Klartext: 11 Fragen an Michael Hurnaus, CEO von Tractive

Wenn der Zwergpudel beim Gassi gehen nur noch keucht, gibt es nun bald eine Fitness-App für ihn. Entwickelt hat diese Michael Hurnaus, der Gründer und CEO von Tractive. Mit internetszene.at hat er nicht nur über übergewichtige Haustiere gesprochen, sondern auch über seinen eigenen Werdegang, den Zusammenhalt in der Startup-Szene und die größten Hürden bei einer Gründung in Österreich.

 

Mit Petbit hat dein Startup eine Fitness-App entwickelt, die Haustieren beim Abnehmen helfen soll. Hat jemand bei euch im Team einen besonders übergewichtigen Hund oder Kater? Oder wie kommt man auf so eine Idee?

Wir waren letztes Jahr auf der CES in Las Vegas, um das Tractive GPS Gerät für Tiere vorzustellen. Dort haben wir gesehen, dass der Markt von Health- und Fitnesstrackern für Menschen kurz vor dem Explodieren ist. Wir haben dann recherchiert und festgestellt, dass es noch kaum ‚Wearables‘ für Tiere gibt. Übergewicht bei Haustieren wird ein immer größeres Problem. Mehr als 50% der Haustiere in Europa sind übergewichtig. So kam die Idee, die wir kurz darauf begannen, umzusetzen. Dicke Tiere gibt es bei uns im Team nicht. *lacht*

Angefangen hat also alles mit Tractive, einem GPS-Ortungssystem für Tiere. Es wird inzwischen weltweit verkauft. Was ist der ausschlaggebende Faktor für den rasanten Erfolg? Auch andere Firmen hatten die Idee, Tiere mittels GPS zu orten. Wie hat dein Startup den internationalen Durchbruch geschafft?

Es war für uns besonders wichtig, möglichst schnell Kundenfeedback zur Hardware und zu den Apps zu bekommen, um schnell Besserungen einarbeiten zu können. Natürlich hat es auch geholfen, von Beginn an groß zu denken und sofort europaweit in mehreren Sprachen auszuliefern. Da gibt es fast keine Player in unserem Feld, die das können. Den großen Vorteil den Startups haben – nämlich schnell agieren zu können – haben wir versucht, auszunutzen.

Die Idee zu Tractive hast du zunächst mit Florian Gschwandtner entwickelt. Wieso ist er nicht im Gründerteam?

Die ursprüngliche Idee habe ich unter anderem mit Florian entwickelt, weshalb er auch Mitgründer von Tractive ist. Florian ist aber bei Runtastic bereits 25 Stunden am Tag eingespannt und hat nicht die Zeit und Möglichkeit, operativ mitzuarbeiten. Nachdem wir aber gute Freunde sind, tauschen wir uns regelmäßig aus und unterstützen uns gegenseitig. Schließlich sind wir beide im Hardware- und App-Business und wollen gegenseitig von unseren Fehlern lernen.

Wer genau steckt denn alles hinter Tractive? Wie habt ihr euch als Gründerteam gefunden?

Operativ tätig sind meine Gründerkollegen Michael Lettner, Michael Tschernuth und ich. Die beiden Techniker-Michaels haben Mobile Computing studiert und anschließend Praxiserfahrung gesammelt. Sie sind für alles was Hard- und Softwareentwicklung betrifft, verantwortlich. Der dritte im Bunde bin ich, verantwortlich für Produkt, Finanzen, Marketing, HR und alles, was sonst so anfällt. Mitgegründet haben die vier Runtastic Gründer sowie zwei Freunde der Firma Krippl-Watches, die jahrelange internationale Vertriebserfahrung in das Unternehmen einbringen. Das beste Gründerteam kann nur dann erfolgreich sein kann, wenn die Mannschaft dahinter passt. Wir hatten das Glück, mehrere Entwickler-Rockstars für unser Team rekrutieren zu können, ohne die wir nie in so kurzer Zeit so erfolgreich geworden wären.

Wieso bist du nach erfolgreichen Jahren bei amerikanischen Internetgiganten aus den USA zurück nach Österreich und hast ein Startup gegründet? Und welche Erfahrungen, die du bei großen US-Firmen gesammelt hast, bringen dich heute in der Startup-Welt weiter?

Ich hatte immer im Hinterkopf, irgendwann wieder nach Österreich zurückzuziehen, dachte aber nicht, dass es so schnell gehen würde. Ausschlaggebend war, dass wir für Tractive das richtige Team und die richtige Idee gefunden haben und ich nach fünf Jahren bei Microsoft beziehungsweise Amazon bereit für eine Veränderung war. Den Entrepreneur-Spirit hatte ich schon immer. Es war nur eine Frage der Zeit, denke ich.

Ich durfte in den USA relativ große Teams leiten, hatte viel Verantwortung und war das Bindeglied zwischen Entwicklern, Testern, Designern und Produktplanern. Eine Art Mini-CEO für ein Projekt, wenn man so will. Heute versuche ich, möglichst viele der gelernten Erfahrungen bei Tractive einfließen zu lassen.

Was waren die größten Hürden, die du bei der Gründung überwinden musstest?

Bürokratie bei der Firmengründung. Es wird immer kommuniziert wie einfach man eine Firma in Österreich gründen kann. In Wahrheit ist es – zumindest im Falle einer GmbH – teuer, zeitaufwendig und sehr bürokratisch. Firmengründung sollte keine Bremse für ein Unternehmen sein, sondern vielmehr das Gas.

Und was hat dir/euch beim Start geholfen?

Der regelmäßige Austausch mit anderen Gründern und Startups. Wir haben sicher viel von den Erfahrungen von den Runtastic-Gründern gelernt. Eine Portion Unwissenheit und Naivität hat aber sicher auch nicht geschadet – ganz im Gegenteil.

Welche Tipps kannst du anderen Jungunternehmer mit auf den Weg geben, damit sie mit ihren Ideen den Durchbruch schaffen?

Sich mit anderen Jungunternehmern kurzzuschließen. Sei es ein Startup-Stammtisch, ein Startup-Mingle oder ein einfaches gemeinsames Bier mit jemanden, der in einer ähnlichen Situation ist. So kann man von den Fehlern der anderen lernen. Die Startup-Szene in Österreich wächst rasant und jeder hilft gerne weiter, wo er kann. Das Pioneers Festival in Wien ist sicher auch eine super Veranstaltung, um mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen und von anderen lernen.

An was für Ideen arbeitest du momentan? Was willst du als Unternehmer unbedingt noch erreichen?

Wir arbeiten intern an mehreren neuen und spannenden Projekten, sowohl Hardware als auch Software. Als nächstes steht der Launch von Petbit an, aber natürlich haben wir noch ein paar Überraschungen für 2014, von denen ich jetzt noch nicht allzu viel verraten kann.

Erfolgreiche Frauen werden ja immer gefragt, wie sie Job und Familie vereinbaren. Ich frage das jetzt mal einen Mann: Wie schaffst du es, den Fulltime-Job als Unternehmer und den 24 Stunden-7 Tage-pro-Woche-Job als Papa unter einen Hut zu bringen?

Naja, Papa bin ich erst seit einer Woche, da hab ich noch wenig Erfahrung.*lacht* Ich habe Gott sei Dank eine super Frau und ein super Team in der Arbeit, die hinter mir stehen und auf die ich mich verlassen kann. Wie sich das entwickelt, wird sich zeigen, vielleicht wird’s ja bald einen Betriebskindergarten geben.*lacht*

Wie viele und was für Haustiere hast du eigentlich selbst?

Das ist eine Fangfrage, oder?*lacht* Als Entrepreneur hat man leider wenig Zeit, daher bin ich aktuell Haustier-los. Ansonsten hätte ich sicher einen weißen Labrador. Ich finde, wer ein Haustier hat, soll sich auch damit beschäftigen und Zeit für den Vierbeiner aufbringen. Da das als Jung-Papa und Jung-Unternehmer leider sehr schwer wäre, muss ich das ein bisschen nach hinten verschieben. Das ist wohl einer der Trade-Offs eines Jungunternehmers.

 

Kommentarabgabe beendet.