Die Macher des Pioneers Festival im Interview: „Startup-Szene muss Chefsache werden“

Sie haben eine Vision: Österreich soll  peu à peu ein immer besserer Ort für Gründer werden. Sie sind maßgebliche Treiber in der österreichischen Startup-Szene. Dass die Szene in letzter Zeit eine so positive Entwicklung genommen hat, geht zu großen Teilen auf ihr Konto. Andreas Tschas und Jürgen Furian beleben die Szene und bringen mit dem Pioneers Festival Gründeraugen zum Leuchten. Ende Oktober 2013 waren 2.500 nationale und internationale Gründer, Investoren, renommierte Speaker und Startups zu Gast in der Wiener Hofburg. Im Gespräch mit internetszene.at blicken die Organisatoren zurück auf die beiden Festivaltage und erklären, was an Österreichs Startupszene für sie besser als in London oder Berlin ist und was einfach nur nervt.

Ende Oktober hat sich die österreichische Startup-Szene am Pioneers Festival in der Wiener Hofburg gefeiert. Euer Resümee?

Andreas Tschas: Wir sind alle sehr zufrieden und stolz auf das Event. Das Feedback der Teilnehmer war echt toll und vor allem motivierend. Es zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Was nehmt ihr Neues vom diesjährigen Pioneers Festival mit? 

Jürgen Furian: Inspiration, Begeisterung, Motivation, viele Ideen und Verbesserungspotential für das nächste Jahr.

„Wien hat sich als Hub für mitteleuropäische Startups etabliert.“ Kann man das jetzt endlich sagen, ohne dafür schief angeschaut zu werden?

Andreas Tschas: Wien befindet sich auf einem guten Weg, allerdings ist das Ziel noch nicht erreicht. Wir sind dran – Tag für Tag, Schritt für Schritt.

Geografisch gesehen hat Wien eine spannende Lage als Drehscheibe zwischen West- und Osteuropa. Wie kann dieses Potential in Zukunft ausgeschöpft werden? Und was ist in Wien besser als in Berlin oder London?

Andreas Tschas: Wien hat viel Potential aber auch noch viel vor sich. Wir sehen Wien aufgrund der geografischen Lage auch als sehr interessant an. Wenn wir uns mit den vielen motivierten Talenten aus der CEE-Region weiter gut vernetzen können und wir weiter an besseren Rahmenbedingungen für Gründer arbeiten, dann hat Wien viel Potential. Durch das Pioneers Festival können sich viele internationale Leute überzeugen, warum Wien die lebenswerteste Stadt ist und, dass sich hier mittlerweile auch in der Startupszene etwas tut. Darauf müssen wir aufbauen. Viele Startups gehen nach London und Berlin in der Hoffnung, dort eine Finanzierung zu finden. In Österreich hingegen kann man für die erste Phase des Startups Geld aufstellen, bei der Anschlussfinanzierung sieht es dann schon anderes aus.

Wien hat beeindruckt, aber Dublin war wohl auch nicht schlecht. Wie hat es sich für das Pioneers Festival ausgewirkt, dass das Web Summit zeitgleich als Konkurrenz-Veranstaltung für Europas Tech- und Startup-Szene stattfand?

Jürgen Furian: Dass beide Events zum selben Zeitpunkt stattfanden, war vor allem für die Besucher bedauerlich. Wir haben von vielen gehört, dass sie gerne beide Events besucht hätten. Im Vergleich zu Dublin verfolgenden wir eine andere Philosophie. Wir waren heuer ausverkauft und hatten 2.500 Teilnehmer. Wir glauben, dass das eine Anzahl an Teilnehmern ist, bei der man sich noch gut austauschen kann und auch mit Speakern sprechen kann. Denn wir wollen weniger einen Messecharakter haben, sondern setzen auf gute Stimmung und eine inspirierende Atmosphäre.


Wie grenzt sich das Pioneers Festival von anderen Web-Konferenzen ab? 

Andreas Tschas: Das Pioneers Festival geht einen Schritt weiter als die “klassische” Web- und Mobile-Konferenz, indem wir den Fokus auf innovative Zukunftstechnologien und deren Bedeutung richten. Wir sind überzeugt davon, dass diese Innovationen und der Austausch damit, viele Menschen befähigt, selbst innovativ zu werden und eigene Unternehmen zu gründen. Noch nie in der Geschichte hatte ein Individuum solche Möglichkeiten wie heute. Der Zugang zu Informationen und zu Technologien wie zum Beispiel 3D-Printing oder künstlicher Intelligenz bietet für jedes Individuum ganz neue Horizonte. Wir wollen der Menschheit zeigen, was alles möglich ist, und wollen mittels Unternehmertum und Technologie die Welt ein Stück besser machen.

Was war heuer euer persönliches Highlight?

Andreas Tschas: Die vibrierende Atmosphäre und die Aufbruchsstimmung!

Und was ging so richtig daneben?

Jürgen Furian: Unsere App muss im nächsten Jahr besser funktionieren. Sich online zu vernetzen und Treffen auszumachen, ist ein sehr wichtiger Faktor und muss im nächsten Jahr besser möglich sein.

Letztes Jahr war das Pioneers Festival finanziell nicht ganz so erfolgreich. Und heuer?

Andreas Tschas: Besser. Wir würden unseren Mitarbeitern dennoch gerne marktadäquate Gehälter zahlen. Das können wir nach wie vor noch nicht. Wenn wir nicht so einen tollen Teamspirit hätten und die Mitarbeiter nicht so von unserer großen Vision überzeugt wären, wäre es sehr, sehr schwierig.

In welchen Bereichen hat sich die österreichische Startup-Szene im Vergleich zum Vorjahr verändert?

Jürgen Furian: Die Szene wird kontinuierlich größer und  aktiver. Und die Community wird immer stärker. Beides Entwicklungen, die wir natürlich sehr gerne sehen und auch extrem unterstützen.

Was sind aktuell die aufregendsten Startups in Österreich?

Andreas Tschas: Symptoma, Blue Danube Robotics und  LineMetrics.

Andreas, ich muss dir noch ein Kompliment machen: Am zweiten Festivaltag warst du mit deinem Kostüm der mit Abstand schönste Mann in der Hofburg. Gibt´s eine Erklärung für He-Man? 

v. l. n. r.: Jürgen Furian, Hansi Hansmann, Andreas Tschas

Andreas Tschas: He-Man ist das Idol meiner Kindheit. Ich habe lange überlegt und bin froh, diese Wahl getroffen zu haben.

Wie wird das Pioneers Festival nächstes Jahr aussehen?

Jürgen Furian: Wir werden wieder eins draufsetzen.

Was genau ist eigentlich eure Mission mit Pioneers?

Andreas Tschas: Wir wollen Menschen inspirieren, vernetzen und befähigen, die großen Herausforderungen der Menschheit zu bewältigen.Wir sind überzeugt, dass man mit Kreativität und Technologie viele dieser Herausforderungen bewältigen kann. Wir zeigen den Leuten und Unternehmen nur, dass es möglich ist und bringen die nächste Generation von Pionieren hervor. Mehr ist es dann auch schon nicht.

Wie kann es gelingen, dass jeder bei den Schlagworten „Startups“ und „Europa“ sofort Österreich am Schirm hat? Wie kann Österreich zu einem Hub werden?

Jürgen Furian: Da muss vieles zusammenspielen und vor allem von der Politik müssen noch mehr Akzente gesetzt werden. Es passiert schon einiges, aber wenn man es mit anderen Ländern vergleicht: Dort ist das Startup-Thema vor allem politisch Chefsache. Das ist es bei uns definitiv noch nicht. Wenn man zum Beispiel nach US, Irland, Estland, Frankreich, Großbritannien oder Finnland schaut, wurde dort von oberster Stelle die Relevanz von Startups für zukünftiges Wachstum, Innovation und zukünftige Arbeitsplätze erkannt. Bei großen Veranstaltungen spricht entweder der Präsident und/oder der Kanzler. Der höchste politische Vertreter am Pioneers Festival in der Hofburg war die amerikanische Botschafterin.

Was ist an Österreichs Startup-Szene einzigartig?

Andreas Tschas: Ich sehe einen sehr starken Zusammenhalt in der Community und eine Kultur der Offenheit, des Austauschs und des gegenseitigen Unterstützens. Alles kombiniert mit einer großen Portion Idealismus, Optimismus und Schmerzbefreitheit.

Was nervt dich an der österreichischen Startup-Szene am meisten, Jürgen?

Jürgen Furian: Dass Gründer keine zweite Chance bekommen! Dabei ist es gerade für Gründer so wichtig, Fehler machen zu dürfen und daraus lernen zu können.

Was war bisher dein größter Fehler als Pioneer? Und wie hast du daraus gelernt?

Jürgen Furian: Da gibt es so viele und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Aber jeder war es Wert und wir versuchen, aus jedem zu lernen.

Und was fehlt in Österreich noch, das die Szene aber bereichern würde?

Jürgen Furian: Die kritische Masse fehlt und dadurch die Akzeptanz in der Bevölkerung und Politik.

Österreich ist nicht gerade bekannt dafür, dass es schnell auf Veränderungen reagiert. Inwiefern spürt man trotzdem den Puls der Hightech-/Internet-Branche? Meint ihr, Gründen wird in Österreich immer mehr zur Karriere-Option?

Andreas Tschas: Österreich als Nation betrachtet ist wahrscheinlich tendenziell nicht gerade ein early adopter. Allerdings sehe ich gerade bei der jungen Generation große Veränderungen und ich habe keine Bedenken, dass Gründen verstärkt zur Karriere-Option wird. Für uns beide war es eine Option, die wir nie bereut haben. Mittlerweile stellen wir in unserem Umfeld und Freundeskreis immer mehr fest, dass es für immer mehr eine Option wird. Meine Schwester studiert auf der WU und auch von ihr höre ich, dass dort immer mehr Leute Ideen haben und diese umsetzen wollen. Als ich noch auf der WU war, war das nicht so.

Andreas, du sprichst dich auch immer wieder dafür aus, dass die Politik die Startup-Szene endlich hören und sehen soll. Was erwartest du dir von der nächsten Bundesregierung?

Andreas Tschas: Das Thema Startups muss Chefsache werden.

 

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