Klartext: 11 Fragen an Reinhard Nowak, CEO von LineMetrics

Mit seinem Startup arbeitet er in der Nische. Und trotzdem hat er seine Idee optimal im TV in der PULS 4-Startup-Show „2 Minuten, 2 Millionen“ präsentiert. Jetzt ist Super-Engerl Hansi Hansmann an Bord. Reinhard Nowak, CEO von LineMetrics, hat uns verraten, was seine Formel für einen erfolgreichen Pitch ist und was die Startup-Show seiner Firma gebracht hat. Im Interview mit internetszene.at spricht Reinhard Nowak außerdem über seine Anfänge in der Automobilbranche und erklärt, wie er schließlich mit dem Thema Startup überhaupt in Berührung gekommen ist, und warum es für ihn keinen Sinn macht, ins Silicon Valley zu gehen.

 

Was ist die Idee hinter LineMetrics? Und wer nutzt LineMetrics wofür?

Am einfachsten lässt sich LineMetrics wahrscheinlich als „Google Analytics für die reale Welt“ beschreiben. Wir ermöglichen Unternehmen, dass sie sehr einfach Daten aus ihrer Umgebung aufzeichnen und analysieren können. Anstatt Informationen über die Webseiten-Besuche wie Anzahl, Dauer und Herkunft erfassen unsere Kunden eben Energieverbräuche, Zählerstände, Sensordaten wie Temperaturen oder Zustände von Anlagen oder Geräten. Und damit das möglichst einfach geht, haben wir nicht nur eine cloud-basierte Analyse-Plattform entwickelt, sondern auch gleich die dazu passende Hardware, womit sich diese Daten so einfach wie möglich erfassen lassen. Das Ganze ist natürlich perfekt aufeinander abgestimmt und sehr einfach zu benutzen. Unsere Lösung ist wie gesagt für den Einsatz in Unternehmen ausgelegt und wird vor allem dort eingesetzt, wo Optimierungspotential vorhanden ist, Probleme erkannt und beseitigt werden sollen und wo Fakten für Entscheidungen benötigt werden. Aktuell sehen wir gerade eine sehr große Nachfrage aus den Bereichen Energie-Effizienz in Industrieumgebungen und Gebäuden.

Wie genau ist diese Idee entstanden? Und wann hast du beschlossen, Nägel mit Köpfen zu machen und ein Startup zu gründen?

Ich habe zehn Jahre lang große IT-Systeme für die Automobilproduktion entwickelt und in Betrieb genommen und dabei gemerkt, wie teuer, komplex und träge große IT-Systeme in der Industrie sind. Und wie unzufrieden die Anwender in der Regel damit waren. Auf der anderen Seite habe ich im Alltag gemerkt, wie im Rahmen von Web 2.0 und mobilen Devices/Apps die User Experience von Alltagsgeräten drastisch gestiegen ist. Da habe ich begonnen, an einem neuartigen Konzept zu tüfteln. So bin ich immer mehr mit dem Thema Startup in Berührung gekommen und habe schließlich gemeinsam mit meinem Mitgründer Wolfgang Hafenscher, den ich schon seit Kindheitstagen kenne, an einem möglichen Geschäftsmodell gearbeitet.

Den Ausschlag für die Gründung von LineMetrics hat schlussendlich runtastic-Mitgründer Alfred Luger vor circa zwei Jahren gegeben. Ich habe ihm einmal bei einem Spritzer von der Idee erzählt und er hat darin so viel Potential gesehen, dass er uns ermutigt hat zu gründen  und angeboten hat, dass er und seine Gründerkollegen von runtastic als Business Angels und Mentoren unterstützend zur Seite stehen. Tja, und seit dem Tag stecken wir jede verfügbare Minute in LineMetrics.

Was ist für dich das Coolste an deinem Job als CEO von LineMetrics?

In erster Linie die Chance, eine Idee und eine sehr, sehr ehrgeizige Vision in die Tat umzusetzen. Und, dass man sich ein Team von außergewöhnlich guten und engagierten Kollegen zusammenstellen kann, mit denen es richtig Spaß macht zusammenzuarbeiten. Oder, dass man eigentlich fast alles „in der Hand“ hat und einen großen Anteil an der Zukunft selbst bestimmen und mitgestalten kann – von den verschiedenen Strategien über das Klima im Team bis hin zur Qualität des Produkts. Da würden mir, glaube ich, 100 Punkte einfallen, warum das Ganze extremen Spaß macht. *lacht*

Viele österreichische Startups zieht es mit ihrer Idee ins Ausland. Warum hat LineMetrics den Standort Haidershofen in Niederösterrich gewählt? 

Wir hatten relativ früh das Angebot, eine Weile ins Silicon Valley zu gehen, was für uns aber überhaupt keinen Sinn gemacht hätte. Wir sehen uns selber als „Industrie-nahes Startup“ und da finden wir in Österreich die perfekten Voraussetzungen vor. Warum ausgerechnet Haidershofen? Sowohl Wolfgang als auch ich sind hier aufgewachsen beziehungsweise brauchen wir weniger als zehn Minuten ins Büro. Die Überlegung bei der Gründung war, ob wir jeden Tag mindestens eine Stunde nach Linz pendeln oder jeden Tag eine Stunde länger arbeiten beziehungsweise mit unseren Familien verbringen sollen. Wir waren uns sicher, dass wir in der Umgebung außergewöhnlich gute Mitarbeiter finden beziehungsweise wir so ein spannendes Klima bieten werden, dass Mitarbeiter auch mal 25 Minuten von Linz herpendeln. Und genau so war es dann auch. Nicht zuletzt muss man auch sagen, dass die Unterstützung vom Land Niederösterreich und der Gemeinde ab dem ersten Tag sehr gut war. Es gab also nie einen Grund, über eine Alternative nachzudenken.

Wie leicht ist es in Österreich, sich mit einer innovativen Idee selbständig zu machen? Welche Hürden musstet ihr in der Anfangszeit überwinden?

Ich würde mal sagen, dass es bei uns in Österreich prinzipiell eine relativ leichte und risikolose Sache ist, sich selbständig zu machen. Es gibt eine Vielzahl von Förderprogrammen, ein sicheres Sozialsystem und hohes Bildungsniveau. Außerdem haben Plattformen wie Pioneers oder akostart dazu beigetragen, dass in den letzten Jahren eine richtige Startup-Community entstanden ist, wo sich Gründer untereinander austauschen und wo die vielen Veranstaltungen ein echter Anlaufpunkt für Neo-Gründer geworden sind. Nicht zu vergessen: die aufblühende Business-Angel-Szene in Österreich, die getrieben durch Pioniere wie Hansi Hansmann, Oliver Holle, Markus Wagner und vielen weiteren, die Gründer nicht nur mit finanziellen Mitteln sondern vor allem aktivem Mentoring unterstützt.

Ich würde eigentlich nicht einmal von Hürden während der Gründungsphase sprechen. Klar, Wolfgang und ich haben die ersten sechs Monate aus der eigenen Tasche finanziert. Wir haben einen umfangreichen Business-Plan für die Förderstellen geschrieben beziehungsweise x-mal überarbeitet, finanzielle Mittel aufgestellt und sind private Haftungen eingegangen. Und sowohl die GmbH-Gründung und die Abgaben für die ersten Mitarbeiter wäre in anderen Ländern eventuell günstiger gewesen. Aber das waren einfach nur Tasks auf dem Weg zum großen Ziel. Ich sehe das eher so wie einen kleinen „Test“ zu Beginn, wo sich herausstellt, wer es wirklich ernst meint, seine Idee zum Erfolg zu führen.

Was ist deiner Meinung nach ausschlaggebend, damit ein Startup den Durchbruch schafft?

Meiner Erfahrung nach: Fokus, Fokus, Fokus! Fokus auf den Markt sowie die Kunden und was sie genau benötigen. Und 100 Prozent Fokus auf das EINE Projekt beziehungsweise Startup. Und natürlich dann noch ein gutes Netzwerk, Mentoren, harter Einsatz und etwas Glück.

Immer wenn es darum geht, vor dem entscheidenden Publikum zu pitchen, bist du einer der Besten. In der PULS 4-Startup-Show „2 Minuten, 2 Millionen“ hast du dein Startup auch erfolgreich im TV präsentiert, eure Idee optimal „verkauft“ – und das obwohl LineMetrics doch eher „in der Nische“ arbeitet. Wie machst du das? Was macht deiner Meinung nach den perfekten Pitch aus? Welche Tipps kannst du anderen Startups geben?

Naja, einer der Besten würde ich nicht sagen. *lacht* Ich glaube, bei uns macht es die Mischung aus: Zum einen sind wir im Vergleich zu vielen anderen Startups etwas „exotisch“. Wir machen Hardware, M2M, Big Data und Analytics für die Industrie – aber das halt mit einem innovativen Ansatz und einem Geschäftsmodell, dass diese riesengroße und sehr konservative Branche so noch nicht gesehen hat. Wir sind hier also ein wenig „disruptive“ wie man so schön sagt. Und das in einem Mega-Markt zu Beginn eines Mega-Trends,  Internet of Things beziehungsweise Industrie 4.0. Zum anderen muss man sagen, dass wir von Beginn weg einen sehr guten Plan, Erfahrung, ein Netzwerk mit guten Unterstützern und vor allem ein Team von erfahrenen Personen hatten. Das hat den Investoren zusätzliche Sicherheit gegeben.

Ich glaube, dass es beim Pitch sehr wichtig ist folgende Punkte so einfach wie möglich rüberzubringen:

1. Welches Problem löse ich und warum braucht der Kunde meine Lösung?

2. Wie groß ist das (meist wirtschaftliche) Potential meiner Idee?

3. Wer steht hinter der Idee?

Meiner Erfahrung nach investieren Geldgeber vor allem ins Gründerteam und dann erst in die Idee. Das Team muss also 100%-ig passen.

Wie war es generell für dich an dieser TV-Sendung teilzunehmen? Wie war die Stimmung hinter den Kulissen? Und was hat sich seit der Startup-Show für euch verändert?

War sehr spannend und eine tolle Erfahrung. Ich steh normalerweise gar nicht gern im Rampenlicht. Daher war es natürlich eine gewisse Herausforderung. Aber die Stimmung an den Drehtagen war aber immer total locker, freundlich und entspannt.

Neben der riesengroßen Ehre, dass Hansi Hansmann bei uns an Bord ist, merken wir, dass wir seit der Show mehr Aufmerksamkeit bekommen. Das äußert sich natürlich bei der Anzahl und Qualität den Anfragen von Kunden, die reinkommen, Interviews und Erwähnung in der Presse bis hin zu Angeboten, Vorträge zu halten.

LineMetrics wird mit Auszeichnungen und Lob geradezu überhäuft. Super-Engerl Hansi Hansmann ist auch an Board. Kann denn jetzt überhaupt noch irgendetwas schief gehen?

Klar, schief gehen kann immer was. Aber ich glaube, wir haben die letzten zwei Jahre einiges richtig gemacht, viel gelernt und die Weichen für die Zukunft ganz gut gelegt. *lacht*

Was ist als nächstes für LineMetrics geplant?

Wir werden im März auf der CeBit drahtlose Sensoren vorstellen, mit denen Zustands- und Sensordaten ohne jeglichen Verkabelungsaufwand erfasst werden können. Da gibt es bereits sehr großes Interesse im Vorfeld, weil es sowas in Kombination mit einer Analyse-Plattform in der Industrie bisher noch nicht gab. Ansonsten liegt 2014 ganz im Zeichen von Sales mit Fokus auf einem starken Vertriebsnetzwerk in Österreich und Deutschland.

Und welchen Traum möchtest du dir abseits der Unternehmer-Karriere verwirklichen?

Meine kleine Familie habe ich ja schon. Jetzt fehlt noch ein eigenes Häuschen, ein Wohnwagen und etwas mehr Freizeit – dann ist alles perfekt.

Kommentarabgabe beendet.