Bilanz des Web Summit Dublin: Sechs Startups im Vergleich

Der WebSummit Dublin bot 2013 eine Plattform für über 2.500 Startups. Guntram Bechtold stellt 6 interessante Projekte kurz vor. Die Analyse gibt einen Eindruck für den aktuellen Startup-Zeitgeist, gespickt mit interessanten Fakten und Ideen.

Jedes Venture wurde anhand der folgenden Gesichtspunkte betrachtet:

  1. Konzept: Kurze Beschreibung des Services.
  2. Traffic: Wie kommen die Nutzer zur App?
  3. Vertrieb: Woher kommen die Kunden?
  4. Content: Wer kümmert sich um die Inhalte?
  5. Monetarisierung: Woher kommt der Umsatz?
  6. Status: Was steht als nächstes an?

 1.     EatStreet.com – Marketing für Restaurants

Online-Buchung, Restaurant-Website mit mobiler App als SAAS-Service aus den USA

Konzept: Ein Restaurantbetreiber bekommt einen kostenlosen Website-Baukasten, bei Bedarf inklusive eigener App, beides jeweils kostenlos und ohne Installationsgebühren.
Die Bezahlung geschieht mittels Umsatzprovision. Eatstreet ist vergleichbar zu Lieferando oder Pizza.de

User-Traffic: Die Restaurantbetreiber machen selbst Werbung für ihre Website.

Vertrieb: Um neue Plattform-Kunden zu bekommen hat das Team von Eat-Street zwei Strategien:

1. Ein Inhouse-Team macht Telefonanrufe bei potenziellen Kunden. Im Erstgespräch wird das Produkt und der damit verbundene Nutzen skizziert. Da die Nutzung kostenlos ist und nur bei Erfolg eine Provision fällig wird, sind viele Restaurants zum Test bereit.

2. Strategie: Eatstreet heuert lokale Produkt-Verkäufer an. Diese besuchen die Restaurantbesitzer vor Ort und präsentieren das Angebot der Plattform.

Da Verkäufe im Restaurant selbst für die Plattformbetreiber nicht messbar sind, müssen sie sich auf die Provisionen aus dem Onlineverkauf beschränken.

Zur Motivation der Restaurantbetreiber bekommt jeder Kunde einen direkten Ansprechpartner bei Eatstreet. Dieser Ansprechpartner kontaktiert die Betreiber regelmäßig per E-Mail und via Telefon, informiert sie über neue Funktionen, Aktionen und Ideen um mehr Geschäft mit Hilfe der Plattform zu machen.

Content: Eatstreet erwartet von den Restaurantbetreibern, dass sie ihre Website selbst pflegen und Angebote, Preislisten und Informationen einstellen.

Das Eatstreet-Team hat bis heute gut 2.000 Restaurants in Städten zwischen 500.000 bis 1 Mio. Einwohner. Die Kunden von Eatstreet sind über die gesamte USA verteilt.

Monetarisierung: Bei jeder Buchung über  Eatstreet (durch die Plattform, die Restaurant-Website oder die Mobile-App) wird für den Service von Eatstreet eine Provision von 10% abgezogen.

Status: Seeding und Series A sind bei Eatstreet erfolgreich abgeschlossen, die Gründer suchen nun nach einem Series B Ticket in der Größe von 7-10 Mio. US Dollar.

http://eatstreet.com/

2.     Moodyo: Social Shopping Plattform

Das portugiesische Team von Moodyo zeigte eine Social Shopping Plattform im Seeding-Status.

Konzept: Look and Feel sind stark mit Pinterest vergleichbar, die gesamte Plattform ist hat aber schon jetzt ein Werbevertriebsmodell, das seinen Kunden (Onlineshops) Traffic und Statistiken liefern soll.

Für Leser gibt es zusätzlich ein “Lead-User”-Modell: Aktive Blogger präsentieren ihre Lieblingsprodukte. Trendsetter können so ihre Position manifestieren.

Jeder registrierte User kann ein Produkt nicht nur “pinnen”, sondern immer drei Aktionen ausführen: “I like”, “I want”, “I have” – und somit sein Profil zusätzlich anreichern.

Traffic: Neue Leser sollen durch die Integration in bestehende Social Networks, jeweils durch “Notifications” und “Profildaten-Imports” gewonnen werden.

Vertrieb: Marketing und Vertrieb geschieht durch direkten Kontakt mit interessierten Shops.

Content: Die Inhalte werden von mehreren Plattformen gecrawlt. Amazon und Ebay sind  Hauptquellen, aber auch andere Shops dienen als Datenlieferanten.

Monetarisierung: Affiliate-Provisionen, direkt vereinbarte Provisionen sowie statische Daten über Nutzer die ein Produkt mögen, wollen oder haben.

Status: Bootstrapped und auf der Suche nach Funding.

https://www.moodyo.com/en

3.     Trashout

Illegale Mülldeponien melden

Konzept: Nutzer können mit der Mobile-App illegale Mülldeponien melden.

Traffic: Durch das attraktive Design der App wurde “Trashout” im internationalen Windows App Market aktuell gefeaturet. Derzeit kommen somit täglich etwa 1.000 neue Nutzer zur Plattform hinzu.

Vertrieb: Die Plattformbetreiber kontaktieren lokale Behörden direkt.

Content: Nutzer erstellen aus Verärgerung den Content selbst.

Monetarisierung: Die Echtzeit-Daten sollen an Entsorgungsunternehmen und Behörden verkauft werden.

Status: Die App hat derzeit etwa 30.000 Nutzer weltweit. Es gibt eine Web-Plattform die von mehreren Apps (iOS, Android und Windows) mit Content befüllt werden. Das slowakische Team von Trashout ist auf der Suche nach Seed-Funding.

http://www.trashout.me/

4.     Monkeybox.com

Online Passwortmanager mit Zugriffsgruppen.

Konzept: Der Online Passwortmanager mit Zugriffsgruppierung ist eine SAAS-Anwendung für Kreativagenturen, Softwareentwickler und Marketingabteilungen.

Traffic: Mit einer gut umgesetzten PR-Kampagne konnte die Firma sofort zum Beta-Start einige Wellen in der lokalen Presse von Vancouver schlagen. Ein großer Zeitungsartikel machte die App sofort bekannt. Zusätzlich wurde der Beta-Launch passend zum Web Summit getimet. Mit Twitter-Posts im Zusammenhang mit dem Web Summit-Event wurde zusätzliche Aufmerksamkeit geschaffen.

Vertrieb: Die Zielgruppen sollen durch PR-Maßnahmen angesprochen werden. Das Gründerteam ist eine PR-Agentur.

Content: Die Nutzer tragen die Inhalte selbst ein. Die Inhalte sind stark verschlüsselt und können bestimmten Benutzern wie Kunden oder Partnern zugänglich gemacht werden.

Monetarisierung: Je nach Anzahl der verwalteten Kunden gibt es passende Produkt-Pakete. Einsteiger können die Software 30 Tage kostenlos testen, zahlen danach 25 US-Dollar für bis zu 25 Kunden. Die nächste Stufe mit weiteren Accounts kosten dann bis zu 75-US Dollar pro Monat.

Status: Going Live im Herbst 2013. 200 Betatester im Vorfeld. In der ersten Nacht am WebSummit haben sich 35 Personen registriert.

5.     Trekksoft

Airbnb für Tourguides.

Konzept: Trekksoft ist vergleichbar mit AirBnb für Tourismustouren. Tourguides können ihre buchbaren Angebote mit Trekksoft präsentieren und verwalten. Reiseveranstalter können über die Plattform den aktuellen Buchungsstatus transparent einsehen und Touren direkt buchen.

Traffic: Guides bewerben ihre Website selbst. Über die Buchungsplattform kommen zusätzliche Buchungen herein. Die Software bietet den Guides eine Google Adwords-Einbindung.

Vertrieb: Region für Region werden direkte Kontakte mit Guides hergestellt.

Content: Die Tourguides erstellen und verwalten ihre Inhalte selbst. Zusätzlich können die Tour-Anbieter ihre Angebote mit befreundeten Anbietern cross-promoten.

Monetarisierung: Der Plattformanbieter erhält eine Umsatzprovision für den geleisteten Service.

Status: Derzeit sind auf Trekksoft 3.500 Touren aus der ganzen Welt gelistet. Mit über 715.000 Buchungen und etwa 8 Mio. Transaktionen bringt die Plattform für ihren Nutzer einen messbaren Mehrwert.

6.     Meetey.com

Social Network für lokale Services und Angebote in Städten.

Konzept: Das in Tel Aviv gestartete Social Network bietet Nutzern die Möglichkeit, kleine Service-Dienstleistungen regional zu präsentieren und anzubieten.

Traffic: Das Netzwerk wurde durch Guerillia-Marketing-Maßnahmen in Tel Aviv und Jerusalem beworben. Das Angebot wird gut angenommen, sodass aktuell über 200.000 Nutzer die Plattform nutzen. Als Schutzmaßnahme für die Nutzer werden die Angebote aber nicht ganz exakt geortet, sondern sind jeweils geographisch leicht verschoben dargestellt.

Vertrieb: Durch virales Wachstum verbreitet sich das Netzwerk von selbst. Nutzer laden weitere Nutzer ein.

Content: Die Meety User erstellen ihre Angebote über die Plattform selbst, können Geschichten, Schnäppchen oder Dating-Anfragen posten.

Monetarisierung: Eine umsatzbezogene Provison wird vom Plattformbetreiber für die Nutzung erhoben.

Status: Die Gründer von Meetey suchen derzeit Investoren. Sie suchen nach einer Series A-Runde

http://meetey.com/

 

Der Gastartikel kommt von Guntram Bechtold. Der Industrial Designer hat sich auf Software und -Projektmanagement sowie Onlinemarketing spezialisiert. Er lebt in Dornbirn.

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