politikeronline.at: Eigener Social Media-Stream für Politiker-Aktivitäten

Ein neues Portal widmet sich verstärkt den Social Media-Aktivitäten heimischer Politiker. Seit gestern können Bürger über politikeronline.at direkt mit Politikern in Kontakt treten. Das soll den Dialog fördern und Transparenz schaffen. Vielleicht auch der Politikverdrossenheit entgegenwirken. 

Das Ergebnis der Recherche ist ernüchternd. In Österreich sind nur rund 20 Prozent der Politiker im Internet aktiv. Das ist viel weniger als in anderen europäischen Ländern. Die heimischen Kandidaten, die ins Parlament wollen, geben häufig nicht einmal ordentliche Lebensläufe an. Ziemlich wenig transparent das Ganze. Wie sollen denn da Bürger Vertrauen in Politiker fassen können und ihre Politikverdrossenheit ablegen? Deshalb wollen das Meinungsforschungsinstitut OGM und das Institut für Strategieanalysen mehr direkten politischen Dialog in Österreich. Dafür haben sie eine Online-Plattform geschaffen, die gestern offiziell an den Start ging. Sie soll dem interessierten Bürger einen Überblick über die Social Media-Aktivitäten der Politiker geben. politikeronline.at heißt die Plattform, die nicht zufällig im Wahlkampf entsteht, erklärt Peter Filzmaier, Mitgründer der Plattform und Leiter vom Institut für Strategieanalysen. Der Wahlkampf sei aber nur eine Startrampe. „politikeronline.at versteht sich nicht als ein Portal, wo die Online-Aktivitäten von Spitzenkandidaten im Wahlkampf im Mittelpunkt stehen sollen, sondern längerfristig geht es um den Dialog von Bürgern und Politikern in den nächsten fünf Jahren. Und zwar auf allen Ebenen: Bundespolitik, Landesebene, Gemeindeebene, aber auch EU-Ebene“, erklärt Politologe Filzmaier. Auch sein Projektpartner Wolfgang Bachmayer, Meinungsforscher und OGM-Chef, bekräftigt gegenüber internetszene.at: “Unser Portal bietet die Möglichkeit, sich online mit Politikern auszutauschen. Durch die Speicherung der Postings, die österreichische Politiker auf Facebook oder Twitter tätigen, ensteht ein komplettes Archiv. Das Potential von politikeronline.at ist enorm.”

„Sprich mit deinem Politiker“

Das Internet werde von den heimischen Politikern noch immer unterschätzt, sagt Filzmaier. “Wir wollen Interessierten eine zentrale Anlaufstelle für Politik im Social Web bieten. Damit hoffen wir, besonders auch junge Menschen zu erreichen und für Politik zu interessieren. Diese sind sehr stark in sozialem Netzwerken unterwegs und nutzen weniger traditionelle Medien oder besuchen weniger klassische Politikveranstaltungen”, erklärt Filzmaier gegenüber internetszene.at. Das Portal politikeronline.at erfasst alle Postings von Politikern auf Facebook oder Twitter übersichtlich. Neben diesem Social Media-Stream können die Politiker-Postings nach Themen, Parteien und Personen gefiltert aufgerufen werden. Die Besucher können so nach Parteien oder Themen suchen, Diskussionen aus verschiedenen Perspektiven verfolgen und mit den Politikern direkt in Kontakt treten. Die Plattformbetreiber bilden den Dialog ab, mischen sich aber nicht ein. „Wir verändern nichts, wir kommentieren nichts, wir moderieren auch nicht. Sondern das, was ohnedies der Politiker oder die Politiker woanders öffentlich gesagt hat, wird bei uns gespiegelt“, sagt Filzmaier.  ”Dieser direkte Draht soll zu einer stärkeren Beschäftigung mit Politik, zu mehr Interesse und zu intensiverer Interaktion einladen, also vor allem die Distanz zwischen den Wählern und ihren Volksvertretern verringern”, so Filzmaier gegenüber internetszene.at. Sein Projektpartner Bachmayer dazu: „Wo ein persönlicher, direkter Kontakt vorhanden ist, wird das Interesse an Politik und auch die Akzeptanz von Politikern immer besser.“

Kein Platz für Fake-Accounts

Derzeit sind es rund 400 Politiker, die im Internet schon präsent sind. Mit Bürgermeistern inklusive könnten es rasch tausende werden, sagt Filzmaier. Dabei versprechen die Plattformbetreiber, jedes Profil auf Plausibilität und Authentizität zu überprüfen. Wenn also ein Posting von einem Politiker oder einer Politikerin erscheint, dann ist es auch von ihm oder ihr. Oder zumindest von der Person, die mit der Pflege des Profils offiziell beauftragt ist.

Die Plattform hat bisher 100.000 Euro gekostet und sei eigenfinanziert worden. Langfristig werde man aber Finanzierung brauchen. Man sei etwa schon mit dem Unterrichts- und Jugendministerium im Gespräch, so Filzmaier. Geld wolle man aber nicht von jedem: „Sponsoren – ganz klares Ja. Jede Form von Geld von politischen Parteien – ganz egal, ob als Projektfinanzierung oder Werbung – ist ein klares Nein und ein No-go.“

 

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