“miavia”: Sektor5-Startup will Trip Advisor und Co. unter Druck setzen

Sollen Geheimtipps für fremde Städte und Länder geheim bleiben? Die Macher von miavia finden, nicht. Ihre Idee ist es, Reiseerfahrungsberichte direkt von den Reisenden abzukaufen und sie als elektronische Hefterl zu verteilen.

miavia-Gruppenfoto/Interview © miavia

Im Sektor5: Bianca Busetti, Chris Papauschek, Anna-Clara Holmberg und Andi Röttl. © miavia/internetszene.at

 

miavia.in steht für “Mein Weg in …” und ist ein neuer Online-Marktplatz zum Kaufen und Verkaufen von Reiseerfahrungsberichten.

Den Drang, seine Reise zu dokumentieren, vespüren Urlauber meist schon aus dem familiären Grund: Auf miavia kann man seine Reiseerfahrung niederschreiben, mit Fotos und Google Maps präzise dokumentieren und sie dann versenden.

Zehn Ausgaben der Erfahrungsschatztruhen darf der Autor verschenken – Mama, Schwester und Onkel können also direkt auf dem miavia-Portal mit- bzw. nachlesen.

Reiseführer-Marktplatz: null bis 20 Euro pro „Box“

Außerdem landen fertige „Reiseboxen“ auf dem miavia-Markt: Für null bis 20 Euro können dann andere miavia-Nutzer den Zugang zu einer „Box“ kaufen – den Preis legt der Autor fest.

Angebot an Boxen ist bereits da und sei voraussichtlich bald im dreistelligen Bereich, meinen die Gründer. Klar ist, dass auch Nachfrage da ist: Geheimtipps und persönliche Erfahrungen haben für andere, gleichgesinnte Reisende bekanntlich sehr hohen Wert.

Voller Reisesektor: „Wir gehen in die Nische“

Außerdem gab es noch niemanden, der Geheimtipps erfolgreich vermarktet oder mit ihnen gehandelt hat: „Der Reisesektor ist überflutet mit Lösungen. Wir gehen in die Nische.“, sagt Andreas Röttl, einer der drei Gründer des Internet-Startups.

„Nur mehr Lonely Planet und der in Deutschland dafür zuständige Verlag können es sich leisten, Guide-Autoren physisch an die jeweiligen Orte zu schicken.“ sagt Andreas Röttl und kontrastiert miavia, wo die Guide-Autoren selbst Urlauber und damit ohnehin schon vor Ort sind. Mit einer Editor-App sollen miavia-Autoren künftig bereits auf der Reise mitschreiben und mitloggen können.

Alleinstellungsmerkmal: Für Reisen länger als 4 Tage

Von anderen Reiseportalen wollen sich Röttl, Busetti und Papauschek im Inhalt unterscheiden: Der Anbieter Everplaces setze auf Städte und biete mehr altbekannte Sehenswürdigkeiten anstatt der „Sachen für dazwischen“, auf die es aber genau ankomme. Bei TouristEye detto. „Mia wissn, wos sie foisch gmocht hom“ sagt Röttl.

Auf Hochdeutsch: Während am einen Ende des Spektrums FourSquare und Yelp für zufällige Moment-Tipps da sind, eignen sich Dienste à la Everplaces und TouristEye für zwei-, dreitägige Städtereisen. „Bei uns geht es um die Reisen, auf denen man länger als vier Tage fort ist.“ sagt Gründerkollegin Bianca Busetti.

Schnittmenge „Lonely Planet“/„Internet“

Trotzdem: Auch für kurze Städtereisen könnten die miavia-Reiseführer mithalten. Eine miavia-„Box“ ist die Schnittmenge zwischen leserlichem Lonely Planet-Layout und den seit dem 21. Jahrhundert erstmals in großem Stil austauschbaren „Geheimtipps“, also persönlichen Erfahrungsberichtchen.

miavia: Busetti, Design

Bianca Busetti stellt die neue Startseite vor: Wie bei lonelyplanet.com wird eine Suche zentrales optisches Element. © internetszene.at

Erste Investition bis Ende Jahr

Auf dem Portal (www.miavia.in) steht zu unterst: „Crafted in Austria with love.“. Als Büro und Adresse nutzt miavia das Teilbüro („coworking space“) Sektor5 in Wien-Margareten. Andreas Röttl zeigt mir das Büro deutet auf einen großen Schreibtisch: „Dort hinten saßen früher MySugr, die Diabetes-App.“

Unweit des Sektor5 ist außerdem eine Niederlassung von Runtastic. Ein kleines Startup-Zentrum in Wien.

Gegründet haben die drei im Juni 2013 nach einem halben Jahr Vorbereitungszeit. Die Rechtsform ist Ltd., was die Internationalisierung von miavia einmal einfacher machen soll. Die Firma Go Ahead führte den Gründungsvorgang durch: “Das ist eine deutsche Firma, die uns da assistiert hat. Ich empfehle die absolut weiter, die waren immer erreichbar und haben das einwandfrei abgewickelt.” erklärt Röttl.

Bis Jahresende will miavia eine erstes Investment erangeln. Der Traum sei es, in einem Accelerator aufgenommen zu werden. Beim Axel Springer Plug&Play Accelerator schaffte es das Team bis in die Vorrunde nach Berlin.

Förderung: AMS-Gründerprogramm

Durch das AMS-Gründerprogramm bezogen die Junggründer 50% ihres letzten Nettogehalts eine Zeitlang weiter, nachdem sie bereits gegründet hatten.

Wien für Silicon Valley verlassen? Jein

Den Schritt nach Silicon Valley oder Boston (wo auch Trip Advisor sitzt) wollen die drei Gründer tun, allerdings nur mit einem Fuß. „Mit einem Bein hierzubleiben wäre gut. Eine Zeitlang rüber wäre aber wertvoll.“, sagt Busetti.

Die Gründer: Andreas (28), Bianca (22), Christian (28)

Das Team fand während eines Onlinekurses der Stanford University zueinander.

Andi Röttl:
- Doppelstudium WU Wien (BWL, Winf), HSG St.Gallen
- Herkunft: Kärnten
- Vor miavia: Infineon Technologies (Klagenfurt und Singapur), icons, Pioneers (Wien; Mitgründer), A1 (Programm Manager Strategy & Planning)

Bianca Busetti:
- Industriedesign (dieAngewandte)
- Herkunft: Kärnten
- Vor miavia: Design Lead (Logicx, Klagenfurt), Freelancerin (u. a. Designerin und Erstellerin des Pioneers Award)

Chris Papauschek:
- Software Engineering und Cognitive Science (TU Wien, Uni Wien)
- Herkunft: Wien
- Vor miavia: Lead Developer RunIT (Wien), Gründer von Spoogle (Spamfilter, eingestellt)

weiters

Anna-Clara Holmberg
(Betreuung der Community)

Stefan Raffeiner
(Programmierung)

Außerdem beschäftigt miavia gerade zwei Zeitpraktikanten.

500Startups: Ergebnis diese Woche

Derzeit erwarten die miavia-Jungunternehmer einen Entscheid des Accelerators und Investitionsprojekts 500Startups.

 

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