Frauen, Macht, Geld und Innovation bei DLDwomen13

Female Leadership, Innovation und Entrepreneurship. Zu diesem Themenkomplex diskutierte Mitte Juli ein spannendes Netzwerk aus CEOs, Wissenschaftlern, Managern, Technologie-Pionieren, Gründern und Denkern  auf der internationalen DLD Women Conference in München. Aber wie sieht es damit in Österreich aus? internetszene.at hat bei Elisabeth Oberndorfer nachgefragt. Sie hat das österreichische Frauen-Netzwerk Digitalista gegründet und arbeitet als Silicon Valley-Korrespondentin für deutschsprachige Medien in San Francisco. Ein Interview.

Es liegt ein Hauch von blumigem Parfum und Bodylotion in der Luft. Sommerkleider und bunte Zehennägel so weit das Auge reicht. Eine Schminkecke ist auch eingerichtet. Alles ziemlich girly, keine Anzeichen von einer internationalen Wirtschaftskonferenz. Sieht man genauer hin, erkennt man aber EU-Kommissarin Viviane Reding, die deutsche Bundesministerin für Arbeit und Soziales Ursula von der Leyen, Gina Lund, die als Norwegens Arbeitsministerin die Frauenquote eingeführt hat, und Auma Obama, die Schwester von US-Präsident Barack Obama.

Sie alle tummelten sich Mitte Juli auf der DLD Women Conference in München. Die Schirmherrin Maria Furtwängler  versammelte erneut Frauen in Führungspositionen aus aller Welt. Schwerpunkt des Treffens waren Digitalisierung, Rollenbilder und Innovationskraft.

Auf dem Frauen- Ableger der DLD-Konferenz wurden aktuelle Trends thematisiert und anhand neuer Entwicklungen über die Zukunft von Arbeit und Bildung diskutiert und darüber, welche Rolle Frauen und Männer dabei einnehmen. internetszene.at war dort und hat Österreichs Frauen vermisst.  Was ist los bei uns? Die Digitalista-Gründerin Elisabeth Oberndorfer erklärt es im Gespräch mit internetszene.at.

 

Female Leadership, Innovation und Entrepreneurship – wie sieht es damit deiner Meinung nach in Österreich aus?

Alles davon ist in Österreich vorhanden, nur wahrscheinlich nicht so sichtbar. Wenn man bei uns an weibliche Leader denkt, dann
meistens an Menschen wie Brigitte Ederer von Siemens. Es liegt an uns, auch die neue Generation zu fördern, damit diese Begriffe nicht mehr nur männlich besetzt sind.

Digitalisierung verändert unsere Welt grundlegend. Die Innovationskonferenz DLD Women blickt aus weiblicher Perspektive auf den Wandel und diskutiert neue Chancen und Herausforderungen. Braucht es so eine Konferenz auch in Österreich?

Ja, unbedingt! Ich war bei der DLD Women vor zwei Jahren und sehr begeistert davon. Wir haben definitiv vor, in Zukunft eine ähnliche Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Erst als wir Digitalista gestartet haben, haben wir gemerkt, wie sehr diese Themen auch andere Frauen – und Männer – beschäftigen. Dafür braucht es ein Forum, auch in Österreich.

Die DLD Women zeigt als internationale Innovationskonferenz Frauen, die ihre Chancen erkannt haben und mit dem, was sie tun, Vorbilder sind. Ich war dort und habe österreichische Speakerinnen vermisst. In welchen Bereichen müssen sich Österreichs Frauen noch bewegen? Wo haben sie sehr wohl Vorbildfunktion?

Ich glaube, es gibt vor allem im EPU-Segment sehr erfolgreiche Unternehmerinnen in oder aus Österreich. Da denke ich zum Beispiel an Katja Eiblmayr, die mit LA Star eine Lipgloss-Linie in Los Angeles entwickelt hat, oder Sophie Burian, die Gründerin des Portals thelipstick.net. Es gibt sicher noch viele Beispiele aus anderen Bereichen, nur leider verstecken sich Frauen eher hinter ihrem Erfolg und verkaufen sich nicht als große Innovatoren und Entrepeneurs.

Mit dem Frauen-Netzwerk Digitalista willst du in Österreich etwas bewegen. Was ist dein Anliegen?

Mein bzw. unser Anliegen ist es, besonders Frauen in der Digital-Branche mehr Mut zu verschaffen, und sich eben nicht mehr zu verstecken. Ich habe das Gefühl, Frauen warten immer auf die Erlaubnis für irgendwas – den nächsten Karriereschritt, den Schritt in die Selbständigkeit. Dabei brauchst du nur den Glauben an dich selbst, um etwas zu verändern. Und gerade in technischen und digitalen Berufen ist das einfacher als in anderen Industrien.

Was war der Auslöser für die Gründung von Digitalista?

Als Journalistin habe ich gesehen, dass Frauen sich immer wieder unterschätzen. Interviewanfragen wurden oft mit der Begründung „Darüber weiß ich nicht genug“, abgelehnt, Speakeranfragen mit der Begründung „Ich kann das nicht.“ Da ich in der Branche gut vernetzt bin, weiß ich aber, dass es sehr viele brillante weibliche Köpfe gibt. Und in meiner Position wollte ich das Sprachrohr nutzen, um ihnen mehr Mut und Öffentlichkeit zu bieten. Und die acht Mitgründerinnen haben das ebenso empfunden, weshalb wir uns entschlossen haben, uns professionell zu vernetzen.

Müssen sich Frauen in der Digital-Branche mehr beweisen als Männer, ihre Position klarer vertreten?

Einerseits ja, auf jeden Fall. Gerade Silicon Valley fühlt sich oft als Boys Club an. Letztens habe ich zu einer Freundin, die die gleiche Erfahrung macht, gesagt: „It’s like going to a party you’re not invited to.“ Und als einzige Frau unter hundert Männern wird man leider nicht immer im professionellen Kontext wahrgenommen oder angesprochen.

Auf der anderen Seite ist die Digital-Branche eine sehr frauenfreundliche! Viele männliche Kollegen begrüßen unsere Initiative sehr und sind auch gezielt auf der Suche nach weiblichen Talenten. Die Tech-Branche ist auf jeden Fall fortschrittlicher und offener als andere Branchen.

Der New Yorker Autor John Gerzema ist überzeugt, dass Männer zukünftig beruflich mehr Erfolg haben werden, wenn sie sich manche Verhaltensweisen von Frauen zum Vorbild nehmen. Was meinst du –ist eine solche Denkweise auch unter Männern in Österreich verbreitet?

Darüber habe ich noch nie mit Männern gesprochen, ist aber eine interessante Frage! Österreich ist meines Empfindens nach noch sehr machoid und es würde wohl vielen Männern schwer fallen, „zuzugeben“, weibliche Vorbilder oder Verhaltensweisen anzunehmen. Ich sehe jedoch einen Trend, der sehr weiblich ist: Es wird im Berufsleben immer wichtiger, ein angenehmes Umfeld, Work-Life-Balance und gute Kommunikation zu schaffen. Je mehr Frauen in Führungspositionen sind, desto mehr werden die männlichen und weiblichen Führungsstile sich vermischen.

Frauen sind in der österreichischen Startup-Szene nach wie vor unterrepräsentiert.  Woran liegt das deiner Meinung nach? Was müsste sich ändern?

 Ich habe auch hier das Gefühl, dass Frauen darauf warten, dass ihnen jemand das Ticket in die Startup-Welt in die Hand drückt – zumindest war es bei mir so. Die Community wird von männlichen Leadern beeinflusst, deshalb fühlen sich Frauen wohl weniger angesprochen. Andere weibliche Gründerinnen nehmen sich wahrscheinlich gar nicht als Startup wahr und sind deshalb nicht Teil der Community. Es ist uns definitiv ein Anliegen, dass Frauen in diesem Segment sichtbarer sind und direkter angesprochen werden.

Welche Rahmenbedingungen müssen in Österreich für Frauen dringend geändert werden, um neue Maßstäbe in der Digitalwirtschaft zu setzen?

Ich persönlich bin kein Fan von staatlichen Regulierungen wie Frauen-Quoten oder ähnliches. Meiner Meinung nach scheitert es nicht an den Rahmenbedingungen, sondern an unser aller persönlichen Einstellung und festgefahrenen Gender-Rollen.

 

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