Wie kurzzeitwohnen.com an Weihnachten 2009 entstand

Dieser Tage vor vier Jahren sah sich Rafael Walter in einer Zwickmühle: Er hatte fünf leere Wohnungen, allesamt angrenzend an sein Wirtshaus in Salzburg, die er wegen des eventuellen Gasthauslärms nicht langfristig vermieten konnte. “Ich habe selber Wirtschaft studiert, und leerer Raum, das geht nicht.” erinnert sich Walter im internetszene.at-Gespräch. Die Objekte kürzer (als drei bzw. fünf Jahre) zu vermieten sei mit dem Mieterschutz kollidiert, aber er fand eine Lücke. Heute betreibt er kurzzeitwohnen.com.

 

Interview mit Rafael Walter, kurzzeitwohnen.com

Interview mit Rafael Walter, kurzzeitwohnen.com

 

Rafael Walter ist ein junger Multiunternehmer. Nachdem er mit Lukas Wieser eine Salzburger Gastronomie übernommen hatte, schufen die beiden Salzburger neben einem Bier auch die Wohnungsvermittlung kurzzeitwohnen.com.

Quartiervermittler für Mercedes und Starbucks

An Weihnachten 2009 kamen Walter und Wieser auf die Idee eines Portals, auf dem Eigentümer Liegenschaften kurz- und mittelfristig vermieten können. Wohnungssuchende würden das Angebot strukturiert und neutral vor sich haben. Heute ist die Seite etabliert: Unter den Suchenden sind Private und Großkonzerne wie Mercedes-Benz, Aeroflot und Starbucks, die regelmäßig Quartiere für verschickte Mitarbeiter suchen. Heute sind über 700 Wohnungen gelistet: Die meisten davon in Wien und der Stadt Salzburg, weitere in den anderen Bundesländern, zum Teil in Skigebieten, am fernsten in Hamburg und Palma.

Airbnb mit österreichischer Note

Ebenfalls 2009 startete in den Vereinigten Staaten Airbedandbreakfast (später Airbnb), die bis heute ein sehr ähnliches Produkt wie kurzzeitwohnen.com anbietet: Die Vermittlung von Zimmern oder Wohnungen für Tage oder Wochen. Der Accelerator Y-Combinator schob Airbnb eine fünfstellige Summe zu und es folgten weitere Investitionen aus Kalifornien. Technisch hat das Portal aus Salzburg jenes aus dem Startup-Eldorado praktisch erreicht. Rafael Walter von kurzzeitwohnen.com klärt den wirklichen Unterschied: “Wenn man bei uns anruft, sitzen da selbst Vermieter, die mehr Kundendienst bieten als Airbnb. Wir sind die österreichische Lösung, mit Fokus auf den B2B-Kunden. Durchschnittlich vermitteln wir Unterkünfte 6 Wochen lang.”

Bevor sie ihr Angebot auf die anderen Bundesländer und nach Deutschland (Hamburg) ausdehnten, mussten Wieser und Walter ihre Geschäftsidee mit dem österreichischen Recht vermählen. Heraus kam die Möglichkeit, Mietdauern kürzer als sechs Monate und am besten von bildungs- oder berufstechnischer Natur, in Angriff zu nehmen. Dort greifen weniger Rechte und Pflichten wie zum Beispiel Mindestmietzeiten.

Webportal aus Gastro-Unternehmen entstanden

Wieser und Walter statteten die fünf Wohnungen um die angesagte urbane Gastronomie aus und machten “eine Homepage”. 50 Wohnungen folgten und Anfang 2010 gingen sie mit der Marke kurzzeitwohnen.com auf den Markt. Chefprogrammierer und neben Wieser und Walter der dritte Gesellschafter der Kurzzeitwohnen GmbH ist Anselm Ruby, der auch für den Code der Salzburger Erfolgsgeschichte Wikitude mitverantwortlich ist.

Rafael Walter sagt, man habe mit Investoren Gespräche geführt, es sich aber bisher ohne leisten können. “Wir sind teilweise fremdfinanziert, ganz klassisch über Banken, sind aber auch unsere eigenen Investoren.” Die Gastronomie – das KultURWirtshaus (der “Urbankeller”) in Salzburg, das Veranstaltungsgewölbe, Kunstbühne und Wirtshaus in einem ist – spricht die Leute an. “In der Gastronomie konnten wir in den letzten vier Jahren den Umsatz verdoppeln.” sagt Walter.

2014 will kurzzeitwohnen.com auf den DACH-Markt gehen.

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