Christoph Brenner spricht im Interview mit VentureTV über die Erfolgsfaktoren von Suchmaschinen-Optimierung und erklärt den Unterschied von klassischen SEO-Tools und dem kostenlosen Google Analytics. Der Geschäftsführer der SEOlytics GmbH betont, dass kein Weg am Aufbau von Backlinks vorbei führt, da On-Page-Optimierung lediglich 20 - 30 % des eingesetzten Aufwandes ausmacht. Im Feld der besten SEO-Analyse-Tools nennt der SEO-Experte die SISTRIX Toolbox, searchmetrics und SEOlytics.
dict.cc ist mehr als ein großes Online-Wörterbuch! Vor sieben Jahren startete Paul Hemetsberger in seiner Freizeit den Übersetzungsdienst. Im Interview spricht der Wahl-Wiener über das Konzept, die Konkurrenten von dict.cc und warum ihn Anfragen von Investoren kalt lassen.
Hallo Paul,
wenn du dich kurz vorstellst:
Ich bin Paul Hemetsberger, 32 Jahre alt, Wahl-Wiener und ursprünglich Oberösterreicher, Website-Entwickler seit 1997 und Betreiber von dict.cc.
Kannst du bitte das Konzept von dict.cc erläutern?
Die Idee ist ein Onlinewörterbuch für Übersetzungen, das von Benutzern gepflegt und erweitert wird. Es ist nicht wie Wikipedia oder Wiktionary seitenbasiert, sondern tabellarisch aufgebaut. Im Gegensatz zu anderen Wörterbüchern, die sich seit einiger Zeit auf die Fahnen schreiben, communitybasiert zu sein, dann aber doch Benutzervorschläge “nur” redaktionell einpflegen, wird bei dict.cc der gesamte Prozess - vom Vorschlag über mehrere Prüfungsrunden zum verifizierten Eintrag - durch die Community gemacht. Dafür gibt es ein automatisches Rechtesystem, das auf der Bewertung der bisher eingespeisten Reviews aller Benutzer basiert.
Wer steckt hinter dict.cc?
Dahinter stecke ich, ursprünglich alleine, und seit einigen Monaten auch Muhamed Mesic als Sprachexperte, der sich darum kümmert, dass die vor kurzem eingeführten neuen Sprachpaare sich gut entwickeln. Die stärkste Säule von dict.cc sind allerdings die langjährigen Power-User, die sich mit sagenhaftem Einsatz um die Weiterentwicklung von dict.cc bemühen. Man würde nicht glauben, wie viel sich hinter der Fassade eines “einfachen” Wörterbuchs an Kommunikation abspielt und wie viele Reibungspunkte dabei auch auftreten können. Aber ich denke, gerade das schweißt die dict.cc-Gemeinde zusammen und sorgt dafür, dass das Wörterbuch als Endprodukt wirklich gut ist.
Wie kam es zu der Idee im Herbst 2002?
Die Idee gab es schon viel länger. Ursprünglich (1998) hatte ich vor, eine Art Online-Lexikon zu entwickeln, um während meiner Zivildienstzeit programmiertechnisch nicht aus der Übung zu kommen. Damals hatte ich schon die Idee, das Wissen von Freiwilligen aus aller Welt zu bündeln, inspiriert von Usenet-Newsgroups (kennt heute kaum noch jemand). Leider waren damals meine Programmierkenntnisse noch nicht ausreichend, deshalb musste ich die Umsetzung verschieben.
Die Domain knowhowbase.com habe ich seit 2000 registriert, aber bisher noch nie verwendet. Heute bräuchte ich sie eigentlich nicht mehr, da Wikipedia und Google mit Knol die Idee schon erfolgreich umgesetzt haben.
Aber, um zu 2002 zurückzukommen: In diesem Jahr bin ich über die Vokabeldatenbank der TU Chemnitz gestolpert. Ehrlich gesagt, wäre das nur als eine Art Versuchsballon gedacht gewesen, um meine Idee zu testen. Tja, der Ballon hat sich sehr schnell verselbständigt und die ursprüngliche Idee ersetzt. Der Grundgedanke, die Plattform zur Sammlung von Wissen, lebt in dict.cc weiter.
Wie lange hast du für die Umsetzung benötigt? Wie würdest du die Entwicklung/Wachstum von dict.cc in den letzten 7 Jahren beschreiben?
Bisher habe ich für die Umsetzung sieben Jahre benötigt. ![]()
Im Ernst, ich habe nie aufgehört, an dict.cc herumzuprogrammieren. Es gibt bereits jetzt genügend Wünsche und Ideen, um noch jahrelang weiterzuentwickeln und es kommen ständig neue Wünsche von Benutzern dazu.
Die meisten Benutzer sehen nur die Wörterbuch-Suchergebnisseite. Wenn man sich nur einmal in den Mitmach-Bereich hineinwagt, gibt es noch viele Funktionen mehr. Beispielsweise die Sprachaufnahme: Jeder Benutzer kann direkt bei dict.cc über ein Java-Applet Einträge in seiner Muttersprache vertonen. Diese Aufnahmen werden wiederum von anderen Benutzern geprüft und freigeschaltet oder gelöscht, es wird darüber diskutiert, es gibt ein Interface, um Spammer zu sperren, die Aufnahmen können mehreren Einträgen zugeordnet werden, die Prüfer haben unterschiedliche Rechte, und so weiter. Und an sämtlichen Rädchen muss ich natürlich auch immer wieder drehen, bis die jeweilige Funktion irgendwann gut genug ist.
Das Wachstum: Die Zugriffszahlen haben sich meist jährlich verdoppelt. Mittlerweile dauert die Verdopplung schon etwas länger, das könnte am bereits sehr hohen Niveau liegen. Allerdings könnte das Wachstum bald wieder deutlich zulegen, den Grundstein dafür habe ich vor einigen Monaten mit der Freischaltung der Spracherweiterung gelegt. Momentan haben wir 43 Sprachpaare bei dict.cc, von denen 42 noch in den Kinderschuhen stecken. Sie entwickeln sich aber ständig weiter, derzeit kommen täglich 1000 geprüfte Einträge dazu. Sobald die ersten Sprachpaare umfangreich genug sind, könnte sich das Wachstum vervielfachen. Ich bin gespannt und sehr optimistisch.
dict.cc lebt vom Mitmachen der Anwender. Welche Anreize schaffst du, dass Leute ihre Übersetzungen veröffentlichen?
Das Veröffentlichen, also das Neuvorschlagen von Übersetzungen, ist interessanterweise überhaupt kein Problem. Ich denke, diesbezüglich ist es wohl schon Motivation genug, in dict.cc alle Übersetzungen nachschlagen zu können, die man braucht, also auch die jeweils aktuelle, die man nicht gefunden hat. Ich muss sogar meist das Vorschlagen neuer Übersetzungen künstlich begrenzen, weil die Vorschläge nicht schnell genug abgearbeitet werden können. Für jeden Vorschlag werden mehrere Prüfer benötigt, es dürfen sich aber nicht zu viele ungeprüfte Einträge anstauen, um Teilnehmermotivation und Effizienz des Systems nicht zu beeinträchtigen.
Es gibt ein Ranking unter den Beitragenden, das Qualität und Quantität der Beiträge berücksichtigt. Oft werden hitzige Debatten ausgetragen, um einen Minuspunkt zu vermeiden. Außerdem lernt man als Beitragender andere Sprachbegeisterte kennen und verbessert ganz nebenbei seine eigenen Sprachkenntnisse. Und tatsächlich gibt es auch die Motivation, etwas zurückzugeben, wenn man selbst jahrelang schon von dict.cc profitiert hat.

Wer sind die Konkurrenten von dict.cc? Und wie grenzt sich dict.cc von der Konkurrenz ab?
Das ist schwer zu sagen. Wenn man von einem Deutsch-Englisch-Wörterbuch spricht, denken die meisten Leute immer noch zuerst an Leo oder das Wörterbuch der TU Chemnitz. Aber es gibt noch viele andere und es werden ständig mehr. dict.cc ist selbstbewusst genug, Mitbewerber direkt zu verlinken, wenn mal ein Begriff nicht gefunden wird.
Das wäre schon einmal ein guter Abgrenzungspunkt. Offensichtlich trauen sich andere Onlinewörterbuchbetreiber nicht zu, im Sinne der Nutzer auf Mitbewerber zu verweisen. Außerdem muss man sich bei dict.cc für viele Features nicht extra umständlich registrieren. Das Forum, der Vokabeltrainer und zum Teil auch das Wortschatzsystem lassen sich registrierungsfrei benützen. Für registrierte Benutzer gibt es allerdings Zusatzfunktionen, die sich technisch nicht anders realisieren lassen.
Ein anderer Punkt ist die Finanzierung durch Werbung. Die meisten Internetangebote pflastern ihre Seiten mit Werbung zu, fünf Werbeplätze pro Seite sind keine Seltenheit. Bei dict.cc reicht ein Werbemittel pro Seite, um gut über die Runden zu kommen. Andererseits auch wieder klar, ich muss ja kein großes Redaktionsteam bezahlen.
Das absolute Alleinstellungsmerkmal bei dict.cc ist und bleibt natürlich der Fokus auf die Einbeziehung der User, dadurch bedingt natürlich der größere Wortschatzumfang und eine gewisse persönlichere Note. Als Beispiel möchte ich die Sprachaufnahmen für das englische Wort “tomato” anführen: vier amerikanische und drei britische Muttersprachler haben dieses Wort bereits vertont. Über den jeweiligen Benutzernamen sieht man oft sogar die Region, aus der der Sprecher stammt.
Worauf basiert das Geschäftsmodell von dict.cc? Ist die Plattform rein werbefinanziert?
Die Plattform ist rein werbefinanziert. Google AdSense und fertig - ich muss keine Zeit mit der Suche nach Sponsoren vergeuden, sondern kann mich rein um den Betrieb und die Weiterentwicklung von dict.cc kümmern. Ursprünglich hatte ich sogar versucht, ohne Werbung, nur mit Spenden durchzukommen, das hat aber nicht geklappt.
Mit über 100 Millionen Seitenaufrufen pro Monat gehört dict.cc zu den erfolgreichsten Websites im deutschsprachigen Raum. Gab es schon Übernahme-Angebote von Bertelsmann, Langenscheidt & Co?
Es gab schon eine Anfrage diesbezüglich, von einer Kanzlei, die mir den Namen des Klienten nicht genannt hat. Im Nachhinein denke ich mir, ich hätte bis zur Nennung einer Summe mitspielen sollen, aber ich habe gleich gesagt, dass ich dict.cc nicht hergeben will. Zu dem Zeitpunkt schon gar nicht, da war ich kurz vor meinem lang ersehnten Ziel, die Plattform für andere Sprachen zu öffnen. Vielleicht war ich ein wenig überheblich, das gleich abzulehnen, aber dafür war ich ehrlich.
Ach ja, und ab und zu wollen Investoren einsteigen. Das will ich aber gar nicht - das läuft nur darauf hinaus, dass die Nutzer durch gewinnmaximierende Maßnahmen vergrault werden. No way!
Wie sieht die Wachstumsstrategie von dict.cc aus? Welche Ziele hast du dir für 2010 gesetzt?
Die Strategie war immer schon organisches Wachstum. Abgesehen von kleinen Sponsoring-Aktionen von Events meiner Kollegen aus dem Unternehmerzentrum mache ich keine Werbung. Mein Ziel für 2010 ist, dass ich ein Jahr nach Freischaltung der neuen Sprachen, nach dann acht Jahren ununterbrochener Aufbauarbeit, beweisen kann, dass meine Idee funktioniert.
Danach möchte ich sehen, ob es klappt, zwischendurch mal von woanders aus zu arbeiten und nebenbei ein bisschen die Welt zu erkunden und meine eigenen Sprachkenntnisse zu erweitern.
Wie siehst du die Internetszene in Österreich?
Ich muss zugeben, ich bekomme vielleicht etwas zu wenig von der österreichischen Internetszene mit. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Internetszene für mich nicht an ein bestimmtes Land gebunden ist. Die Zugriffe auf dict.cc kommen beispielsweise zum größten Teil aus Deutschland und die Sites mit den meisten Zugriffen in Österreich meist aus den USA. Trotzdem freut es mich immer wieder, wenn auch in unserem kleinen Land tolle neue Projekte entstehen.
Neben dict.cc wirst du wohl auch noch ein paar andere Seiten besuchen. Verrätst du uns, welche?
Eigentlich nur die üblichen Verdächtigen, von Amazon, Facebook, ORF bis Wikipedia. Dann noch ein paar News-Sites wie Pressetext, Heise oder Gizmag, außerdem natürlich Wörterbuchsites, und danach geht’s schon tief in die Technik rein. Ja, und natürlich internetszene.at! ![]()
Welche Frage würdest du dir gerne selbst noch stellen? Wie lautet die Antwort?
Oh, eigentlich keine - bin wunschlos glücklich. Das war jetzt ohnehin schon ein halber Roman.
Danke für das Interview!
Das E-Interview führte Thomas Gabriel von Internetszene.at am 11.01.2010.
Mit Poken hat das Schweizer Start-Up Poken S. A. bunte Plastikfiguren erfunden, welche die Papiervisitenkarten ablösen sollen. Im Interview mit Tiburan-TV spricht Gründer Stephane Doutriaux über die Idee von Poken, die Zielmärkte und wie das Unternehmen aus Lausanne weiter wachsen soll.
Der 1. Digital-Marketing-Kongress von Werbeplanung.at wurde letzte Woche von Armin Wolf eingeläutet. Der ZIB-2-Moderator hatte den Kongress-Teilnehmern von seiner persönlichen Nutzung des Internets erzählt, warum er täglich eine Stunde twittert und noch nie auf eine Bannerwerbung geklickt hat.
Nach der Eröffnungsrede wurde der Medienprofi Wolf von Richie Pettauer (Blog Datenschmutz) zum Thema “Twitter” interviewt. Armin Wolf ist mit ca. 7.000 Followers Österreichs reichweitenstärkster Twitterer.
Der Online-Reiseführer tripwolf wird von Sebastian Heinzel und Alexander Trieb geleitet. Im Interview spricht CEO Sebastian Heinzel über die Idee und das Konzept des Wiener Startups.
Das Video-Interview wurde auf der ITB Berlin 09 geführt.
tripwolf wurde im Juli 2008 vom Wiener Inkubator i5invest gestartet und hat sich zum Ziel gesetzt, die führende Reiseplattform für Individualreisende zu werden.
Sebastian Heinzel hat Volkswirtschaft in Wien und Madrid sowie Publishing in New York studiert. Vor seinem Einstieg bei i5invest berichtete er als Journalist und Autor für Medien wie “profil”, “Die Zeit” und “Spiegel Online” aus aller Welt.
Hansjörg Posch hat 10 Prognosen für das Jahr 2009 als Gastautor für internetszene.at verfasst. Der Gründer des österreichischen Startups tunesBag sieht als große Trends für dieses Jahr u.a. eine Marktbereinigung von Social Networks und eine zunehmende Verschmelzung von TV und Internet.
1. Der Browser wird zur Schaltzentrale und zum Arbeitsplatz
Neue Browser-Versionen (Firefox 3.1 / Internet Explorer 8 ) werden 2009 dafür sorgen, dass sich immer mehr Aufgaben in den Browser verlagern und das Betriebssystem an Bedeutung verliert. Auch Microsoft hat die Zeichen erkannt und wird versuchen mit Online-Versionen von Word, Excel und Powerpoint zu punkten.
2. Internet am Handy startet durch
Mit dem iPhone wurde eine Revolution losgetreten - das Internet am Handy wird 2009 einen neuen Höhenflug erleben. Immer mehr Websiten werden für die kleinen Alleskönner optimiert und bieten flottes Surf-Vergnügen auch unterwegs. Interessant wird sicherlich das Rennen um den gelungensten iPhone - Klon bzw mit welchen Neuerungen Apple aufwarten wird.
3. GPS / Location based services
Inzwischen gehört der GPS-Empfänger bei hochwertigen Geräten zum Standard - damit lassen sich in Zukunft interessante Anwendungen realisieren. Die Bandbreite reicht von Restaurant-Findern über Fun-Anwendungen bis hin zu klassischen Navigations-Lösungen.
4. TV und Internet rücken enger zusammen
Wer heute online Videos und TV-Sendungen sucht wird meist bei YouTube fündig. Dieser Trend wird sich auch im nächsten Jahr fortsetzen und TV-Anbieter werden gut daran tun möglichst viele Angebote auch online zu publizieren wenn sie die junge Zielgruppe erreichen möchten.
5. Man spricht Deutsch, Chinesisch und Französisch
Immer mehr Dienste werden nicht nur auf Englisch sondern in vielen Sprachen angeboten - dadurch werden populäre internationale Dienste auch bei uns schneller eine Verbreitung finden und Möglichkeiten für lokale Nachahmer (”Copycats”) eingeschränkter.
6. Streaming statt Download bei Musik
Nicht mehr Dateien auf der lokalen Festplatte sondern das Internet macht die Musik - Streaming-Dienste wie last.fm oder tunesBag.com werden zunehmend zur Quelle für Musik zu Hause, im Büro und am Handy.
7. Widgets setzen sich durch
Widgets sind kleine Helferlein, die schnell auf der eigenen Website eingebunden sind und populäre Anwendungen direkt einbinden. Die Angebote werden im nächsten Jahr deutlich professioneller werden und sich harmonischer in andere Sites einfügen.
8. Verbesserte Personalisierung
Die verfügbaren Informationen im Internet werden nicht weniger - um das Wesentliche aus der Flut herauszufiltern werden intelligente Personalisierungs- und Empfehlungssysteme immer wichtiger. Im nächsten Jahr werden wir hier einige Neuerungen sehen, die uns helfen den Überblick zu bewahren.
9. Konsolidierung bei Social Networks
Niemand braucht das zehnte Social Network für werdende Mütter - das nächste Jahr wird daher von einer Bereinigung der Anbieter gekennzeichnet sein. Erhalten bleiben uns Massenanbieter wie Facebook oder populäre Nischendienste, die eine spezielle Zielgruppe ansprechen.
10. Revival der kostenpflichtigen Web-Dienste
Die Zurückhaltung bei Investitionen und Werbung erfasst auch das Internet - daher werden Anbieter im nächsten Jahr wieder verstärkt auf kostenpflichtige Premium-Konten setzen. Diese bieten mehr Features, Speicherplatz oder längere Aufbewahrungszeiten an. Entscheidend für die Akzeptanz wird auch weiterhin sein wie einfach der Zahlungsprozess gestaltet ist.
Autor: Hansjörg Posch
Hansjörg Posch, Gründer von tunesBag, spricht im Interview über seinen neuen Dienst, der die eigene Musiksammlung mobil macht und das legale Tauschen von Musik fördert. Weiters spricht der 27-jährige Wiener über die rechtlichen Aspekte und das Leben als Internetunternehmer in Österreich.
Hi Hansjörg, kannst du bitte das Konzept von tunesBag erklären?
tunesBag ist eine Online Audio Library, iTunes via Browser sozusagen. Mit dem Service hat man jederzeit und überall Zugriff auf seine Musiksammlung und kann damit einfach zB während der Arbeit Musik hören oder am Wochenende bei Freunden unkompliziert als DJ brillieren. Mit tunesBag wird die Musik unabhängig von iPod, PC oder Mac und so universell verfügbar. Als Nebenprodukt wird praktischerweise ein Backup der hart erworbenen Tracks durchgeführt.
Was ist die Stärke von tunesBag?
tunesBag schafft eine einfache Möglichkeit für den Online-Zugriff auf die eigene Musik und lässt auch ein Teilen mit Freunden zu. Dazu werden Selektierungsmöglichkeiten wie Playlists (dynamisch oder statisch) angeboten, die Ordnung schaffen und die Übersicht verbessern. Für den optimalen Hörgenuss ermittelt das System Empfehlungen passend zum aktuellen Track / Künstler.
Um den Nutzen nachhaltig zu steigern setzt das Produkt einen starken Fokus auf die Integration bestehender Dienste. Dazu kann der Nutzer zB seinen Facebook - Account integrieren um die dortigen Freunde automatisch als tunesBag - Freunde zu definieren oder aber auch das Video zu einem Track bei YouTube begutachten.
Wie kommt die Musik in das System?
Der Rohstoff ist bereits da - auf der Festplatte des Nutzers und seiner Freunde. Um diese nun in das System zu bringen stehen einige Möglichkeiten zur Verfügung, beginnend von einem einfachen Web - Upload, E-Mail bis hin zu einer installierbaren Applikation für den Import der iTunes / Winamp Bibliothek. Dazu kommt eine Reihe bereits bereitstehender, freier Musik und zahlreiche Podcasts, die der Nutzer abonnieren kann.
Wer steckt hinter tunesBag?
Ich (Hansjörg Posch) habe gemeinsam mit mehreren Freelancern ein skalierbares System entwickelt, das konsequent auf Web-Standards setzt. tunesBag ist ein J2EE Produkt und wird mit Hilfe von Adobe ColdFusion auf einer OpenSource Basis betrieben.
Wie ist der Name tunesBag entstanden?
tunesBag hat sich nach mehreren Iterationen als optional erwiesen, da der Name den Grundgedanken am Besten zum Ausdruck bringt: Meine Melodien, meine Musik immer im Bag dabei. Dass die Domain dann auch noch frei war nenne ich glückliche Fügung.
Wie kam es zu der Idee?
Die Idee wurde ganz klar aus persönlichen Bedürfnissen heraus geboren: Oftmals kam es vor, dass Track-Empfehlungen nur nervig über E-Mails mit MP3-Attachments liefen oder ich bei einer Sommerfete einfach relaxte Musik laufen lassen wollte, aber meinen iPod zu Hause vergessen hatte - kurzum, die Musik war oft nicht da, wo ich war. Mit tunesBag hat sich das gebessert, nun kann man sich überall einloggen, die Verbindung Notebook/Stereoanlage ist meistens kein Thema und Empfehlungen an Freunde laufen nun auch viel einfacher ab.
Wie lange hast du für die Umsetzung benötigt?
Inklusive der Konzeptionsphase läuft das Projekt nun seit der zweiten Jahreshälfte 2007. Erstmals öffentlich vorgestellt wurde es zum Jahreswechsel bei dig.it.all der Telekom Austria in Wien.
Welche Zielgruppe und Zielmärkte spricht tunesBag an?
Ich denke, es gibt sogenannte Musik-Hubs, also Leute die sich sehr intensiv mit Musik beschäftigen und diese auch Freunden empfehlen. Diese gilt es zu erreichen und motivieren, ihre Freunde in tunesBag einzubinden. Ich denke mit der Facebook Integration (Facebook Freunde = tunesBag Freunde) lässt sich das auch relativ einfach handhaben.
Der Markt als solches ist weltweit zu sehen, ich denke das Produkt ist nicht so sehr geographisch als mehr Nutzer-orientiert zu sehen. Loic Le Meur hat das letztens in einem Interview mit Global Or Die: Is There A Future For Local Startups? denke ich recht gut umschrieben. Daher ist es auch absolut wichtig für das Project eine nennenswerte Audience in den Staaten oder UK aufzubauen.
Wie kann sich tunesBag zu Diensten wie last.fm oder Myspace abgrenzen?
Bestehende Communities wie last.fm oder Facebook werden integriert (zB wird die Freundesliste aus Facebook bezogen oder Hörgewohnheiten werden an last.fm übertragen). Unser Ansatz ist es eine smarte Lösung für den Hörgenuß via Browser zu schaffen und wir setzen hier konsequent auf Integration anderer Dienste und einfache Handhabung.
Zu unseren Mitbewerbern zählen anywhere.fm, deezer, simfy oder mp3tunes.
Wie finanziert sich tunesBag?
Derzeit wird das Projekt privat finanziert, dies soll sich natürlich in absehbarer Zeit ändern. Daher wird eine erste Finanzierungsrunde angestrebt, um die Entwicklung voranzutreiben und das Produkt kräftig in den Markt zu pushen.
tunesBag ist kostenlos und soll es grundsätzlich auch immer bleiben. Umsätze sollen über Display/Audio Werbung, Artist-Features oder Affiliate - Programme generiert werden. Kostenpflichtige Zusatzdienste oder die Vermarktung über Partner sind geplant.
Stellten rechtliche Aspekte bei der Gründung von tunesBag keine großen Hürden dar?
tunesBag ist eindeutig legal - das Hochladen der eigenen Musik unterliegt der Verantwortung des Nutzers, DRM geschützte Daten werden vom System nicht akzeptiert und die Inhalte werden nicht öffentlich zur Verfügung gestellt. Das Teilen der Playlists und Daten mit den Friends wird nur via Streaming angeboten und steht in Einklang mit der Rechtslage in Österreich und den meisten Ländern der Welt (Privatkopie).
Welche weiteren Features werden in Zukunft folgen?
Neben der Analyse der Ergebnissen des ersten Beta-Tests wird natürlich bereits an neuen Features gearbeitet, die nach und nach das Licht der Welt erblicken werden. Für Developer wird es eine API geben, die den standarisierten Zugriff auf Informationen erlaubt. Eine deutsche Version soll auch folgen
Wie siehst du die Internetszene in Österreich?
Ein komplexes Thema - Licht und Schatten. Auf der einen Seite sehe ich relativ viele innovative Ansätze auf der anderen ist es real recht schwierig aufgrund des fehlenden Umfeldes sehr viel zu bewegen. Das Internet verbindet uns zwar alle aber in Wirklichkeit kommt es - abgesehen von wenigen Ausnahmen - immer auf die Kontakte und Verbindungen an, die über Erfolg oder Misserfolg eines Produkts entscheiden. Mit tunesBag stehen wir natürlich genau vor diesem Dilemma aber wir sind für die erste Phase mit dem Fokus auf die englische Sprache, der Integration der Major Players wie Facebook, Twitter oder last.fm denke ich ganz gut gerüstet. In der zweiten Phase muss ganz klar auch eine Internationalisierung auf der Ebene der Beteiligten passieren.
Welche Websites im deutschsprachigen Raum findest du besonders interessant?
Gut gemacht und interessant finde ich so manche Zeitungs- oder Magazin-Seite wie zB derspiegel.de oder nzz.ch, dann gibt es eine Reihe lesenswerter Blogs (zB von Andreas Göldi oder einige bei jurablogs.com) und nicht zu vergessen sind die puren Unterhaltungs-Seiten wie bild.de oder viply.de - so schlecht, dass einen die dortigen News nicht aufmuntern können, kann es einem gar nicht gehen.
Dein Schlusssatz?
MITSTREITER GESUCHT! Um das Projekt ordentlich voranzutreiben werden Leute gesucht, die wissen wie man ein solches Produkt optimal positioniert und in den Markt bringt. Wenn einer der werten Leser sich dazu befähigt fühlt oder jemanden kennt und Referenzen vorweisen kann, bin ich gerne für ein Gespräch bereit.
Ansonsten: Das Leben ist zu kurz um schlechte Musik zu hören!
Neugierg geworden? Hansjörg stellt den Internetszene.at Lesern 20 Invitations zur Verfügung. Jetzt tunesBag entdecken.
Das E-Interview führte Thomas Gabriel von Internetszene.at am 18.03.2008.



RSS abonnieren