Minderjährig und mitten im Geschäft: Zwei Teenie-Gründer im Interview

Sie sind Schüler und Unternehmer. Minderjährig und mitten im Geschäft. Zwei Teenager wirbeln die österreichische Startup-Szene auf. Georg Schelkshorn und Daniel Bugl sind erst 17 Jahre alt. Und wenn sie nicht gerade die Schulbank drücken, sind sie als Jungunternehmer erfolgreich unterwegs. Ihr Mödlinger Startup TouchLay ist ihr größtes Hobby. TouchLay ist ein Präsentationstool für Firmen im Baugewerbe sowie in der Unterhaltungs- und Spielbranche. internetszene.at haben bei beiden Teenie-Gründer erzählt, warum sie sich den Stress neben der Schule antun, wie sie bei Kunden für Verwunderung sorgen und was ihre Lehrer von ihnen lernen können.


Was ist die Idee hinter TouchLay?

TouchLay ist eine Software- und Hardwarefirma, die sich besonders auf innovative Designs und User-Experience spezialisiert hat. Wir versuchen Produktlösungen zu entwickeln, die anderen Firmen die Präsentation ihrer Produkte, sowie die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern und Kunden erleichtert und verbessert. Momentan arbeitet unser Team an dem novaTouch. Es handelt sich um einen 55 Zoll Bildschirm, der sich an der horizontalen Achse um 360° drehen und auf der vertikalen Achse im Hoch- oder Querformat montieren lässt. Besonders interessant ist das für Anwendungsgebiete wie Bau- und Baunebengewerbe, Schauräume, Ausstellungsbereiche und Messen, Werbebranche und Digital Signage, Infopoints sowie Unterhaltungs- und Spielbranche. Für jedes Anwendungsgebiet haben wir spezifische Softwarelösungen geplant und sind nun dabei, diese konkret zu entwickeln.

Wenn man das so hört, denkt man ehrlich gesagt nicht an Teenager. Wie kommt es, dass ihr euch in eurem jungen Alter dafür interessierst?

Ursprünglich ging es nur um die Hardware, die damals noch cool, neu und innovativ war. Wir haben oft an verschiedensten Dingen gebastelt und sind irgendwann auf Multitouch-Geräte gestoßen. Wir hatten nicht vor, sie zu verkaufen oder ein größeres Projekt daraus zu machen. Aber nachdem andere das Projekt gesehen haben, fanden sie es nützlich und gaben uns Tipps, wie man das Projekt weiterentwickeln und einsetzen könnte. Daraufhin hat sich das Projekt immer weiterentwickelt, bis es eben dort war, wo es heute ist: Ein Präsentationstool.

Was war euer Ansporn, ein Unternehmen zu gründen? Wieso tut ihr euch den Stress neben der Schule an?

Man sammelt viele Erfahrungen bei der Gründung eines Unternehmens. Außerdem lernt man viel dazu – meist mehr als in der Schule. Und ist es sinnvoller, ein Unternehmen jetzt zu gründen, als während des Studiums. Dann hat man gar keine Zeit mehr. Gründet man dann ein Unternehmen ohne einen Job nebenbei zu haben, ist der Stress noch größer, da, wenn man nichts verkauft, man kein Geld hat. Hätte TouchLay nicht funktioniert, so hätte das keine großen Nachteile für uns gehabt.

Was war die größte Hürde, die ihr bei der Gründung von TouchLay überwinden musstet?

Die vielen rechtlichen Sachen, die wir nicht alleine sondern nur mit Hilfe von Georgs Vater umsetzen konnten. Und der Übergang von einem kleinen Projekt zu einer richtigen Firma mit Verpflichtungen waren nicht ganz so leicht zu bewältigen.

Hat euch die Schule ausreichend auf das Leben als Unternehmer vorbereitet?

Daniel: Nein. Um ehrlich zu sein: fast überhaupt nicht. Das liegt aber wohl auch am Schultyp. Es stört mich aber nicht wirklich, da ich durch „learning by doing“ viel mehr gelernt habe, als ich theoretisch hätte lernen können.

Georg: Teilweise recht gut, wobei das eigentlich fast nur von den Lehrerinnen und Lehrern abhängt. Wenn ein Lehrer im Bereich IT noch immer an Technologien von vor 5 Jahren festhält, bringt uns das nicht besonders viel. Die Lehrer müssen versuchen, am Ball zu bleiben, um uns gerade im Bereich IT bestmöglich auf morgen vorzubereiten. 

Ich nehme mal an, die meisten eurer Kunden und Partner könnten vom Alter her eure Eltern sein. Wie reagieren die Leute, wenn ihnen zwei 17-Jährige alGeschäftspartner begegnen? Das stelle ich mir für euch eigentlich ziemlich lustig vor.

Manche Kunden sind etwas verwundert und anfangs etwas skeptisch. Das legt sich aber
meist nach den ersten positiven Resultaten. Außerdem haben wir immer noch Erwachsene in der Firma als „Backup“.

Und wenn ihr in der Schule mit den anderen Kids über eure Arbeit sprecht – wie ist das?

Wir sprechen in der Schule nicht viel über die Arbeit. Die meisten Klassenkollegen wissen nicht mal davon. Wenn man dann aber mal erzählt, dass man am Vortag keine Zeit hatte, weil man in der Firma zu tun hatte, und die Ergebnisse herzeigt, dann ist das für unsere Kollegen schon verblüffend.

Georg, du arbeitest auch eng mit deinem Vater zusammen. Ist das manchmal nicht auch ein bisschen stressig?

Stressig ist es eigentlich kaum. Es ist im Großen und Ganzen eigentlich sehr angenehm, weil man am Wochenende Probleme oder Aufgaben nebenbei gut besprechen kann.

Welches Erlebnis ist für euch als Entrepreneure unvergesslich? Und warum?

Als wir erfahren haben, dass wir einen Platz im Herold Office letztes Jahr gewonnen haben. Das war schon sehr cool, in sein eigenes Büro einziehen zu können – und das dann noch dazu gleich im Euro Plaza, mit vier anderen interessanten Startups. Ein weiteres tolles Erlebnis war, als wir den ersten Prototypen ansehen konnten, an dem wir zuvor vier Monate geplant hatten.

Woher kommt eure Leidenschaft für das Unternehmertum? Was gefällt euch daran?

Selbstständigkeit, ein Projekt von klein aufzuziehen und das Endprodukt zu sehen. Ein fertiges Produkt vorzustellen, ist ein sehr gutes Gefühl.

Was macht ihr sonst leidenschaftlich gerne in eurer Freizeit?

Das was wir hier tun, ist zum Glück nicht nur harte Arbeit, sondern wir tun das auch gerne. Es ist quasi Arbeit und Hobby in einem.

Was ist euer Plan für die Zukunft? Wie soll es nach der Schule weitergehen? Was möchtet ihr als Unternehmer unbedingt erreichen?

Am besten soll es gleich mit der Firma weitergehen. Es wäre extrem cool, wenn wir von TouchLay leben könnten und ausschließlich über die Firma Geld verdienen. Und außerdem genug Ressourcen zu haben, um neue, innovative Projekte zu starten. Wir haben noch viele Ideen, die wir aufgrund von mangelnder Ressourcen nicht umsetzen können.

Wer sind eureVorbilder?

Daniel: Natürlich Steve Jobs. Nein, ich habe eigentlich nicht wirklich ein Vorbild, bin aber sehr begeistert von der Open  Source Community, durch die ich auch viel Erfahrung gesammelt habe.

Georg: Entrepreneure wie Elon Musk und Firmen wie zum Beispiel Uber oder Smart Things.

Kommentarabgabe beendet.