Interview mit Thomas Arnitz: Der Weg vom Long Tail zu Styria

In Österreich gibt es 2200 Fußballvereine mit über einer halben Million registrierten Spielern und Funktionären. Je weiter unten auf der Professionalitätsskala ein Spiel ist, umso weniger Medieninteresse gibt es. Thomas Arnitz, GF und Mitgründer von ligaportal.at, erklärt uns im Interview sein Geschäft.

Interview mit Thomas Arnitz von ligaportal.at

Foto © lattner.cc/Montage internetszene.at

 

Ligaportal.at deckt alle 220 österreichischen Fußballligen mit Berichterstattung ab – Stichwort: Long Tail. Das Internetportal ist ein weiterer Beweis dafür, dass spätestens seit dem Einzug des Internets in die Konsumlandschaft Geschäftsideen mit dem “kleinen, aber vielen Content” Erfolg haben können.

Wir haben mit Thomas Arnitz, einem beiden ligaportal.at-Gründer und geschäftsführenden Gesellschafter des Internetstartups gesprochen.

Gründung nach Liga-Abstieg

Arnitz brachte sowohl den Fußball-, als auch den Unternehmerhintergrund mit in das Projekt ligaportal.at, das er 2007 mit seinem Studienkollegen und heutigen Technikchef Michael Lattner gründete. Er spielte selbst beim Mitte-Regionalligisten Vöcklabruck und stieg 2007, dem Zeitpunkt der Gründung, in die OÖ-Liga (Landesliga Oberösterreich) ab. Zur selben Zeit studierte er in Linz auf Wirtschaftsinformatik-Diplom, das er 2009 vollendete. Wirtschaft und Informatik stellte sich als gute Kombination heraus. Für die Technik bei ligaportal.at sieht sich allerdings Mitgründer Michael Lattner zuständig: “Wir sind am 1. Studientag nebeneinandergesessen” sagt Arnitz über seinen Geschäftsführerkollegen Kollegen, der “gut in Grafik und Programmieren” ist. Beide sind heute eng befreundet.

Abdeckung der kleinen Spiele

“Ich mache das Business Development, alles was man sieht kommt eigentlich aus meinem Kopf, Latti setzt das dann grafisch um” sagt Arnitz. Man sieht viel: Das Portal ist Datenbank für Spieler, ihre Mannschaften und deren Begegnungen. Zu einem Fußballspiel gibt es die Eckdaten der Mannschaften, die Torfolge mit Endresultat und einen Expertentipp im Vorhinein. Fotomaterial dafür nur vereinzelt.

Das Ziel, jedes Fußballmatch in Österreich abzudecken, geht – mit viel Personal: Wir sind 15 Vollzeitmitarbeiter und 85 Teilzeit-, alle über Österreich verstreut. In St. Florian [wo ich bin] ist kaum jemand, die 15 treffen sich immer wieder in Person, alles weitere kommunizieren wir über Skype und E-Mail. Was Arnitz noch nicht angesprochen hat: “Tausende” freiwillige Fans, die die Inhalte ihrer lokalen Spiele liefern.

Dazu hat Arnitz bei seinem guten Freund Florian Gschwandtner eine App bestellt: “Runtastic hat unsere iPhone-App programmiert.” sagt er. Mit dieser Ticker-App sowie der Version für Android können Fans Spiele in Echtzeit auf ligaportal.at bringen oder eben neudeutsch live-tickern. Für den nutzererstellten Inhalt, der ligaportal.at zu einem großen Teil ausmacht, belohnt Arnitz seine Fans mit Bonuspunkten, die sie auf dem Portal in Admiral-Wettguthaben oder eine ligaportal.at-VIP-Mitgliedschaft eintauschen können.

VIP-Mitglieder haben Zugang zu eine einer Testspielbörse, die kleinen Vereinen den Suchaufwand für Spielgegner erleichtert.

Über die App, aus der man nicht nur Information holen sondern auch welche in sie einspeisen kann, ist Arnitz sichtlich froh: “Unsere App ist revolutionär in Europa. Das hat es vorher noch nirgends gegeben. Eine derart hohe Abdeckung via Live-Ticker hat es im Amateurbereich vorher noch nirgends gegeben.” Die App wurde bis heute 150.000 mal heruntergeladen.

noeliga.at, steirerliga.at, kaerntnerliga.at, unterhaus.at wurden ligaportal.at

Weil es sonst langweilig wäre kam auch bei ligaportal.at alles ein bisschen anders, als geplant. Nach ersten Sponsoren 2009 (Urlaub in Niederösterreich) schossen Arnitz und Lattner das Portal noeliga.at online. 2010 folgte steirerliga.at, dann kaerntnerliga.at im Juni 2010.

“Wir fragten uns dann, wie viel Aufwand es sei, über jedes einzelne Spiel in einem Bundesland zu berichten und starteten in Oberösterreich das Pilotprojekt.” Unterhaus.at war geboren. Heute leiten alle Domains auf das Gesamtportal ligaportal.at weiter. 2013 ist es am schmalen, hohen Ende des Long Tails angelangt ist: Der Bundesliga.

Kleine Zeitung seit 2011 im Boot

“Anfang 2011 hatten wir mehrere Interessenten” sagt Arnitz. “Styria war sehr mächtig und ein kompetenter Partner.” Von Februar bis Oktober 2011 habe man etwa verhandelt, im Oktober erwarb Styria in Form der Kleine Zeitung GmbH & CoKG 37,30% an ligaportal.at.

Die operative Kooperation mit Styria will Arnitz weitertreiben: “Auf sportnet.at und sport10.at [beide Styria digital] sind wir öfters verlinkt, wollen das aber ausbauen, im Menü stehen.”

Man ist im Styria-Werbenetzwerk, passt dort aber nicht ganz hinein: Die Vermarktung der Werbeplätze “müssen wir noch perfektionieren”, sagt Arnitz. Außerdem: “Der regionale Verkauf ist noch nicht professionalisiert.” Er ist es wert: “Wir können da bis auf Ortsebene runterbrechen.”

Die Zukunft von ligaportal.at sieht gut aus. Thomas Arnitz selbst ist vor kurzem übersiedelt und arbeitet an seinem Doktorat. “Zwei Publikationen habe ich schon.” Der Titel seiner Dissertation passt wie die Faust aufs Auge (wenn man vom Fußball kurz absieht): “Das Verhältnis zwischen CIO und CEO”.

Keine Kommentare.

Stellung nehmen