Business Angel Hansi Hansmann über Szene, Spaß und Springer

Alle wollen Hansi. Als Geschäftsmann hat er so ziemlich alles erreicht, wovon die meisten Geschäftsmänner nur träumen. Heute ist Johann „Hansi“ Hansmann ein Engel. Mit internetszene.at hat er über seine Arbeit als Business Angel und seine Leidenschaft für Startups gesprochen. Hansi Hansmann erklärt, wo er überall seine Finger im Spiel hat, wieso er so viel Geld in Startups pumpt und ob die Leute vom Axel Springer-Konzern überhaupt Ahnung von der Startup-Mentalität haben.

Es gibt nur wenige Menschen, denen ihr Ruf vorauseilt. Johann „Hansi“ Hansmann ist einer, bei dem das so ist. Österreichs Startups reißen sich um ihn. Fast jedes neue Startup-Projekt in Österreich landet auf seinem Schreibtisch. Ein Grund dafür: Hansi Hansmann ist reich. Sehr reich. Ein weiterer Grund: Hansi Hansmann meint es ernst mit Startups. Sehr ernst. Und Hansi Hansmann ist Mentor. Einer der besten, die du für dich gewinnen kannst.

Andere steinreiche Männer in seinem Alter sammeln Kunst oder Immobilien oder liegen einfach auf einer Megayacht in der karibischen Sonne. Hansi Hansmann interessiert das alles nicht. Ist ihm zu langweilig. Hansi Hansmann fährt lieber Fahrrad. Und dann hat er da noch ein anderes Hobby. Hansi Hansmann ist nämlich verspielt. Am liebsten spielt er mit Startups. „Mit“ im Sinne von „miteinander“, versteht sich. Hansi Hansmann ist schließlich einer von den Guten. Er unterstützt Gründer aufrichtig, teilt ihren Enthusiasmus, zieht mit ihnen gemeinsam an einem Strang und hat Freude am Risiko. Er will wirklich etwas bewegen in der österreichischen Startup-Szene. Und das gelingt ihm. Sehr gut sogar.

Woher das viele Geld für all seine Investitionen in Startups kommt, ist kein Geheimnis: In den 1990er Jahren baute Hansi Hansmann in Spanien die Pharma-Gruppe Alcala Farma auf und verkaufte sie schließlich für rund 50 Millionen Euro. Den Betrag teilte er mit Partnern und zog wieder zurück nach Österreich. So viel zum Millionenvermögen. Aber woher kommt das Feuer, das in ihm lodert? Über seine Leidenschaft für Startups spricht er im Interview mit internetszene.at. Hansi Hansmann erzählt, was er so tut, wieso er es tut und wie die Axel Springer AG überhaupt zu runtastic passt.

 Also, wie ein Engerl sehen Sie eigentlich nicht aus. Trotzdem sind Sie eines. Wie kommt´s?

Schau ich denn wirklich nicht wie ein Engerl aus? Na ja, Engerl bin ich auch vermutlich immer noch keines. Aber mit dem Alter gehen oft eine gewisse Abgeklärtheit und ein höheres Maß an Toleranz und Hilfsbereitschaft einher. Als Business Angel muss man sich oft zurücknehmen. Aber mein Hauptantrieb ist sicher die Freude daran, jungen Menschen dabei zu helfen, etwas Neues aufzubauen, und sie dabei wachsen zu sehen.

Was macht so ein Engel den ganzen Tag? Wie sieht ein ganz normaler Tag im Leben des Hansi Hansmann aus?

Leider „engle“ ich viel mehr als ich ursprünglich wollte.  Wie immer in meinem Leben, wenn mir etwas wirklich Freude bereitet hat, habe ich es ein wenig übertrieben. Derzeit habe ich so viele Startup-Beteiligungen, dass man das schon als operativen Job bezeichnen könnte. Ich bin praktisch immer online und versuche, meinen Foundern wenn notwendig zur Verfügung zu stehen. Mein Tagesablauf: aufstehen, 1-2 Stunden Mails beantworten oder Verträge anschauen, danach 3-5 Termine pro Tag in Wien. Die erledige ich alle mit der U-Bahn. Da kann ich zwischendurch Mails checken. Dann habe ich noch 2-3 Abendtermine pro Woche. Dazwischen Telefonate. Abends zweiter großer Mailcheck beziehungsweise Verträge, also Finanzierungsrunden, Exits und so, durchgehen. Eine Woche pro Monat bin ich in Spanien, Deutschland oder UK. Dort habe ich auch einige Beteiligungen. Und eine Woche im Monat zwischen März und Oktober ist für das Mountainbiken reserviert. Aber auch dabei bin ich fast immer online und 2-3 Stunden pro Tag mit meinen Companies in Kontakt.

Stelle ich mir ziemlich anstrengend vor. Wo nehmen Sie die Kraft her, das durchzuhalten?

*lacht* Keine Ahnung. Ich mache eine Sache nach der anderen und habe die Gabe, mich voll auf das zu konzentrieren, was gerade dringend ist. Ein ausgeglichenes familiäres Umfeld und meine sportlichen Aktivitäten helfen auch. Ich fahre pro Jahr 7000 bis 9000km Mountainbike.

Was genau machen Sie als Business Angel? Und was ist das Engelhafte an Ihrem Job?

Ich helfe den Foundern, ihre Ideen zu verwirklichen. Indem ich mein Netzwerk, meine Erfahrung und mein Geld einbringe. Vor allem durch meine Rolle als Mentor bringe ich mich immer als Team-Mitglied ein. Ab dem Zeitpunkt, wo ich Teilhaber der Company bin, habe ich nahezu identische Ziele mit den Foundern und helfe ihnen dabei, sie zu verwirklichen. Wichtig ist, dass es immer ein Projekt ist. Die Founder sind es, die sich verwirklichen sollen. Ich helfe ihnen bloß dabei. Ich versuche, nicht in erster Linie meine Vorstellungen durchzusetzen, sondern den Foundern zu helfen, ihr Ding zu machen, und vielleicht ab und zu korrigierend zu warnen.

Business Angel – ist das ein Beruf oder Berufung?

Eher eine Berufung. Als Manager und Unternehmer habe ich vieles selber entschieden. Jetzt bin ich viel mehr beratender Mentor. Das habe ich erst lernen müssen. *lacht*

Wann genau und wie haben Sie Ihre Liebe zu Internet-Startups entdeckt? 

Ich habe vor allem in Spanien als Unternehmer etliche Firmen im Pharmabereich gegründet und erfolgreich geführt beziehungsweise verkauft. Danach habe ich in andere Projekte und Firmen investiert. Eher im klassischen Sinn, in Erwartung eines attraktiven Returns. Erst in den letzten paar Jahren habe ich anscheinend unternehmerische Tätigkeit gesucht, ohne dauernd operativ verantwortlich zu sein und das womöglich in unterschiedlichen Branchen. Das geht nur als Business Angel. Als ich die ersten zwei Investments Anfang 2010 (busuu und renesim) gemacht habe, ist mir schnell klar geworden, dass das meine Berufung ist. Dann habe ich halt fast drei Jahre lang im Schnitt alle 6 Wochen ein Startup-Investment getätigt. Die meisten davon im Internet.

Was ist der Unterscheid zwischen Business Angels und Venture Capitalists(VCs)?

Als Business Angel ist der Kontakt zu den Gründern und Mitarbeitern viel persönlicher und intensiver. Ich sehe mich wie gesagt als Teil des Teams, das gemeinsam den Erfolg sucht. Dort, wo notwendig, bringe ich dazu auch einen VC als Teilhaber ins Boot. Diese Verhandlungen übernehme meistens ich. Ich bin auch nicht ROI-fixiert. Ich glaube daran, dass unternehmerische Tätigkeit mit den richtigen Partnern und einem halbwegs normalen Business Case stets zum Erfolg führt. Diesen muss ich aber nicht unbedingt auf Kosten der Founder maximieren.

Wie helfen Sie den Unternehmen konkret, auf eigenen Beinen zu stehen? Wo genau haben Sie bei Startups Ihre Finger im Spiel?

Bei Seedfinanzierung und vernünftigen Planung der Ressourcen. Dabei ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Foundern zu halten. Dabei schwere Fehler zu verhindern versuchen. Beim Abhalten von gegen die Wand rennen. Und beim Runterholen nach Jubelmeldungen. Bei Anschlussfinanzierungen, bei der zeitlichen und emotionalen Entlastung der Founder, bei der Suche der richtigen Partner. Und bei Exitverhandlungen, so die Founder das wünschen. Einfach bei allem, was man in meinem Alter mit 60 plus schon gelernt hat und mit 30 Jahren noch nicht weiß.

Welche Projekte unterstützen Sie? Und warum?

Meine Startups: busuu, runtastic, renesim, ijoule, durchblicker, diagnosia, aeskulapp, pioneers, mysugr, watchfit, whatchado, vamida, kochabo, tractive, iyzico, couchcommerce, bliphead, shpock, dreamups, mediclass, northcote. Und noch ein paar kleine in Spanien, Deutschland und UK. Außerdem bin ich für die Austrian Angel Investors Association (AAIA) aktiv. Politisch unterstütze ich NEOS . Mir gefällt die klare, direkte und unverbrauchte Art, wie die Leute Probleme angehen. Außerdem: Es ist an der Zeit. Sonstige Projekte, die ich unterstütze, sind respekt.net und ein paar Projekte von Leuten, die ich mag.

Zu runtastic und dem Deal mit dem Axel Springer-Konzern: Wieso sind Sie eigentlich als einziger Business Angel noch bei runtastic dabei, während alle anderen ausgestiegen sind?

Ich wollte, Springer wollte und die vier Founder wollten, dass ich dabei bleibe. Wir haben uns in den Verhandlungen sehr gut als Team bewährt.

Und was wird sich mit dem Einstieg von Springer für runtastic jetzt ändern? Also, mal ganz ehrlich: Versteht Springer die Startup-Mentalität überhaupt?

Springer versteht diese Mentalität sehr gut. Der Konzern macht ja schon knapp 40% mit adquiriertem Digitalumsatz. Genau deshalb wird sich gar nichts ändern. Die werden die Gründer und ihr Team genau das machen lassen, was sie bisher gemacht haben, und werden sich hüten, das zu ändern. *lacht*

Wie passt Springer zu runtastic?

Einen großen Partner mit enormer Medienkraft und Riesennetzwerk zu haben, ist immer gut.

Bauchgefühl oder Zahlenmensch? Wie treffen Sie Ihre Entscheidungen?

Von meinem beruflichen Hintergrund her bin ich absoluter Zahlenmensch. Die Entscheidung, in welches Startup ich investiere, ist aber immer eine Bauchentscheidung. Es ist ja eine Entscheidung für bestimmte Personen.

Woher nehmen Sie die Sicherheit, mit Ihren Entscheidungen das Richtige zu tun? Oder zweifeln Sie auch manchmal?

Nein, eigentlich nie. Ich entscheide sehr schnell und revidiere selten.

Wie viel investieren Sie denn durchschnittlich?

200.000 bis 500.000 Euro. In Einzelfällen auch mehr, je nach Kapitalbedarf, Anteil und Unternehmensphase. 

Weshalb investieren Sie Ihr Vermögen ausgerechnet in Startups? Wieso nicht Kunst sammeln oder Immobilien? Oder sich an der Börse austoben. Oder sich einfach in der Karibik die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Sie hätten doch alle Möglichkeiten.

Kunst sammeln hat mich nie interessiert. Immobilien sind langweilig. An der Börse hab ich meist Geld verloren und fast nie gewusst, warum. Reisen tue ich nicht gerne. Investments in die richtige Mischung aus leidenschaftlichem Founderteam und innovativer Idee sind spannender als alles andere. Sollte ich dabei mein Geld verlieren, weiß ich zumindest immer, warum.

Was reizt Sie an der Arbeit mit Startups?

Etwas Neues zu schaffen, was es vorher so nicht gegeben hat. Und das zusammen mit Menschen, die ich mag. Der Weg ist das Ziel, auch wenn es abgedroschen klingen mag.

Ist das Risiko bei der ganzen Sache ein besonderer Kick?

Ich spiele sehr gerne und ich gewinne sehr gerne. Oder anders ausgedrückt: Ich hasse es zu verlieren. Ein Startup ist so gesehen ein Spiel, das man nach den Regeln des Marktes spielt. Man gewinnt, wenn man positiven Cashflow erreicht, der das Investment übersteigt, oder auch durch einen Exit an jemanden, der mehr bezahlt als investiert worden ist. Ich bin nicht in erster Linie an Geld interessiert, aber indirekt spielt das über das Gewinnen natürlich eine Rolle. Aufgeben fällt mir dabei unglaublich schwer.

Startups schießen ja wie Pilze aus dem Boden. Wie wählen Sie die Unternehmen aus, die Sie unterstützen?

Ausschließlich nach den handelnden Personen. Ich muss sie mögen und das Gefühl haben, dass sie mich mögen. Und sie müssen natürlich auch professionell die richtigen Eigenschaften mitbringen: Zumindest einer sollte auch leidenschaftlicher Unternehmer sein. Das Projekt selber sollte sexy sein –  also etwas Besonderes, Innovatives, das mich emotional anspricht und wo ich mit Hausverstand verstehen kann, welches Problem gelöst wird.

Woran erkennen Sie, dass ein Startup eine ernsthafte Chance hat, zu bestehen?

Wenn die Founder die ersten großen Frustrationen, die immer kommen, weggesteckt haben und trotzdem an einem Strang ziehen und unbeirrbar den Erfolg suchen.

Was zeichnet für Sie einen guten Gründer aus?

Leidenschaft, Persönlichkeit, Leidensfähigkeit, Durchhaltevermögen, Hausverstand.

Woran liegt es, dass so viele Startups scheitern?

Ein großer Teil der (auch potentiell guten) Startups scheitert entweder daran, dass Founder sich zerkrachen. Oder sie scheitern an mangelnder Liquidität, weil Zeit und Aufwand für die Suche nach Geld meist unterschätzt werden.

Fehlt es in Österreich generell an Risikolust?

Natürlich fehlt es daran. Es gibt genügend Geld in Österreich. Leider ist das meiste davon in Stiftungen geparkt und so dem innovativen Wirtschaftskreislauf entzogen. Es wäre aber so unglaublich wichtig, mehr Geld – und zwar viel, viel mehr – für Startups und damit für Innovation zur Verfügung zu haben. Das ist wohl Österreichs und Europas einzige Chance zum Überleben. Das wird leider von der Politik absolut nicht erkannt. Es gibt bloß Alibi-Lösungsansätze.

Was halten Sie von Crowdfunding?

Gute Sache mit Zukunft. Wird aber nicht für alle Projekte anwendbar sein.

Wieso nicht? Wo sehen Sie Probleme beziehungsweise Schranken?

Meiner Meinung nach haben Business Angels eine unverzichtbare Aufgabe in vielen Startups zu erfüllen, die durch Crowdfunding nicht abgedeckt werden können. Eben die Rolle als Mentor, das Netzwerk und das Know-how.

Es tut sich ja einiges in der österreichischen Angel-Szene. Die AAIA und das Business Angel Institute, das jetzt auch Angel-Ausbildungen anbietet, setzen Lebenszeichen. Aber warum hat das so lange gedauert?

Die Österreicher sind generell nicht die schnellsten. Durch private Initiative von guten Leuten ist in den letzten Jahren so etwas Ähnliches wie ein Ekosystem hier entstanden. Die „Motoren“ sind zum Beispiel startup live, pioneers, Andreas Tschas und Jürgen Furian, Selma Prodanovich, Markus Wagner, Oliver Holle und vielleicht auch ich. Politisch gibt es leider zu wenig Unterstützung, weil die Wichtigkeit des Themas noch nicht erkannt wurde. Man müsste viel mehr Geld da reinpumpen, solange es noch welches gibt.

Was muss sich in Österreich noch ändern, damit die Arbeit von Business Angels weiter gestärkt wird?

Steuerliche Anreize müssen geschaffen werden, die privates Geld zu Startups bringen. Da sind wir in Europa leider ziemlich weit hinten. Auf der AAIA-Webseite haben wir einen Forderungskatalog entwickelt und veröffentlicht, was alles passieren sollte.

Und wie könnte Ihrer Meinung nach generell ein breiteres Bewusstsein für Startups und Business Angels in Österreich geschaffen werden?

Der Bundeskanzler, der Finanzminister und der Wirtschaftsminister sollten regelmäßig als Zugpferd für Startups und Innovation auftreten. So wie ihnen das Politiker aus anderen Ländern vorzeigen. Es sollte in sein, in Startups zu investieren. Und ein paar Basisregeln gehören wohl einfach geändert.

Wie sehen Sie die österreichische Startup-Szene? Warum ist sie Ihnen wichtig?

Ich habe 20 Jahre im Ausland gelebt – in Deutschland, Spanien und UK. Nach meiner Rückkehr habe ich Wien und Österreich noch mehr als attraktiven Ort schätzen gelernt. Ich lebe hier. Meine Familie und meine Freunde leben auch hier. Daher will ich, dass Österreich in jeder Beziehung auch attraktiv bleibt. Und außerdem ist es unsere Überlebenschance gegen Konkurrenz aus Asien und Südamerika. Viel mehr Leute, die immer besser ausgebildet sind und für weniger Geld mehr arbeiten – da haben wir wenig Chancen, wenn wir nicht innovativ sind. Die Szene ist gut, pioneers trägt unglaublich viel dazu bei. Aber es ist eine private Initiative, deren Wichtigkeit für den österreichischen Wirtschaftsstandort leider noch immer nicht „da oben“ entsprechend wahrgenommen wird.

Was meinen Sie: Wieso versuchen so viele österreichische Gründer mit ihren Ideen lieber im Ausland ihr Glück?

So viele sind das gar nicht, glaube ich. Vermutlich glauben sie, dass man dort schneller zu Finanzierung kommt. Man kann aber erfolgreiche, internationale Startups auch in Österreich gründen und von hier aus führen, siehe runtastic.

Haben Sie derzeit neue Investitionen geplant?

Seit einem Jahr habe ich mir selber einen Investment-Stopp verordnet, weil ich mit meinen Kapazitäten am Anschlag bin. Irgendwie habe ich in diesem Jahr aber trotzdem 6 Investments getätigt. Im Ernst: Derzeit tue ich das nur mehr in sehr speziellen Ausnahmefällen, die sich meistens aus meinen bestehenden Startups ergeben. Fazit: It is good to be a business angel !

 

 

Keine Kommentare.

Stellung nehmen