Klartext: 11 Fragen an die Gasche-Geschwister, Gründer von Fleißige Biene

Zwei Geschwister aus Klosterneuburg wollen die Nachbarschaftshilfe in Österreich wiederbeleben. Da beide vollzeitig mit Studium oder Beruf beschäftgt sind, widmen sich ihrem Herzensprojekt einfach in der Freizeit. Wo das Portal bereits steht und was Stephy und Nic Gasche so motiviert, verrieten sie internetszene.at.

Nic und Stephy Gasche, Fleißige Biene

Die Geschwister Stephanie und Nikolaus Gasche wollen ein Portal für Nachbarschaftshilfe aufbauen. Sie finden, dass das Pflichtbewusstsein für kleine Dienstleistungen beim Nachbarn wieder stärker werden sollte. Das Portal fleissigebiene.com vermittelt nur und verzichtet auf eine Servicemarge. Derzeit steht es bei 400 registrierten Personen.

Nikolaus “Nic” Gasche ist 19, studiert Medizin in Graz und ist der Coder hinter dem Portal. Seine Schwester Stephanie “Stephy” Gasche ist 27 und berät Managements in Österreich und im Ausland – sie steuert das Portal unternehmerisch.

Was ist die Idee hinter der fleißigen Biene?

Stephanie: „Wir möchten das Thema Nachbarschaftshilfe wieder aufblühen lassen, um Menschen nicht nur soziale Kontakte in ihrer Umgebung zu verschaffen, sondern auch um sich gegenseitig das Leben zu vereinfachen. Die meisten Menschen können vermutlich nicht sagen, ob ihr Nachbar Elektromonteur bzw. vielleicht Hobbygärtner ist oder ob soeben Studenten in die Parallelgasse gezogen sind, die sich gerne ein paar Euro beim Rasenmähen dazu verdienen möchten.“

Nikolaus: „Genau. Jeder Mensch hat Nachbarn – die Frage ist nur, wie gut er sie kennt und wie stark er sie in sein Leben integrieren möchte. Fleißige Biene lässt genau das offen, da es ausschließlich eine Plattform zur Kontaktvermittlung bei kleinen Dienstleistungen (Auto putzen, Rasen mähen, Knopf annähen etc.) in jeder Nachbarschaft österreichweit ist.“

Was hat euch von der Erkennung des Problems im Sommer 2013 zur Entscheidung gebracht, 
daraus ein Startup zu machen?

Nikolaus: „Ich war letzten Sommer etwas spät dran, als es darum ging, mich um einen potenziellen Ferialjob gekümmert. Ich hab dann ziemlich schnell merken müssen, dass es auch nicht leicht ist, kleine Gelegenheitsjobs in der Umgebung im Internet zu finden.

Stephanie: „Das gab uns dann die Idee für Fleißige Biene.“

Nikolaus: „Wir haben dann eine Weile damit verbracht, zu recherchieren, welche Webseiten generell in dieser Branche schon vorhanden sind. Nachdem wir kaum etwas auf dem österreichischen Markt finden konnten, haben wir uns hingesetzt und überlegt, was unsere Webseite eigentlich alles können müsste und welche Benutzer es ansprechen würde.“

Stephanie: „Da ich im letzten Jahr einen Workshop zum Thema Lean Start-Up besucht habe, wollten wir gleich den Business Model Canvas nutzen, um unsere Gedanken zu strukturieren. Nach einer gemeinsamen Namensfindung und ein paar Designüberlegungen in Form von haptischen Wireframes haben wir dann einfach losgelegt. Loslegen bedeutet, dass Nic seine Sommerferien genutzt hat, um die Webseite und ihre mobile Version zu programmieren. Somit hatten wir alle Grundlagen, um mit Fleißige Biene loszulegen.“

Wer von euch kümmert sich worum? Kommt ihr euch manchmal in den Weg?

Stephanie: „Gemeinsam treiben wir die Vision und die Strategie voran, d.h. wo wollen wir hin und was sind unsere nächsten Schritte dorthin, welche Funktionalitäten sollten wir entwickeln, wie sollte unser Design aussehen, wen brauchen wir um hier weiterzukommen etc. Ich habe den Schwerpunkt PR, Marketing und Vertrieb.“

Nikolaus: „Und ich kümmere mich um alle technischen Aspekte inkl. Programmierung. Auch hier gehen wir aber in enger Abstimmung miteinander vor und holen uns gegenseitiges Feedback ein. Das Einzige, wo wir uns am Anfang kurz in die Quere kamen, waren die Emails – wer beantwortet was und wie. Mittlerweile hat sich das aber auch gut eingespielt.“

Gibt es ein Land, in dem ihr mit eurer Neugründung jetzt lieber wäret? Wie leicht war es, sich in 
Österreich selbständig zu machen?

Nikolaus: „Nein, eigentlich nicht. Klar – es gibt viele Länder, in denen die Wörter Start-Up bzw. Jungunternehmer mehr Aufmerksamkeit bekommen“
(Stephanie „Ich begegne regelmäßig Personen, die ersteres Vokabular noch nie gehört haben“).

Nikolaus: „Für unser Start-Up Fleißige Biene ist Österreich jedoch ideal – hier gehört das Thema Nachbarschaftshilfe noch zu den Grundwerten. Weiters ist das Land klein und verwoben genug, dass sich die Idee dieses Dienstleistungsnetzwerkes hoffentlich auch ohne viel Werbung schnell herumsprechen wird.“

Stephanie: „Und – ganz wichtig – hier haben wir das Gefühl, dass in unserem Land noch eine Art Grundvertrauen dem Anderen gegenüber vorhanden ist.

Nikolaus: „Genau. Diese drei Aspekte – Interesse an Nachbarschaftshilfe, die geringe Größe des Landes und das Grundvertrauen ineinander – sind für Fleißige Biene unerlässlich.“

Fleißige Biene ist eine Lösung für das städtische Defizit an Nachbarschaftshilfe. In was für 
einer Umgebung seid ihr selbst aufgewachsen?!

Stephanie: „In mehreren tollen Nachbarschaften. Angefangen von einer Wohnung in Wien, in denen unsere Eltern mit mehreren Parteien sehr gut befreundet waren. Da gab es Nikolaus noch gar nicht… Weiter ging es dann in die USA, wo wir als Familie zwar gemerkt haben, dass Nachbarschaften etwas anonymer sind, doch da wir in einer „gated community“ wohnten, war der Umgang untereinander sehr gut und unsere damaligen Nachbarn sind selbst nach über zehn Jahren zurück in Österreich noch immer die besten Familienfreunde und besuchen uns regelmäßig im „beautiful Austria“.“

Nikolaus: „Unsere längste Zeit haben wir jedoch in Klosterneuburg verbracht, wo wir in einer Gasse aufgewachsen sind, in der sich jeder tatenkräftig unterstützt – sei es beim Kekse backen, Rosen schneiden, Krankenpflege etc. So etwas ist unersetzlich.“

Stephy, du bist brotjobbedingt mehrmals im Monat im Ausland. Wie gestaltet ihr eure 
Zusammenarbeit über die Distanz?

Stephanie: „Zwar ist die Technik immer mal ein Fluch, doch für uns ist sie hauptsächlich ein Segen. Wir haben ein gemeinsames E-Mail Konto für Fleißige Biene, arbeiten mit Trello (virtuelles Projektmanagementboard, bei dem man sofort erkennen kann, wer an was gerade arbeitet), und kommunizieren sehr viel über WhatsApp. Zwar haben wir einen festen Jour Fixe pro Woche, in dem wir uns über die aktuellsten Entwicklungen austauschen, doch telefonieren wir zwischendrin auch immer wieder.

Nikolaus: „Immerhin sind wir Geschwister, d.h. das Telefonieren und gegenseitige Updates ist nichts Außergewöhnliches. Nur die Inhalte haben sich etwas verändert.“

Wie entwickelt sich das Portal derzeit? Sucht ihr bereits nach konkreten Kooperationen?

Nikolaus: „Ja, wir sind aktuell in einigen Gesprächen mit anderen österreichischen Start-Ups. Konkretes wird man sicherlich in den nächsten paar Wochen über unsere Webseite erkennen können. Man darf gespannt sein!“

Was habt ihr beim Gründen gelernt und was würdet beim nächsten Mal anders machen?

Stephanie: „Gute Frage. Wir haben schon jetzt nach 3 Monaten sehr viel gelernt. Doch anders machen würden wir eigentlich nichts. Denn nur aus seinen Fehlern lernt man. Der wichtigste Aspekt ist: einfach mal machen! Los starten! Die Idee nehmen, ein Minimal Viable Product bauen (d.h. einen Grundstock an Funktionalitäten und Design anbieten – gerade so, dass man sich nur noch ein bisschen dafür schämt), und auf den Markt bringen. Ein Start-Up lebt von Feedback, Feedback, Feedback! Nur so kann es sich weiterentwickeln und wissen, was der Markt wirklich benötigt.“

Nikolaus: „Aus diesem Grund freuen wir uns über jedes einzelne Feedback, das über Emails, Anrufe, Facebook-Nachrichten bzw. das Kontaktformular auf unserer Webseite an uns geschickt wird. Das ist unsere Nahrung – manchmal schmeckt sie vielleicht nicht so lecker, doch ohne sie können wir uns nicht weiterentwickeln.“

Bekommt ihr das Auf und Ab, wie es bei vielen Startups üblich ist, zu spüren, in dem es die 
Gründer von Motivationshypes in motivationsfreie Zeiten und zurück beutelt?

Stephanie: „Nein, noch nicht. Dafür ist Fleißige Biene vermutlich noch zu jung – nach 4 Monaten unterliegen wir noch immer dem absoluten Motivationshype.“

Was kommt bei der Fleißigen Biene als Nächstes?

Nikolaus: „Ein neues Design und weitere Funktionalitäten. Unter Anderem wird man nicht mehr nur nach Standort suchen können, sondern auch nach Stichworten (z.B. bestimmten Usern bzw. Tätigkeiten).“

Was ist dein persönliches Ziel mit Fleißige Biene, Stephy, und was ist deines, Nic?

Stephanie: „Unser Ziel ist es, dass Fleißige Biene in den nächsten paar Jahren in jeder Nachbarschaft in Österreich bekannt ist und wirklich aktiv benutzt wird.“

Nikolaus: „D.h. wir sprechen von einer Benutzerzahl von ca. 100.000 Usern.“

Stephanie: „Zugegebenermaßen – aktuell schmunzeln wir zwar noch jedes Mal, wenn wir von dieser hohen Zahl sprechen, doch wer nicht nach dem Mond greift, wird wohl kaum die Sterne erreichen, oder?!“

Kommentarabgabe beendet.