VN Image-Spot zum Fremdschämen: „Das ist definitiv eine Kopie“

Es geistern viele Videos mit hohem Fremdschämfaktor durchs Netz. Besonders peinlich ist der neue Image-Spot der Vorarlberger Nachrichten. Um das eigene Image zu polieren, hat Vorarlbergs meist gelesene Tageszeitung einfach die Apple-Parodie einer deutschen Zeitung kopiert. 

Preisfrage: Was haben die Vorarlberger Nachrichten und der Weser Kurier gemeinsam – außer, dass beide deutschsprachige Tageszeitungen sind?  Antwort: Sie sind beide „wireless seit 1945“, „extrem benutzerfreundlich“, „ultra slim 0,3 cm“ und „megaleicht 120g“.  Und sie haben beide beinahe exakt denselben Image-Spot. Unfreiwillig.

Der Werbefilm nimmt Apple elegant auf die Schippe. Mit einem Augenzwinkern zitiert der Image-Spot die Bildsprache des Technik-Giganten. Die gesamte Art der Inszenierung erinnert an einen Produktspot von Apple. Es handelt sich aber nicht um ein schickes Tablet oder dergleichen, sondern um die Printausgabe einer Tageszeitung. Der Spot, gespickt mit Anspielungen, wird in Fachkreisen gelobt. Wohl gemerkt der Spot vom Bremer “Weser Kurier”. Die Idee zur Apple-Parodie für den “Weser Kurier” wurde von und mit der Bremer Agentur Imagine in Motion produziert und erstmals Ende Oktober 2013 öffentlich gezeigt. „Wir haben für den Film sehr viel positives Feedback bekommen, arbeiten jetzt an einer englischen Version für den Weser Kurier und möchten den Spot bei einigen wichtigen Awards einreichen“, so Simon Wenkelewsky von Image in Motion. Auch ORF-Anchorman Armin Wolf zeigt sich begeistert von dem Werbefilm für die deutsche Tageszeitung und teilt ihn Ende Oktober 2013 als Best Practice-Beispiel im Social Web. „Dieser sehr hübsche Werbespot hätte auch anderen Tageszeitungen einfallen können“, so Wolf via Twitter.

Das Original – Der Weser Kurier Image Spot 2013
Veröffentlicht bei Youtube am 24.10.2013

Kosten und Mühen gescheut

Und seit 14. Januar 2014 gibt es nun auch noch eine Version von eben diesem Imagefilm. Eine österreichische. Und zwar von den “Vorarlberger Nachrichten”. Inszenierung, Text, Idee – alles gleich. Verweis auf das zitierte Original gibt es keinen. Auf der Facebook-Seite der “Vorarlberger Nachrichten” heißt es allerdings selbstbewusst: „Unser neuer Image-Spot ist da!“ Johannes Rinderer fällt die Deckungsgleichheit der Werbefilme auf. „Plagiat! Sehr frech, diesen Spot aus 2013 1:1 zu kopieren“, kommentiert er und postet das Bremer Video.

Als Simon Wenkelewsky im Gespräch mit internetszene.at den VN-Spot zum ersten Mal sieht, bricht er in schallendes Gelächter aus. „Die Schüsse, die Sprüche, die ganze Idee – das ist ja wirklich alles komplett gleich. Ach, hier VN! An der Stelle  ist es anders“, lacht er. Er hat keine Ahnung, wie man „Vorarlberger Nachrichten“ schreibt und ob es die VN überhaupt schon seit 1945 gibt. Peinlicher Auftritt von den Vorarlberger Medienmachern. Aber immerhin haben sie es geschafft, ihre eigene Zeitung einzublenden. Simon Wenkelewsky reagiert sehr sportlich: „Das ist definitiv eine Kopie. Ich sehe das als Anerkennung für meine Arbeit.“

VN: „Wir stehen zu dieser Kopie!“

Der Verlagsleiter der Vorarlberger Nachrichten Gerhard Bertsch entgegnet dem, dass die dem Spot zugrundeliegende Idee schließlich nicht aus Bremen, sondern von der englischen Boulevardzeitung „The Sun“ komme. Trotzdem gibt er im Gespräch mit internetszene.at zu: „Die Bremer Agentur und der Weser Kurier haben das besser umgesetzt. Und wieso sollen wir etwas anderes erfinden, wenn die das so gut gemacht haben?“ Es sei üblich in der Branche, Vorbilder zu übernehmen, so Bertsch weiter. Teil der Firmenphilosophie der VN sei es, von den Besten zu lernen. Und Schriften und Grafiken zu übernehmen – das sei eben eine Entwicklung unserer Zeit. Bertsch sieht die beiden deutschsprachigen Spots als „super Beispiel für den Zusammenhalt in der Printbranche“. Dabei spricht er von Benchmark und einer „überhaupt sehr offenen Branche. „Wir stehen zu dieser Kopie!“, erklärt Bertsch im Gespräch mit internetszene.at und bezieht sich auf Benchmarking. Auf die Nachfrage von internetszene.at, ob es diesbezüglich im Vorfeld Absprachen mit dem Weser Kurier gab, reagiert Bertsch mit der Gegenfrage: „Meinen Sie denn, dass Samsung bei Apple vorher nachfragt, ob sie ein Handy nachmachen dürfen?“ Der Weser Kurier dürfte das allerdings nicht ganz so entspannt sehen, meint Simon Wenkelewsky. Gerade vorhin heißt es von Seiten des Weser Kuriers: „Das weitere Vorgehen wird bei uns gerade mit allen Beteiligten besprochen.“

Der Image Spot 2014 der Vorarlberger Nachrichten
Veröffentlicht bei Youtube am 14.01.2014

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