannt.

Sandro Albin von der Schweizer Gratiszeitung 20 Minuten erklärte im Mediengipfel auf Armin Wolfs Frage nach der Kostenpflicht, bei 20 Minuten käme Bezahlung nie infrage. Im Haus gebe es mit dem Tagesanzeiger aber Pilotprojekte mit Paid Content.

„Eher noch spielt es uns in die Karten, wenn andere es tun“. – Sandro Albin (20 Minuten) zu Bezahlinhalten

Über bezahlte Inhalte diskutierten auch Repräsentanten von XING, STYRIA und ORF.

Paywalls wie Print-Abonnements: Brauchen Bewerbung

Styria digital-Chef Peter Neumann glaube „schon, dass [Verlage] (…) Produkte entwickeln können, die bezahlt werden – müssen.“ Diese seien allerdings aktiv zu bewerben, genauso wie es Print-Abos verlangen.

Im Conference-Teil des 5. Werbeplanung.at Summits. © internetszene.at

Im Conference-Teil des 5. Werbeplanung.at Summits. © internetszene.at

 

Gratisangebote interessant genug

Wie sie sind sah die Dinge ORF Online- und Teletext-Geschäftsführer Karl Pachner. „PayTV funktioniert im deutschsprachigen Raum einfach nicht, hat in Österreich nicht geklappt wegen zu viel Fluchtmöglichkeit.“ Er fand sich mit der Nichtmöglichkeit einer Einführung von Paywalls ab: „Auch aus Gratisangeboten kann man etwas machen, wenn man eine gescheite Verkaufsmannschaft hat“ – Stichwort Ad Impressions.

Warum immer “Content”?

XINGs CRM-Chef Christian Gründig nähte mit dem roten Faden der Diskussion eine Verbindung in sein Online-Netzwerkgeschäft: „Warum Paid Content? Wir bieten Paid Mechanics an.“ Der Mehrwert könne hierbei in der eigentlichen Möglichkeit der Funktion liegen, oder aber in besserer Geschwindigkeit und anderen Qualitäten.

Zu Gründigs Content-Infragestellung zog United Internet Media-Aufsichtsrat Matthias Ehrlich die Verbindung: „Content ist King oder Service ist King? Leistung ist King, wie auch immer sie sich substantiviert.“

Rückverfolgungen/Pingbacks

  1. Vienna Calling: Das Werbeplanung.at Summit - 18. Juli 2013

    [...] Paywall hochgezogen wird, werde dies den Lesern nicht gut verkauft. Mehr zu dem Panel auch unter internetszene.at: Keine Lösung für Bezahlinhalte auf dem Werbeplanung.at Summit 2013 Jay Stevens von Rubicon Project erklärt das Geheimnis von Private [...]

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